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Weltweit erste Impfpflicht in Bayern: Mann zeigt historischen Impfschein - Krankheit heute ausgerottet

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Von: Christine Merk

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Ein Dokument mit Seltenheitswert: Heinrich Brandmeier mit dem Impfschein von Maria Stöger, ausgestellt im Jahr 1822.
Ein Dokument mit Seltenheitswert: Heinrich Brandmeier mit dem Impfschein von Maria Stöger, ausgestellt im Jahr 1822. © Stefan Schweihofer

Heinrich Brandmeier besitzt einen 200 Jahre alten Schutzpocken-Impfungs-Schein seiner Urgroßmutter. Sie wurde mit zwei Jahren geimpft. Pocken gelten heute als ausgerottet.

Miesbach – Seine Urgroßmutter Maria Stöger hat Heinrich Brandmeier (83) nicht mehr kennengelernt. Aber ein Dokument, das für sie im Juni 1822 – also vor fast 200 Jahren – ausgestellt wurde, hat in diesen Tagen seine Aufmerksamkeit gewonnen: ein „Schutzpocken-Impfungs-Schein“, wie auf dem Blatt zu lesen ist.

Weltweit erste Impfpflicht in Bayern: Urgroßmutter 1822 gegen Pocken geimpft

Maria Stöger war knapp zwei Jahre alt, als sie gegen die Pocken geimpft wurde. „Bayern hat damals als erstes Land weltweit die Impfpflicht gegen Pocken eingeführt“, hat Brandmeier bereits recherchiert.

Das war 15 Jahre, bevor seine Urgroßmutter geimpft wurde, am 26. August 1807. Ob ihre Eltern froh waren um die Möglichkeit, ihre kleine Tochter vor der lebensgefährlichen Krankheit zu schützen, oder ob sie sich der vom Königreich auferlegten Impfpflicht nur aus Angst vor einer Geldstrafe beugten, ist heute nicht mehr in Erfahrung zu bringen.

Jedenfalls starben in den Jahren vor Einführung der Impfpflicht vor allem viele Kinder an Pocken, auch Blattern genannt. Das Virus tötete alten Aufzeichnungen zufolge jedes zehnte Kind. Wer die Krankheit überlebte, war von Narben gezeichnet, viele waren blind, taub oder gelähmt.

Pocken-Impfpflicht in Bayern: Nach acht Tagen wurde die Wirkung kontrolliert

Der Miesbacher, der am Korbmacherhof zuhause ist, hat noch andere alte Dokumente aus dem Familienerbe. Die Blätter, Bücher und Fotos sind teils durch mehrere Hände gegangen, an manchen sieht man noch Spuren eines Brandes. Manche sind schwer zu lesen, weil sie in alten Schriften geschrieben sind, etwa ein Kriegstagebuch von 1915, in dem die Namen etlicher Miesbacher Familien vorkommen.

Ein Dokument mit Seltenheitswert: Heinrich Brandmeier mit dem Impfschein von Maria Stöger, ausgestellt im Jahr 1822.
Der Impfschein von Maria Stöger, ausgestellt im Jahr 1822. © Stefan Schweihofer

Auch der Impfschein von Maria Stöger ist in alter Schrift verfasst. Aus ihm ist herauszulesen, dass acht Tage nach der Impfung kontrolliert wurde, ob das Mädchen auf das schützende Vakzin reagiert hat. Offensichtlich hat Maria Stöger reagiert: „...welche sich bei der am 8ten Tage nach der Impfung erfolgten genauen Untersuchung der Form und Verlauf gemäß als echt erwiesen, und benanntes Individuum vor der Blattern-Krankheit schützen...“, steht auf dem Papier geschrieben.

Dokument beweist: Bayern führte als Vorreiter Impfflicht gegen Pocken ein

Für Heinrich Brandmeier ist der Impfschein seiner Urgroßmutter ein Dokument, das zeige, wie fortschrittlich Bayern vor mehr als 200 Jahren war, als es in einer Vorreiterrolle die Impfpflicht gegen die Pocken einführte und damit viele Leben rettete. Seit 1980 gelten Pocken als ausgerottet.

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