Mehr Platz als nötig? Dreieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl wirken die über 20 Meter breiten Wahlplakatwände – hier am Miesbacher Habererplatz – etwas überdimensioniert. Bürgermeister Gerhard Braunmiller hält sie dennoch für die beste Option.
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Mehr Platz als nötig? Dreieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl wirken die über 20 Meter breiten Wahlplakatwände – hier am Miesbacher Habererplatz – etwas überdimensioniert. Bürgermeister Gerhard Braunmiller hält sie dennoch für die beste Option.

Alternative zum Wildplakatieren

Sind die Plakatwände überdimensioniert? Bürgermeister sieht „keinen Änderungsbedarf“ - mangels Alternative

  • Jonas Napiletzki
    VonJonas Napiletzki
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Die Wahlplakatwände in Miesbach haben zuletzt am Marktplatz für Unmut gesorgt. Jetzt sind die Flächen noch immer fast leer. Der Bürgermeister hält sie trotzdem für die beste Variante.

Miesbach – Sie stehen wörtlich im Fokus der Öffentlichkeit: die Wahlplakatwände in der Kreisstadt. Kein Wunder – mit gut 20 Metern Breite und knapp 2,5 Metern Höhe sind sie nicht zu übersehen.

Nur: Auf der großen Fläche wirken die bisher geklebten Plakate recht verloren. Dass der verbleibende Platz bis zum 26. September noch gefüllt wird, scheint unwahrscheinlich. Sind die Wände also überdimensioniert?

Das sagt die Stadt Miesbach - Braunmiller erklärt Plakatwände

Bürgermeister Gerhard Braunmiller erklärt die Maße der Wände auf Nachfrage mit der Plakatierungsverordnung: „Es sind 26 Parteien zugelassen worden – und für alle müssen wir ausreichend Platz zur Verfügung stellen.“ Ob die Plakatflächen tatsächlich genutzt werden, bleibe jedoch den Parteien selbst überlassen.

Dass manche der Kleinparteien ohne Kreisverband und Ortsbezug nicht in Miesbach plakatieren werden, ist freilich absehbar. Etwa die HipHop Partei (du.), die Gerechtigkeitspartei (Team Todenhöfer) oder die Humanisten haben bislang wenig im Landkreis auf sich aufmerksam gemacht.

Braunmiller betont jedoch, die Stadt sei davon unabhängig dazu verpflichtet, entsprechende Flächen zur Verfügung zu stellen. Die maximale Plakatgröße beträgt A0 – was 84,1 auf 118,9 Zentimetern entspricht (wir berichteten). Multipliziert man die Breite, ergibt sich ein notwendiges Maß der Wände von je knapp 22 Metern.

Die Plakatierungsverordnung hat sich die Stadt Miesbach selbst gegeben. Sie beschränkt die Plakatierung auf die Wände – und verbietet das „Wildplakatieren“ etwa an Straßenlaternen, Masten und Freiflächen. Das sieht Braunmiller als Vorteil.

Denn auch, wenn die Wände möglicherweise nicht komplett genutzt werden: „Sie ermöglichen eine geordnete Struktur.“ So könne sichergestellt werden, dass nur dort plakatiert werde, wo die Stadt dies auch wünsche. Würde man die Wände abschaffen oder verkleinern, müsste die Stadt stattdessen die Freigabe zum Wildplakatieren erteilen, erklärt der Bürgermeister.

„Im Rathaus sind bislang keine negativen Stimmen zu den leeren Wänden eingegangen“, betont Braunmiller. Auch künftig werde Miesbach deshalb auf die Plakatwände setzen. „Außer, wir haben bei der nächsten Wahl 40 zugelassene Parteien – dann müssten wir das Konzept neu überdenken.“ Aber: „Momentan sehe ich aber keinen Änderungsbedarf“, erklärt der Bürgermeister.

Freie Wähler in Miesbach haben spät plakatiert - befürworten

Ähnlich sieht dies auch Gisela Hölscher, Vorsitzende der Kreisvereinigung Miesbach der Freien Wähler. Sie sagt: „Im Raum Miesbach, Schliersee und Bayrischzell haben wir erst in dieser Woche plakatiert.“ Aufgrund des schlechten Wetters hatte sich das Team der Freien Wähler lange auf die Gegend in und ums Tegernseer Tal beschränkt. „Sonst liegen die Plakate schnell wieder am Boden.“ Grundsätzlich befürwortet Hölscher jedoch die Plakatwände in der Kreisstadt. „Ich bin gegen das Wildplakatieren – und auf den Wänden sind die Plakate gut aufgeräumt.“ Ordnung und Platz seien dafür wichtig.

„Insgesamt kleben wir etwa 100 Plakate im Landkreis“, sagt die Vorsitzende. Von anderen Parteien habe sie eher den Wunsch nach mehr Fläche vernommen – und keine Kritik an den großflächigen Plakataufstellern.

Bayernpartei will noch in Miesbach plakatieren

Die Bayernpartei hat indes noch keine Wahlwerbung auf den Plakatflächen angebracht. Hubert Dorn, Generalsekretär der Bayernpartei, erklärt auf Nachfrage: „Wir planen Anfang September eine Plakatierungsaktion durch Miesbach.“ Die Plakate seien in dieser Woche eingetroffen. Wann, wo und wie viele Plakate in der Kreisstadt hängen werden, sei noch unklar. Platzprobleme wird die Partei aber keine haben – das ist sicher.

Der Einsatz von Stadtrat Markus Seemüller gegen die Plakatständer am Marktplatz war vergeblich. Miesbachs Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner bestätigt, der Platz werde beibehalten.

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