Teilnehmer einer Versammlung zum Thema Corona auf der Waitzinger Wiese in Miesbach.
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Neues Einsatzfeld der Polizei: Insgesamt 495 Versammlungen zum Thema Corona – wie diese hier auf der Waitzinger Wiese in Miesbach – begleiteten die Beamten des Präsidiums Oberbayern Süd.

Kriminalitätsstatistik

Polizeipräsident: „Die Menschen können sich sicher fühlen“

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit der Polizei im südlichen Oberbayern verändert. Mit der Kontrolle der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen kam ein völlig Tätigkeitsfeld hinzu: Die Begleitung von Versammlungen ist erheblich nach oben geschnellt.

In vielen Bereichen sind die Kriminalitätszahlen des Präsidiums aber rückläufig. Insgesamt war die Fallzahl (Aufenthaltsrechtsverstöße oder ähnliches abgezogen) sogar so gering wie noch nie seit Bestehens des Polizeipräsidiums, also seit 2009. In dessen Zuständigkeit fällt auch der Kreis Miesbach. Bei der Präsentation der Sicherheitsstatistik sagte Polizeipräsident Robert Kopp gestern: „Die Menschen, die hier leben, können sie sicherer fühlen als in vielen anderen Regionen.“

Lockdowns senken Zahlen der Gewaltdelikte

Die beiden Lockdowns haben so manches mit sich gebacht, was sich in der Kriminalitätsstatistik niederschlägt. Gaststätten waren geschlossen, Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen verboten, Volksfeste fielen aus. Auch dies macht Kopp für den Rückgang bei der Zahl der Gewaltdelikte verantwortlich. Sie fiel erstmals seit 2015 merklich – um 190 auf 1486. „Alkohol ist immer ein Katalysator“, sagte der Polizeipräsident. Beim schwersten Vergehen, den Tötungsdelikten, gab es hingegen keinen Rückgang. Sie lag mit 58 (inklusive Versuche) zwar um acht höher als im Vorjahr. Kopp bewertet dies aber als „keine Auffälligkeit“, sondern als eine „gewisse Schwankung“.

Langzeit-Trend: Häusliche Gewalt steigt

Anders als im bayernweiten Trend ist die Zahl der Delikte im Bereich häusliche Gewalt im südlichen Oberbayern vergangenes Jahr gestiegen. Um 6,9 Prozent beziehungsweise 111 auf 1723 Fälle. Offenbar ein Langzeit-Trend: Vor zehn Jahren wurden nur 1207 Fälle registriert. Ebenfalls zugenommen haben die Sexualdelikte, um 133 auf 947. Wobei hier Kopp zufolge insbesondere Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie enorm gestiegen sind. Allein hier registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 375 Fälle – 118 mehr als zuvor.

Straßenkriminalität: Geringste Zahlen im Zehn-Jahres-Vergleich

Dämpfend macht sich die Corona-Pandemie bei der Straßenkriminalität bemerkbar, also etwa Körperverletzung, Raub, Sachbeschädigung und Kfz-Diebstahl. 869 weniger Fälle, insgesamt 6824, verzeichnete die Polizei 2020, der niedrigste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich. Am höchsten war die Zahl im Jahr 2011 mit 10 219 gewesen. Die Aufklärungsquote ist hier je nach Delikt höchste unterschiedlich, wie der Leitende Polizeidirektor Frank Hellwig darstellte. Wem sein Radl geklaut wird, der braucht sich wenig Hoffnung auf Aufklärung machen (12,1 Prozent). Beim Raub sieht es mit 85,3 Prozent schon ganz anders aus. Alles in allem verzeichnet das Präsidium eine Aufklärungsquote von 75,6 Prozent, ein Plus von 2,9 Punkten.

Seit Jahren immer weniger Wohnungseinbrücke, aber wieder mehr bei Betrieben

Ebenfalls rückläufig, und das seit Jahren, ist die Zahl der Wohnungseinbrüche. Lag sie (inklusive Versuche) 2014 noch bei 608 ist sie inzwischen auf 279 gesunken. Im Lockdown hat sicher eine Rolle gespielt, dass die Menschen zu Hause waren und auf den Straßen des nachts Polizeikontrollen drohten. Bei den Einbrüchen in Geschäftsräume stieg die Zahl nach einem für das Präsidium historischen Tief 2019 (319 Fälle) leicht an (351).

Versammlungen: 495 zum Thema Corona

Zunächst nur als Begleiter ist die Polizei bei Veranstaltungen und Versammlungen tätig. Während Erstere auf 415 (Vorjahr: 1352) zurückgingen, schnellten die Versammlungen von 209 auf 571 empor. 495 davon fanden zum Thema Corona statt, mit kaum Verstößen im Straftatenbereich. Ebenfalls steigend stellen sich die Zahlen bei den Drogen- (leicht) und Computerbetrug-/kriminalität (stark) dar – jeweils neue Höchststände.

Landkreis Miesbach: Zahl der Delikte leicht gestiegen

Von den insgesamt 54 141 Delikten (minus 627) im Jahr 2020 in neun Landkreisen und der Stadt Rosenheim sind 3856 dem Kreis Miesbach zuzuordnen. Dies bedeutet – anders als im Präsidiums-Trend – ein Plus von 3,9 Prozent. Das Mehr wurde allerdings von weniger Tatverdächtigen begangen – nämlich 2164 (minus 52). Weitere Details zum Landkreis Miesbach wurden bis dato nicht veröffentlicht.

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