Fahrradfahren in Miesbach
+
Das Fahrradfahren in Miesbach soll attraktiver werden. Abstellanlagen wie diese am Marktplatz, die seinerzeit der ADFC gestiftet hat, sind noch Mangelware.

Stadtrat beschließt Reaktivierung

Radverkehr in Miesbach: Arbeitskreis nimmt wieder Fahrt auf

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Der Miesbacher Stadtrat will wieder Schwung ins Thema „Fahrradfreundlichkeit“ bringen. Der eingeschlafene Arbeitskreis wird reaktiviert. Diskussionen gab‘s trotzdem.

Miesbach – Kick van Walbeek (Grüne) fackelte nicht lange. „Wenn’s ums Fahrrad geht, steh’ ich parat“, sagte die Stadträtin, als sie den Antrag ihrer Fraktion auf Wiederbelebung und Neubestellung des Arbeitskreises (AK) Radverkehr in Miesbach vortrug. In der vergangenen Legislaturperiode sei der AK kaum aktiv gewesen, und auch sonst sei die Kreisstadt noch weit vom Prädikat „fahrradfreundlich“ entfernt, sagte Walbeek und erinnerte an das Ergebnis des ADFC-Tests von 2018, bei dem Miesbach mit der Note 4,3 abgestraft worden war.

Kein Wunder, fand Walbeek, die im vergangenen Jahr die ADFC Regionalgruppe Miesbach mitgegründet hatte. Es gebe nicht ausreichend Abstellanlagen und Radwege in der Innenstadt, die Einbahnstraßen seien nach wie vor nicht für Radler in Gegenrichtung befahrbar. „Nur beim Diebstahlrisiko haben wir besser abgeschnitten als der Schnitt“, sagte Walbeek schmunzelnd. Um auch bei den anderen Kriterien aufzuholen, sei es an der Zeit, den AK Radverkehr zu reaktivieren.

„Absolut notwendig“, befand Michael Lechner (FWG). Das Fahrrad erlebe gerade eine „Renaissance“. Umso wichtiger sei es, mit einem neuen Bürgermeister auch in Miesbach Schwung in die Sache zu bekommen. Der sagte direkt seine Teilnahme am Arbeitskreis zu. „Ich begrüße das sehr“, machte Rathauschef Gerhard Braunmiller (CSU) klar.

Lesen Sie auch: Hohe Frustration im AK Rad - Vorsitzender Burger: Rathaus schuld

Seinen CSU-Fraktionskollegen hingegen war daran gelegen, den Fokus nicht zu einseitig auf die Radler zu legen. „Ich möchte auch als Fußgänger wahrgenommen werden“, sagte Alfred Mittermaier und schlug deshalb vor, lieber einen AK Mobilität zu gründen. Erhard Pohl konnte nicht erkennen, dass es den Radlern in Miesbach schlecht ginge. „Mit einer Note von 4,3 ist das Vorrücken nicht gefährdet“, feixte Pohl. Wohl aber müsse man noch einige Fleißaufgaben erledigen.

Mobilitätsreferent Florian Ruml (FWG) riet jedoch davon ab, den Arbeitskreis so weit zu fassen. Mobilität und Verkehr würden in ihrer Gesamtheit auch in anderen Ausschüssen behandelt. „Der AK ist mit dem Radeln locker ausgelastet.“ Paul Fertl (SPD) appellierte dabei aber, der „AK 2.0“ müsse deutlich aktiver werden als das Vorgängergremium und mehr Anträge einreichen. Das wiederum wollte Manfred Burger (Grüne) als Sprecher des Vorgängergremiums so nicht stehen lassen. Man habe durchaus Dinge angeregt, die sich aber – auch mangels Unterstützung durch die Bürgermeisterin – nicht hätten umsetzen lassen.

Lesen Sie auch: Nach zwei Jahren: Stadt findet Platz für geschenkte Radlständer

„Um eine Konkurrenz zum Auto ist es uns dabei nie gegangen“, betonte Burger in Richtung von CSU und Florian Hupfauer (FDP), der ebenfalls vor einem Kampf Fahrrad gegen Auto in der baulich engen Miesbacher Innenstadt gewarnt hatte. Im Verkehr dürfe es ohnehin keine Gegner geben, meinte Inge Jooß (SPD). „Jeder von uns ist mal Fußgänger, mal Radler und mal Autofahrer.“

Der Beschluss zur Reaktivierung des Arbeitskreises fiel einstimmig. Neben je einem Vertreter von ADFC, der Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS) und der Stadtverwaltung soll auch ein Mitglied jeder Fraktion einen Platz erhalten. Weil Hupfauer als einziger FDP-Mann damit ausgeschlossen wäre, entschied sich das Gremium gegen die Stimme von Lechner, auch ihm die Teilnahme am AK zu ermöglichen. Markus Seemüller (FWG) nahm Hupfauer, der hauptberuflich Autos verkauft, dabei direkt in die Pflicht: „Jetzt musst du aber auch wirklich mitmachen.“ Ruml schloss aufmunternd: „Auf geht’s, treten wir in die Pedale.“

Lesen Sie auch: Radler in Einbahnstraßen: Bauausschuss lässt Freigabe prüfen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dank Spenden: Bethanien Sternenkinder eröffnet Beratungsstelle in Hausham
Die Bethanien Sternenkinder haben ein neues Domizil gefunden. Anfang Juli ist die Beratungsstelle ins Haus Berggeist in Hausham gezogen. Auch dank der Aktion „Leser …
Dank Spenden: Bethanien Sternenkinder eröffnet Beratungsstelle in Hausham
Kein Platz für einen Campingplatz
Der Wohnmobil-Stellplatz am Seeberg in Bayrischzell erfreut sich steigender Beliebtheit: Darüber informierten jüngst in der Gemeinderatssitzung Bürgermeister Georg …
Kein Platz für einen Campingplatz
Dr. Fischer entschuldigt sich bei Patienten in Neuhaus
Der plötzlich aus Neuhaus verschwundene Hausarzt Dr. Peter Fischer entschuldigt sich bei den Menschen, denen sein Abschied Probleme bereitet hat. Sein neuer Chef verrät …
Dr. Fischer entschuldigt sich bei Patienten in Neuhaus
Telair in Miesbach: Kurzarbeit, Stellenabbau und neue Chancen
Der Flugzeugbauer Airbus tritt nach dem coronabedingten Auftragsrückgang auf die Kostenbremse. Das hat für Zulieferer wie Telair Folgen. Für den …
Telair in Miesbach: Kurzarbeit, Stellenabbau und neue Chancen

Kommentare