Trinkwasser im Kreis Freising muss dringend abgekocht werden

Trinkwasser im Kreis Freising muss dringend abgekocht werden
+
Die Miss Watzmann damals und heute: Auch ohne Seil machte Dagmar Wippern vor keiner Felswand halt.

Porträt über Bergsteigerin Dagmar Wippern

Miesbachs „Miss Watzmann“ wird 90 Jahre alt

  • schließen

20 Mal durchkletterte Dagmar Wippern die Watzmann-Ostwand. Schon in den 1950er-Jahren führte sie Seilschaften an. Jetzt feiert die „Miss Watzmann“ aus Miesbach ihren 90. Geburtstag.

Miesbach – Leicht hat es König Watzmann seiner jungen Bezwingerin nicht gemacht. Im dicken Nebel kämpfte sich die 28-jährige Dagmar Wippern am 24. Juli 1955 mit ihrem Begleiter Peter von Grundherr durch die berühmt-berüchtigte Ostwand. „Von der Wand gesehen hab ich nicht viel“, erzählt die Miesbacherin, die am 21. Juni ihren 90. Geburtstag feiert. Trotzdem schaffte sie es auf den Gipfel. Es war die erste ihrer 20 Durchschreitungen der anspruchsvollen Routen. Und der Beginn einer Leidenschaft für die Berge und das Klettern – in einer Zeit, in der Frauen am Seil noch eine absolute Ausnahmeerscheinung waren.

Ihre Tourenfotos füllen Alben: Dagmar Wippern aus Miesbach hat seit den 1950er-Jahren unzählige Gipfel erklommen.

In die Wiege gelegt wurde Wippern die Kraxelei nicht. Sie wuchs in Petersburg im Ostsudetenland auf. „Bis auf ein paar Buckel war das Flachland“, sagt sie. Dennoch seilte sie sich früh von zuhause ab. Schon als kleines Kind erkundete sie neugierig ihre Umgebung. „Meine Eltern mussten mich oft suchen“, erinnert sie sich schmunzelnd. So kam es ihrem Freiheitsdrang sogar entgegen, als sie 1943 zu ihrer Cousine und deren Mann nach Hausham zog, um im Haushalt zu helfen.

Es dauerte nicht lang, ehe das quirlige Mädel ein paar Burschen kennenlernte. Die fragten sie eines Tages, ob sie von Neuhaus mit auf die Brecherspitze marschieren wollte. Wippern zögerte nicht. „Was die Burschen können, kann ich schon lang“, sagte sie sich da. Sie hatte recht. Mit Halbschuhen und Rock lief sie so flink den Westgrat hinauf, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Ans Klettern gedacht habe sie da noch nicht, meint Wippern.

Das änderte sich, als sie mit zwei Arbeitskolleginnen auf der Schellenbergalm im Rotwandgebiet übernachtete. Dort lernte sie zwei Gmunder Bergwachtler kennen, die am nächsten Tag auf die Ruchenköpfe kraxeln wollten. Wippern fragte, ob sie mitkommen dürfe. Sie durfte. Die jungen Männer nahmen sie in der Mitte ans Seil und erklärten ihr, was sie machen soll. „Da hinlangen, wo wir hinlangen“, sagten sie ihr. Wippern folgte ihrem Rat – und machte sich richtig gut. Nach der Tour sagten die Bergwachtler ihr: „Du stellst dich nicht an, du kannst wieder mitkommen.“

Es war diese Mischung aus Unbedarftheit und Eigenverantwortung, die Wippern dabei half, in den 1950er-Jahren in den damals von Männern dominierten Alpinismus vorzudringen. Bereits 1952 – zwei Jahre nach der Gründung – trat sie in die Alpenvereinssektion Leitzachtal ein. Ihre Touren führten sie in den Wilden Kaiser, aufs Matterhorn und sogar bis an den Mont Blanc. Stets trug sie ihren Rucksack selbst, egal, wie schwer die Hanfseile und Eisenhaken an ihren Schultern zerrten. Was ihr an Kraft fehlte, machte sie mit Geschicklichkeit wieder wett. „Man muss mit den Augen klettern, nicht mit den Beinen“, sagt Wippern.

Mit der Zeit überzeugte sie auch die stolzesten Bergwachtler, ihr die Führung am Seil zu überlassen. Und wenn so manches gestandene Mannsbild im Fels plötzlich zittrige Knie bekam, sprach ihm die zierliche junge Frau Mut zu. So brachte sie auch einen arg verängstigten Beamten aus Nürnberg wohlbehalten von der Zugspitze ins Tal. „Der war fast doppelt so groß wie ich“, erzählt Wippern schmunzelnd. Das schönste Kompliment machte ihr einer ihrer Bergkameraden: „Du kannst vielleicht mein Gewicht nicht halten, aber du bist ein moralischer Halt.“

In der damaligen Männerdomäne Alpinismus war Dagmar Wippern eine absolute Ausnahmeerscheinung. Die Bergwacht München lud sie deshalb zu einer Abseil-Vorführung vom Turm der Maria-Hilf-Kirche ein.

Nur einmal brauchte Wippern selbst Hilfe – ausgerechnet an ihrem Lieblingsberg, dem Watzmann. Als am Übergang zwischen Gletscher und Fels plötzlich das Eis unter ihr wegbrach, stürzte sie sechs Meter in die Tiefe. Trotz eines kaputten Knies kämpfte sie sich bis ins Biwak – und am Tag danach ins Tal. Es waren Geschichten wie diese, die „Dagi“, wie sie ihre Bergkameraden nannten, den Spitznamen „Miss Watzmann“ einbrachten. Sogar nach München wurde sie eingeladen, um bei einer Abseil-Vorführung am Turm der Maria-Hilf-Kirche um Bergwacht-Nachwuchs zu werben.

Zum Beruf machte Wippern ihre Bergführerei nicht. Ihr Geld verdiente sie in einer Hutfabrik und einer Druckerei. Geheiratet hat sie nie. „Ich wollte frei sein“, sagt die Miesbacherin, die eigentlich Fotografin werden wollte. Diesem Hobby frönte sie, als sie sich nach ihrer Bergsteigerzeit mit einer Bekannten die Welt anschaute. 50 Länder bereiste sie – darunter auch Japan und Indien. Aus jedem Land brachte sie einen kleinen Stein mit nach Hause. Einen Teil davon hat sie sich bis heute in einem Vitrinenschrank im Wohnzimmer aufbewahrt. „Ich hab zwar kein Geld, aber ich bin steinreich.“ Nicht nur an Felsbrocken, sondern auch an unvergesslichen Erlebnissen und Begegnungen an König Watzmanns schroffer Schulter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Zum Fremdschämen“: Freie Wähler kritisieren Debatten im Kreistag
Sachthemen in den Vordergrund: Diese Strategie wollen die Freien Wähler im Landkreis in Zukunft noch stärker verfolgen. Und sie kritisieren die Diskussionskultur im …
„Zum Fremdschämen“: Freie Wähler kritisieren Debatten im Kreistag
Spaßvögel klauen Ronald McDonald - Polizei weiß, wer es war, aber...
Zwei Burschen haben am McDonald‘s bei Irschenberg an der A8 den fröhlich winkenden Ronald McDonald eingeladen - und abgebraust. Ihr Problem: Seit einem ähnlichen Vorfall …
Spaßvögel klauen Ronald McDonald - Polizei weiß, wer es war, aber...
Böse Falle: Männer zaubern Geld aus Papier - und zocken Frau dabei richtig ab
Die Kripo Miesbach hat zwei Männer mit Rollkoffer geschnappt, die unterwegs zu einer Frau waren, um mit Chemikalien Geld aus Papier zu machen. Doch dahinter steckt etwas …
Böse Falle: Männer zaubern Geld aus Papier - und zocken Frau dabei richtig ab
Unser Winter-Rezept des Tages: Edles Dessert, ganz einfach - Pralinen-Souffle
Kristina Salmen unterrichtet in Miesbach Kochen und Ernährung und kennt sich deshalb aus. Für uns macht sie ihr Pralinen-Souffle - sieht fancy aus, ist aber leicht …
Unser Winter-Rezept des Tages: Edles Dessert, ganz einfach - Pralinen-Souffle

Kommentare