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Psychiaterin zur Gewalt am Berg: „Die Nerven liegen einfach blank“
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Erklärt die Sondersituation: Corona zehrt an den Menschen, sagt Oberärztin Antonia Kählitz. Zusammen mit der Enge am Berg verstärkt das Konflikte.

Nach dem Angriff auf den Gebietsbetreuer

Psychiaterin zur Gewalt am Berg: „Die Nerven liegen einfach blank“

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Der Landkreis Miesbach hat viel Gewalt in wenigen Tagen erlebt - besonders am Berg. Zufall oder Trend? Die psychotherapeutische Oberärztin Antonia Kählitz erklärt.

Landkreis – Ein Radler verprügelt den Gebietsbetreuer, in Schliersee löst ein Mann Streit in einem Edeka aus, in Weyarn zoffen sich Gäste und Wirt. Viel Gewalt in wenigen Tagen. Zufall oder Trend? Wir haben mit der psychotherapeutischen Oberärztin Antonia Kählitz (35) von der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied über die Hintergründe gesprochen.

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Psychiaterin zur Gewalt am Berg: „Die Nerven liegen einfach blank“

Frau Kählitz, der Landkreis hat in wenigen Tagen viele Prügeleien erlebt. Eine zufällige Häufung, oder steckt mehr dahinter?

Ich glaube, die Nerven liegen derzeit einfach blank. Die Corona-Situation geht seit Monaten. Die Menschen plagen sich mit Ängsten, Unsicherheit und Kontrollverlust. Dadurch wird die Zündschnur kürzer. Das merke ich sogar hier in der Klinik bei Ärzten, Patienten und mir selbst. Wir sind alle ein wenig gestresster als sonst.

Vor Kurzem haben wir noch von Solidarität wegen Corona berichtet.

Am Anfang der Krise gab es auch viel Hilfsbereitschaft. Die Menschen hatten das Gefühl, zusammen schaffen wir das. Sie haben Senioren beim Einkaufen geholfen, Masken genäht, sich genau an die Regeln gehalten.

Was ist jetzt anders?

Damals hatte keiner die Vorstellung, dass uns das Thema so lange begleitet. Die Menschen haben gedacht: „Acht Wochen Lockdown halte ich durch.“ Sie haben mit Freunden per Video-Chat Kontakt gehalten und die positiven Seiten gesehen – endlich mal Zeit für sich. Jetzt ist Corona ein Marathon geworden. Die Menschen gehen auf dem Zahnfleisch.

Machen die Lockerungen das Leben nicht leichter?

Lange war alles verboten. Die klaren Regeln gaben ein Gefühl der Sicherheit. Jetzt kommen alle zwei Wochen Lockerungen, von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Das verunsichert. „Darf ich mich jetzt in Bayern mit mehr als zehn Leuten treffen oder nicht?“ Solche Fragen erinnern uns täglich, dass wir in einer Pandemie leben. Es ist schwer, einen Ort zu finden, an dem es kein Corona gibt. Auf die Dauer zermürbt das die Menschen.

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Wieso kommt es aber gerade jetzt zur Gewalt?

Ich glaube, dazu haben neue Hotspots wie Starnberg oder Gütersloh beigetragen. Corona wirkte lange weit weg, wie fast besiegt. Der Landkreis war über Wochen frei von Neuinfektionen. Nach Tönnies gab es plötzlich wieder einen regionalen Lockdown in Deutschland. Das zeigt: Es kann auch uns jederzeit treffen. Dazu kommt die Sorge vor der zweiten Welle und Betriebe, die Angestellte entlassen. Viele Menschen haben Existenzängste. Sie sorgen sich um ihren Wohlstand, um Angehörige, um alles. Diese Anspannung entlädt sich manchmal.

Warum gerade in den beruhigenden Bergen?

Wir haben gelernt: Menschenmengen sollen wir meiden. Dann gehen wir auf den Berg, wo wir Einsamkeit und Stille suchen. Plötzlich ist alles voller Leute, weil alle in die Berge gehen. Wenn dann jemand sowieso schon nervös ist, verunsichert ihn das noch mehr. Das erhöht die Chance auf eine Frustreaktion. Auch durch zu viel Nähe kann Aggression entstehen.

Es schlagen aber längst nicht alle deswegen zu.

Stimmt. Im Alltag haben wir Ausgleichsmechanismen. Einige machen Sport, wenn sie angespannt sind, andere gehen in einer Bar. In der Krise fallen die Mechanismen weg oder sind eingeschränkt. Das bringt unsere Kernpersönlichkeit zum Vorschein. Wer schüchtern ist, wird schüchterner. Wer zu Aggressionen neigt, wird aggressiver.

Wenn ich merke, ich bin gereizt – wie kann ich gegensteuern?

Wichtig ist, dass wir uns die Sondersituation zugestehen: Es ist okay, wenn ich genervt oder wütend bin. Es ist normal, dass ich Angst habe. Wenn wir diese Gefühle akzeptieren, können wir damit umgehen. Dazu helfen Entspannungsübungen: Yoga, Muskelentspannung, autogenes Training, Meditation. Und, ganz wichtig: mal bewusst eine Auszeit nehmen. „Am Wochenende mache ich, was mir gut tut.“ Unsere mentalen Kräfte sind aufgebraucht. Wir müssen bewusst für uns sorgen.

Was, wenn andere aggressiv werden?

Grundsätzlich helfen Gespräche gegen den Druck. Wir sitzen alle im gleichen Boot und können uns unterstützen. Das entlastet. Wenn der andere aggressiv wird, können wir uns bewusst machen: Es ist eine Extremsituation. Da sind Menschen nun mal angespannt. Tief einatmen, bis fünf zählen. Fragen: Was steckt für ein Gefühl dahinter? Das ist das Einmalige an Corona: Uns betrifft alle das gleiche Schicksal. Dadurch fällt es leichter, das Leid zu sehen, das andere antreibt. Auch, wenn es sich gerade schlecht äußert.

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