Der Fotograf und sein Motiv: Auf Schloss Wildenwarth hat Hans-Günther Kaufmann Herzog Max in Bayern fotografiert. Bilder aus der Serie sollen in eine Ausstellung einfließen.
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Der Fotograf und sein Motiv: Auf Schloss Wildenwarth hat Hans-Günther Kaufmann Herzog Max in Bayern fotografiert. Bilder aus der Serie sollen in eine Ausstellung einfließen.

Hans-Günther Kaufmann mit neuem Porträt-Projekt

Promi-Fotograf ist dem Adel ganz nah

  • Stephen Hank
    VonStephen Hank
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Der Miesbacher Fotograf Hans-Günther Kaufmann hat ein neues Projekt. Und dafür sitzt sogar der Adel still. Herzog Max in Bayern hat der 77-Jährige bereits porträtiert.

Miesbach – Er hat sein Leben lang berühmte Menschen begleitet und fotografiert. Gerade mal 16 Jahre alt, schickte Hans-Günther Kaufmann Aufnahmen seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Christine – 1959 schon ein gefeierter Filmstar – an die Zeitschrift Twen. Das Jugendmagazin druckte die Fotos auf drei Seiten – und überwies dem Jungspund 750 Mark. „Offenbar hatte ich Talent“, erzählt der heute 77-Jährige.

Zwei Jahre später eröffnete Kaufmann sein eigenes Studio in München, reiste um die Welt, fotografierte für große Unternehmen und Modemarken. Porträts waren sein ständiger Begleiter. Dann entdeckte er – durch seine Freundschaft mit dem 2017 verstorbenen Benediktiner-Abt Odilo Lechner – den Glauben. Fortan konzentrierte sich der Miesbacher auf Buchveröffentlichungen, Filme und Ausstellungen. Naturaufnahmen und spirituelle Texte rückten in den Mittelpunkt.

„Alte Kunst der Porträtfotografie gewinnt neue Bedeutung“

Dass er sich nun auch wieder der Porträtfotografie zuwendet, ist nicht zuletzt der Corona-Krise geschuldet. „Die alte Tradition der Porträtfotografie gewinnt durch die Pandemie eine neue Bedeutung“, sagt Kaufmann. „Das Bewusstsein der Menschen hat sich verändert. Sie beginnen wieder zu hinterfragen, wer sie sind und was ihnen wichtig ist.“ Jeder Mensch sei es wert, ein Bildnis von sich zu besitzen, das sein wahres Gesicht zeigt, seine ganze Persönlichkeit einfängt.

Kaufmann meint damit nicht gekünstelte Selfies, mit denen Influencer oder solche, die sich dafür halten, ein Idealbild ihrer selbst erschaffen. Oder glattgebügelte Studioaufnahmen, die durchkomponiert sind und damit beliebig wirken. „Aus den Augen muss so was wie die Seele leuchten“, weiß der 77-Jährige. Meisterhafte Beispiele gebe es aus der Anfangszeit der Fotografie. Auch in Miesbach. Franz Xaver Spiegl, der hier 1872 das erste „Photoatelier“ eröffnete, fällt ihm ein oder dessen Nachfolger Georg Pöltl. Für die zahlreichen Sommerfrischler hatte Letzterer sogar Trachtenkostüme und passende Requisiten im Fundus. „Zahlreiche seiner Fotos haben heute Kultstatus“, weiß Kaufmann.

Er selbst verzichtet darauf, sein Gegenüber auszustaffieren, kennt aber das Geheimnis der oft intensiven Porträtaufnahmen von damals. Die Fotografen waren inspiriert von der Malerei, konnten mit Licht umgehen und ihre Bilder komponieren. Und sie hatten ein Alleinstellungsmerkmal: Der Besuch beim Fotografen war die einzige Möglichkeit, um ein Abbild von sich zu erhalten. Eine Erinnerung für die Nachwelt. Diese Kunst sei später verdrängt worden. „Es ist noch nie so viel geknipst und so wenig fotografiert worden wie heute“, sagt Kaufmann. „Ein richtiges Porträt hingegen soll auch noch hundert Jahre später Auskunft darüber geben, was für ein Mensch der Abgebildete war.“ Dies herauszuarbeiten und einzufangen, gelinge nur im intensiven Dialog zwischen Fotograf und Modell.

Herzog Max ließ sich auf Schloss Wildenwart fotografieren

Der 77-Jährige sieht sich ein wenig in der Tradition dieser althergebrachten Porträtfotografie und -malerei. Gleichwohl möchte er ihr einen modernen Anstrich verpassen. Herzog Max in Bayern und seine Frau Elizabeth gehörten zu den Ersten, die sich jetzt für sein Porträt-Projekt zur Verfügung stellten. Im Zuge der Fotoaufnahmen auf Schloss Wildenwart (Gemeinde Frasdorf) – neben Tegernsee Wohnsitz der Wittelsbacher-Linie – ist fast nebenbei die Idee für eine neue Ausstellung entstanden. Arbeitstitel: „Porträts im königlichen Rampenlicht“. Das Spektrum reicht von Aufnahmen des Hoffotografen Franz Hanfstaengl (1804 bis 1877) bis eben hin zu Kaufmann.

Vortrag im November im Waitzinger Keller

Am Mittwoch, 24. November, gibt „Der Porträtist“ im Waitzinger Keller in Miesbach aber anhand von Beispielen zunächst Einblick in seine Arbeit und berichtet, was ein gutes Porträt ausmacht. Der 77-Jährige ist überzeugt, dass sie für die Ewigkeit gemacht sind. „Und wenn jemand in Erinnerung bleibt“, sagt Kaufmann, „bleibt er im Leben.“

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