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Kompetenz rund ums Rad: Bei den Kennenlern-Touren in Miesbach verpasst Tim Roll (vorne) einem Fahrrad einen Code zur Diebstahl-Sicherung. Sebastian Freund von der ATS (hinten v.l.), Hartmut Romanski (ADFC-Kreisvorsitzender), Max Kalup vom Waitzinger Keller sowie Rainer Marquardt (ADFC), Verkehrssachbearbeiter der Polizei Alfred Christl und Stefan Österreich (ADFC) erklärten ihre Vision: überregional gut befahrbare und ausgewiesene Radwege.

Aktionstag von ADFC und ATS

Profi-Tipps: So kommt man mit dem Drahtesel bequem durch Miesbach

Mit ihren vielen Hügeln lädt die Kreisstadt nicht unbedingt zum Alltagsradeln ein. Doch es gibt durchaus praktische Wege. Wie die aussehen, haben ADFC und ATS nun vorgestellt.

Miesbach – Jeder kennt das: Man hat den wöchentlichen Großeinkauf hinter sich gebracht, aber die Butter vergessen. Draußen scheint die Sonne, der nächste Supermarkt ist keine zehn Minuten entfernt. Und doch setzen sich die meisten aus Bequemlichkeit lieber ins Auto, als aufs Fahrrad zu steigen. Dabei wäre das Radeln ja nicht nur gesünder und umweltfreundlicher, sondern ginge in den meisten Fällen sogar schneller.

Der ADFC will potenzielle Radler nun dazu animieren, tatsächlich umzusatteln. Als Anreiz will der Verein ein lückenloses und ausgeschildertes Radwegenetz etablieren. Hartmut Romanski, Kreisvorsitzender des ADFC, veranstaltete daher am vergangenen Samstag in Miesbach sogenannte Kennenlern-Touren, um den Bürgern oder Gästen zu zeigen, wie man mit dem Drahtesel bequem von A nach B kommt – auch in einer so hügeligen Stadt.

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„Im Vergleich zu meiner Heimatgemeinde Holzkirchen sind in Miesbach wirklich wenig Radfahrer unterwegs“, erklärte Romanski. Bei den Kennenlern-Touren konnten die Interessenten entweder ihr eigenes Rad nutzen oder sich eines der E-Bikes, die der Waitzinger Keller zur Verfügung gestellt hat, für die kurze Strecke ausleihen.

Franz Pazier, Sozialpädagoge aus Hausham, betreute die Touren. Über die sogenannten drei Ebenen – den Marktplatz, den Oberen Markt und den Parkplatz beim Edeka– führten die beschilderten Wege. Außerdem konnten die vorbeikommenden Radfahrer ihren Drahtesel gegen eine kleine Spende an den ADFC codieren lassen – eine der vielen Präventionsmaßnahmen, die man treffen sollte, um die Chancen zu erhöhen, sein Rad im Falle eines Diebstahls zurückzubekommen.

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Zu Thema Diebstahl-Sicherung klärte der Verkehrssachbearbeiter der Polizei Miesbach, Alfred Christl, auf. Auch er ist der Meinung, dass ein etabliertes Radwegenetz eine gute Möglichkeit ist, den Leuten zu zeigen, dass man nicht immer gleich ins Auto springen muss. „Ich fahre im Sommer bei schönem Wetter wenn möglich mit dem Rad von Zuhause bis in die Arbeit“, sagte Christl. „Das tut einem einfach gut.“

Der ADFC und die Mitarbeiter der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) setzen also alles daran, im Landkreis und darüber hinaus gut befahrbare und lückenlose Fahrradverbindungen zu gestalten. Bisher, sagte Romanski, lasse das Radwegnetz sehr zu wüschen übrig. Deshalb entwickelten der ADFC und die ATS gemeinsam mit dem Landratsamt Miesbach und Fachleuten wie Radhändlern ein Konzept für den Landkreis. „Vereinzelte Routen beispielsweise in Tegernsee, Miesbach oder Holzkirchen sind schon gut ausgeschrieben, es gibt aber immer noch Lücken“, erklärte Sebastian Freund von der ATS.

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Es entstand ein Maßnahmenkatalog mit etwa 50 Baumaßnahmen zur Wegbereitung. Die Ausschreibung für die Planung und Datenerhebung des Projekts ging an das Verkehrsplanungsbüro von Romanus Scholz in München. Auch die 17 Gemeinden im Landkreis gaben ihr Okay. Bisher erfolgte die Datenaufnahme durch das Planungsbüro. Jetzt müssen noch die Schilder bestellt und in Absprache mit den jeweiligen gemeindlichen Bauhöfen montiert werden.

Doch das kostet: Mit einem höheren fünfstelligen Betrag rechnen die Initiatoren. Sie hoffen aber auf Zuschüsse aus dem Leader-Förderprogramm der EU für ländliche Regionen. „Das ist auf einem guten Weg“, sagt Freund. Das Ziel seien überregional gut befahrbare und ausgewiesene Radwege, um den Fahrradverkehr zu unterstützen und anzutreiben.

Dabei kommt es auf die interkommunale Zusammenarbeit an, betont Tim Roll, stellvertretender SPD-Ortsvorsitzender aus Holzkirchen. Er sagt: „Überregionale Dinge sollten auch überregional geplant werden.“ Wenn jede Gemeinde für sich für ihre Radwege zuständig bliebe, sei es schwierig, sich auf die Verbindungen des Wegenetzes zu einigen.

Von Marina Birner

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