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Es kommentiert Stephen Hank.

Was ist dreist und was ist strafbar?

Glosse zum Sparkassen-Prozess um Kreidl und Bromme: Alles wie im Film

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Vor dem Landgericht hat dieser Tage der Prozess um die Sponsoring-Affäre der Kreissparkasse begonnen. Unser Autor Stephen Hank hat den Auftakt verfolgt - und gestaunt. Eine Glosse.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da erreicht man in der kollektiven Wahrnehmung den Status eines Sehers. Herr Plöger, wie wird das Wetter? Herr Lehmann, wie entwickelt sich der Dax? Herr Hank, wie geht der Kreidl-Prozess aus? Die Antwort lautet: Ich weiß es nicht.

Ich bin – wie erklärtermaßen auch der Angeklagte K. – nicht vom Fach, kann also rechtswidriges Verhalten nur schwer erkennen und beziehe überdies mein juristisches Wissen über Vorgänge vor Gericht überwiegend aus amerikanischen Serien. Irgendwie wirkt da alles ein wenig schicker – die Sitzungssäle, die Anzüge, das ganze Flair. Die Protagonisten sind auf ihre Weise so – nun ja – perfekt und ausgefuchst.

Der Kreidl-Prozess ist ein bisschen wie eine - schlechte - amerikanische Anwaltsserie

Man fühlt sich als Zuschauer wohl in dem Wissen, dass am Ende alles gut werden wird. Aber das ist eben nur Film. Was sich am Mittwoch abgespielt hat, ist das wahre Leben. Nein, ich muss es anders formulieren: Es ist das wahre Leben, aber eigentlich war es wie im Film.

Brunello statt Zweigelt und ein echter „James-Bond-Ausflug“

Beim Entenessen in der Weißachalm wurde Brunello statt Zweigelt ausgeschenkt, und die Kosten für den Wein haben die des Geflügels um 47 Prozent überstiegen. Hoppla! Bei der Verwaltungsratsfahrt nach Wien haben die Teilnehmer Kochbücher und Geschenkkörbe im Gesamtwert von 1125,06 Euro in ihren Hotelzimmern vorgefunden. Öha! 

In Interlaken haben die Bürgermeister mit Gattinnen im Fünf-Sterne-Grand-Hotel gewohnt und für 8890,92 Euro den „James-Bond-Ausflug“ aufs Schilthorn unternommen. Boah, James Bond! Im Stubaital haben 25 Personen an nur einem Abend Wein für 9184,40 Euro getrunken. Respekt! Und in Waakirchen hat sich ein Jagdhund auf fremde Kosten in ein neues Thermo-Bett gelegt. Wau!

+++ Alle Entwicklungen und neue Enthüllungen im Kreidl-Prozess um die Sparkassen-Affäre im Newsblog +++

Wer hätte das alles vor fünf Jahren, als das Ganze mit einem Bericht über die exorbitanten Bezüge für den Verwaltungsrat ins Rollen kam, auch nur in Ansätzen für möglich gehalten. Dass eines Tages drei Bankmanager und ein Politiker vor Gericht landen. Ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage: am allerwenigsten die Angeklagten selbst. Jakob Kreidl hat das am ersten Verhandlungstag auf den Punkt gebracht: „Obwohl ich nur das Beste wollte und es keine Hinweise auf rechtswidriges Handeln gab, stehe ich heute vor Gericht. Mir war nicht klar, dass da irgendwas strafbar sein soll.“

Die zentrale Frage beim Kreidl-Prozess ist doch: Was ist einfach nur dreist - und was strafbar?

Das wird nun auch die zentrale Frage sein, die es zu klären gilt: Bis zu welchem Punkt ist es einfach nur dreist, und ab wann wird es strafbar? Entweder wird das Gericht das verheerende Gesamtbild sehen und womöglich hart urteilen. Gefährlicher als die Prasserei könnten den Angeklagten dabei das Holzkirchner Grundstücksgeschäft, die Renovierung des Landratsbüros und der Beratervertrag für Georg Bromme werden. 

Oder es gelingt den Anwälten, jeden Punkt für sich juristisch zu entkräften. So hat Brommes Anwältin zum Auftakt bereits infrage gestellt, ob überhaupt ein Verstoß gegen das Sparkassengesetz vorliegt, da bei den Sparkassen die Gewinnerzielungsabsicht ja nicht im Vordergrund stehe und der Schwerpunkt stattdessen auf der Gemeinnützigkeit liege. Und sie hat in der Verhandlung sogar gedichtet: „Kennt sich die Staatsanwaltschaft nicht mehr aus, macht sie Untreue draus.“

Alles wie im Film wie gesagt. Der Politiker, der kein Unrecht gesehen hat. Der Banker, der von Bescheidenheit nichts gehört hat. Und die Anwältin, die reimt. Ach ja – und der Richter, der das letzte Wort hat.

sh

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