Ein einziger Zweig, zum richtigen Zeitpunkt geschnitten und auf eine Unterlage veredelt, kann eine vergessene Obstsorte vor dem Aussterben bewahren. Das hat sich Pomologe Georg Loferer zum Ziel gesetzt.
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Ein einziger Zweig, zum richtigen Zeitpunkt geschnitten und auf einer Unterlage veredelt, kann eine vergessene Obstsorte vor dem Aussterben bewahren. Das hat sich Pomologe Georg Loferer zum Ziel gesetzt.

Arche-Noah-Gärten für seltene Äpfel

Pomologe Georg Loferer sucht und erhält im ganzen Landkreis alte Apfelsorten

  • Christine Merk
    vonChristine Merk
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Von manchen Apfel- und Birnensorten gibt es nur noch wenige Bäume. Sie vor dem Aussterben zu bewahren, hat sich Pomologe Georg Loferer zu Ziel gesetzt.

Landkreis – Wertvolle Schätze finden sich in manchen alten Obstgärten des Landkreises: seltene Apfel- und Birnensorten, von denen teilweise nur noch wenige Bäume existieren. Das Projekt „Apfel-Birne-Berge“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese alten Sorten zu identifizieren und in Erhaltungsgärten zu sichern. Pomologe Georg Loferer war dazu unter anderem in Weyarn, Bayrischzell, Valley, Irschenberg und Gmund unterwegs.

Herr Loferer, Sie waren auf der Suche nach alten Apfel- und Birnbaumsorten im Landkreis unterwegs. Was haben Sie gefunden?

Einige sehr interessante Sorten. Zum Beispiel die echte Fromms Goldrenette, das ist ein Apfel, der schon fast ausgestorben ist. Oder den Röthaer Blenheim, auch eine Apfelsorte, die wir in vier verschiedenen Landkreisen entdeckt haben. Das Interessante ist, dass es eine Lokalsorte ist, die ursprünglich aus Sachsen stammt. Vor 100 Jahren muss sie hier sehr verbreitet gewesen sein. Auch eine Blutbirne mit rotem Fleisch ist erwähnenswert.

Stehen die Bäume in alten Obstgärten?

In der Regel schon. Vor allem, wenn diese Gärten noch vor den Weltkriegen angelegt wurden oder eine Schnapsbrennerei vorhanden war oder ist, finden wir seltene Sorten. Einige Bäume sind über 150 Jahre alt, zum Beispiel ein Spitzapfel aus Irschenberg, der genetisch nicht bestimmt werden konnte.

Woher wissen Sie, dass es sich um alte Sorten handelt?

Erst mal schaue ich selbst den Baum, den Standort und die Frucht an und friere einige Blätter ein. Proben von besonders interessanten Früchten gebe ich an andere Pomologen weiter. Die Blätter werden in einem Schweizer Labor genetisch untersucht und die Ergebnisse mit einer Datenbank verglichen, die Informationen zu etwa 1000 Sorten enthält. Das gibt dann die letzte Sicherheit.

Von den Bäumen haben Sie Reiser genommen, mit denen neue Bäume gezogen werden. Wie kann man sich das vorstellen?

Ich habe nach einjährigen kräftigen Trieben gesucht, was bei manchen der alten Bäume übrigens gar nicht so leicht war, und davon zehn bis 20 Stück geschnitten. Sie bekamen dann einen Code, wurden in Sand eingeschlagen und kühl gelagert. In der Baumschule wurden die Triebe dann veredelt, das heißt, dass sie auf Jungbäume aufgesetzt wurden. Ab 2022 werden die Jungbäume in Erhaltungsgärten, auch Arche-Noah-Gärten genannt, gepflanzt.

Das Projekt

Seit 2015 werden in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land alte Obstbäume kartiert. Von seltenen, erhaltenswerten Sorten werden Reiser genommen und damit neue Bäume gezogen. In der Baumschule Schmitt im Kreis Forchheim wachsen aktuell Apfel- und Birnbäume in 255 Sorten heran. Die Bäume werden später in sogenannte Arche-Noah-Gärten ausgepflanzt. Den größten wird es am Stadtrand von Rosenheim geben. Später sollen die Bäume auch für private Gartenbesitzer erhältlich sein. Projektmanagerin Eva Bichler-Öttl führt bereits eine Liste mit interessierten Streuobstwiesenbesitzern. Finanziert wird das Projekt „Apfel-Birne-Berge – Alte Obstsorten in den oberbayerischen Voralpenlandkreisen“ vom Bayerischen Naturschutzfonds, dem Bezirk Oberbayern, dem Bezirksverband für Gartenkultur und Landespflege sowie den beteiligten Landkreisen und dem Trägerverein Biosphärenregion Berchtesgadener Land. Weitere Infos: www. apfel-birne-berge.de.

Haben Gartenbesitzer irgendwann die Chance, diese alten Sorten zu kaufen?

Das ist das Ziel des Projekts. Die Arche-Noah-Gärten werden öffentlich zugänglich sein, und dort sollen später auch Verkostungen stattfinden. Es wird natürlich Sorten geben, die für den Anbau gar nicht unbedingt geeignet sind, weil die Äpfel beispielsweise zu sauer sind oder die Bäume sehr viel Platz brauchen. Aber manche der alten Sorten werden für Gartenbesitzer interessant sein. Zumindest ist in den Arche Noah Gärten das genetische Gut gesichert.

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