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Gelungene Premiere: Stefan Krug (l.) aus Schaftlach führt seine Kuh Akelei zum Champion-Titel bei den mittleren Klassen. Beide hatten beim 125-jährigen Jubiläum der VZG Tegernsee ihren ersten Tierschau-Auftritt.

Tierschau zu 125 Jahre Viehzuchtgenossenschaft Tegernsee

Premierensieg: Kuh „Akelei“ verzaubert Preisrichter

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Das ist mal ein Überraschungssieg: Die Kuh Akelei von Stefan Krug wurde bei ihrer ersten Tierschau-Teilnahme zum Champion gekürt. Und auch sonst gab es beim Jubiläum der VZG Tegernsee viel zu sehen.

Landkreis – Mit beiden Händen hält Stefan Krug seine Akelei am Strick. Immer wieder tätschelt er sie sanft am Kopf. Wer den Nebenerwerbslandwirt vom Hirschstätt-Hof in Schaftlach und seine herausgeputzte Kuh gestern im Ring der Miesbacher Oberlandhalle als perfekt eingespieltes Team erlebt, kann kaum glauben, dass die beiden gerade eine Premiere erleben. Seit der letzten Teilnahme von Krugs Schwiegervater vor 21 Jahren hat der Betrieb nicht mehr bei einer Tierschau aufgetrieben.

Zum 125-jährigen Jubiläum der Viehzuchtgenossenschaft Tegernsee hat die Landwirtsfamilie die Tradition wieder aufleben lassen. Und wie: Der 34-jährige Besamungstechniker führt seine Akelei zum Gruppen- und Klassensieg bei den Kühen mit drei Kalbungen. Als Krönung heimsen die beiden auch noch den Champion-Titel bei den mittleren Kuhklassen ein. „Wir sehen hier die ausgeglichenste Kuh des Tages“, lobt Preisrichter Reinhard Scherzer aus Kärnten die frisch gebackene Siegerin. „Sie zeigt Eleganz und Leistungsvermögen.“

Eine Kuh also, auf die auch Max Obermayer stolz gewesen wäre. 1837 brachte der Gmunder mit seinem Schwiegervater die ersten Simmentaler Rinder aus dem Berner Oberland ins Tegernseer Tal – und begründete damit die Erfolgsgeschichte der Miesbacher Fleckviehzucht. Deren Gmunder Wurzeln stellte Bürgermeister und Schirmherr Georg von Preysing in seinem Grußwort heraus – und die Landwirte, die ihr Vieh auch heute noch auf die Alm treiben. „Das ist sehr wichtig für den Erhalt unserer Kulturlandschaft“, sagte Preysing. Der Landkreis sei zwar „züchterisch für die Zukunft gerüstet“, ergänzte Vize-Landrat Klaus Thurnhuber, entscheidend für den Fortbestand der kleinbäuerlichen Milchwirtschaft seien aber auch Gesellschaft und Politik. „Es darf weder nur um den billigsten Preis, noch um das Tierwohl um jeden Preis gehen“, sagte Thurnhuber.

Begeisterte Viehzüchter: Hansi Höß aus Altwiessee und seine Freundin Christine Wiesnet aus Dietramszell mit Kuh Eva.

Letzteres ist für die insgesamt 90 Betriebe der Viehzuchtgenossenschaft Tegernsee ohnehin selbstverständlich. Sie alle lieben ihre Tiere, sind mit Leidenschaft dabei. „Ohne Viecher geht’s nicht“, sagt Hansi Höß aus Altwiessee. „Entweder man hat’s oder man hat’s nicht.“ Seit Wochen hat der 22-Jährige seine drei Kühe Susi, Heidi und Eva auf den großen Tag vorbereitet. Nach dem Scheren vor gut einem Monat ging’s täglich zum Anführen. Das Marschieren am Strick will geübt sein, vor allem bei der lebhaften Eva, meint Höß. Damit auch der optische Eindruck stimmt, werden die Kühe am Abend vor der Schau gewaschen. Kurz vor der Präsentation im Ring putzen die Landwirte noch mal das Fell und fetten das Euter ein. „Damit es schön glänzt“, sagt Höß. Der Schwanz wird – kein Scherz – mit Haarspray auftoupiert. Manche würden sogar Glitzer verwenden, meint der 22-Jährige. Er setzt lieber auf Tradition und hängt seiner Heidi eine Almglocke um. Die darf diese nachher fröhlich bimmeln lassen: Heidi wird zur Zweiten Klassensiegerin bei den Kühen mit sechs Kalbungen gekürt – und Höß freut sich über eine Züchtermedaille.

Wie die Großen: Kilian Angerer und sein Kalb Leonore verstehen sich prächtig – und haben eine Menge Spaß.

Eine Glocke wäre für Kilian Angerers Leonore noch zu schwer. Das Kalb des Fünfjährigen aus Vorderberg bei Gmund ist gerade mal vier Monate alt – und reicht ihm doch schon bis zur Stirn. Im Griff hat Kilian seine Leonore beim „Bambini-Cup“ der Jungzüchter aber wie ein Großer. „Er hat sie schon öfters geführt“, sagt Großonkel Adolf Gast. Gleiches gilt fürs Füttern, Tränken und Putzen. Nur dann bauen die beiden eine Beziehung auf – und nur dann wird Leonore später eine leistungsfähige Kuh. Das, sagt Experte Johannes Wolf vom Zuchtunternehmen CRV aus Wasserburg, sei letztlich auch entscheidend. „Sie dürfen schön sein, aber sie müssen gut sein.“

Auch für Krug und seine Akelei ist der „Zauber“ schnell wieder vorbei. Am Nachmittag darf die Überraschungssiegerin zurück in den heimischen Stall. Und für Krug geht die Arbeit weiter.

Im Fernsehen

ist die Tierschau in der BR-Sendung „Abendschau“ heute um 17.30 Uhr zu sehen. Im Mittelpunkt steht die „Kaibi-Rallye“ beim Bambini-Cup.

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