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Putz bröckelt vom Turm der Stadtpfarrkirche Miesbach - aber warum?

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Von: Sebastian Grauvogl

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Eindringlicher Warnhinweis: Der Putz des Miesbacher Kirchturms löst sich ab.
Eindringlicher Warnhinweis: Der Putz des Miesbacher Kirchturms löst sich ab. © Thomas Plettenberg

Ein Kirchplatz als Gefahrenzone? Zu dieser eher untypischen Situation ist es in Miesbach gekommen - weil sich Putzteile vom Turm Mariä Himmelfahrts gelöst haben. Aber warum?

Miesbach – Im Schutz von Mariä Himmelfahrt kann man sich eigentlich sicher fühlen. Das dachte sich auch Sieglinde Rosner, als sie das Bankerl auf der sonnigen Südseite der Miesbacher Stadtpfarrkirche ansteuerte. Plötzlich sah sie, dass wenige Meter neben ihr Putzteile auf dem Boden lagen. Als die Seniorenbeauftragte der Pfarrei einen Blick nach oben riskierte, bemerkte sie, dass sich die Brocken aus der Westwand des Kirchturms gelöst hatten. Rosner zögerte nicht und sagte sofort im Pfarrhaus Bescheid. Und auch da reagierte man sofort und sperrte den Bereich weiträumig ab.

Behebung des Schadens wegen großer Höhe schwierig

Heute, einige Wochen später, ist die Gefahr noch nicht gebannt, berichtet Kirchenpfleger Siegfried Rummel auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Grund: Die Stelle, an der sich der Putz gelöst hat, ist nur mit großem Aufwand zu erreichen. „Wir reden hier von einer Höhe von 21 Metern“, erklärt Rummel. Ohne eine Hebebühne könne man hier nichts ausrichten. Obendrein dürfe laut Vorgaben des Erzbischöflichen Ordinariats nur ein für denkmalgeschützte Gebäude zertifizierter Maurer oder Maler Hand an den Kirchturm legen. Und weil die Kosten die Schwelle von 5000 Euro übersteigen werden, müsse man drei Angebote einholen.

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Dies sei mittlerweile erfolgt. Da aber die Firmen durch die Auftragslage im Handwerk derzeit stark ausgelastet seien, werde es wohl noch dauern, bis der Schäden in luftiger Höhe behoben wird. „Wir hoffen aber, dass es noch vor dem Winter klappt“, sagt Rummel.

Sind die Glocken schuld?

Noch schwieriger gestaltet sich die Ursachenforschung, wieso sich der Putz überhaupt gelockert hat. „Wir konnten uns das bisher ja nur mit dem Fernglas anschauen“, berichtet der Kirchenpfleger. Dass es nur an den Einflüssen von Wind und Wetter liegt, kann sich Rumel nicht so recht vorstellen. Pfarrer Michael Mannhardt habe als ausgewiesener Glockenexperte eine andere Theorie: Er vermute, dass die Schwingungen des Geläuts für die Schäden verantwortlich sind, erklärt Rummel. Dafür würde sprechen, dass der Glockenstuhl aus Eisenträgern besteht, die die Erschütterungen ans Mauerwerk weiterleiten. Sowohl die 1948 eingehängte, große Maria-Dolorosa-Glocke, als auch die in einer Spendenaktion vom früheren Stadtpfarrer Axel Meulemann angefügte Antonius-Glocke seien just an dieser Stelle des Turms mit der Wand verbunden. „Da könnte also ein Zusammenhang bestehen“, meint auch Rummel.

Sorgen um die Statik und damit auch ums festliche Geläut der Stadtpfarrkirche brauche man sich nicht machen, betont der Kirchenpfleger. Wenn der Putz erneuert sei, werde man die Situation aber weiter genau im Auge behalten. Und letztlich habe die Schrecksekunde für Sieglinde Rosner gezeigt, dass der schützende Mantel der Gottesmutter Maria weiter über der Stadtpfarrkirche ruht.

sg

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