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Bislang hielten (v.l.) Vorstand Josef Bernöcker, Vorstandsvorsitzender Hubert Stehr und Vorstand Manfred Klaar – wie hier im Mai 2016 – ihre Bilanzpressegespräche zu dritt ab. Das wird sich nach der Fusion der Raiffeisenbank im Oberland mit der Raiffeisenbank Tölzer Land ändern. Fürs Erste besteht die Führungsriege aus fünf Vorständen.

Raiffeisenbanken im Oberland und Tölzer Land fusionieren

Neue Großbank im Oberland

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Die Raiffeisenbank im Oberland und die Raiffeisenbank Tölzer Land stehen vor der Fusion. Der Verschmelzungsvertrag ist unterzeichnet. Nun müssen die Vertreterversammlungen entscheiden. 

Miesbach/Bad Tölz – Den Verantwortlichen gelang es bis zuletzt, den Vorgang unter der Decke zu halten. Erst als am Freitag die Tinte unter dem von Vorständen und Aufsichtsräten unterzeichneten Verschmelzungsvertrag zu trocknen begann, machte die Nachricht der Fusion von Raiffeisenbank im Oberland und Raiffeisenbank Tölzer Land in den beiden Häusern die Runde. Noch am Nachmittag wurden die Mitarbeiter offiziell informiert, die Briefe an Gesellschafter und Kunden verschickt. Am Donnerstag soll es ein Pressegespräch in Miesbach geben.

Grund für den Zusammenschluss ist die insgesamt schwierige Situation auf dem Kapitalmarkt. „Gemeinsam sind wir leistungsfähiger und können ganz anders auftreten“, berichtet Hubert Stehr, Vorsitzender der

Raiffeisenbank im Oberland mit Sitz in Miesbach, auf Nachfrage. „Die Fusion erfolgt aber nicht aus wirtschaftlicher Not oder auf Druck von außen.“ Man sei in der komfortablen Lage, aus einer Position der Stärke heraus zu agieren.

Holzkirchen und Gmund hatten abgewunken

Auch bei den Raiffeisenbanken in Gmund und in Holzkirchen haben die Miesbacher wegen einer möglichen Fusion vorgefühlt. Doch die beiden Banken sahen noch keine Notwendigkeit. Also näherten sich Miesbach und Bad Tölz an. Konkrete Gespräche laufen seit Mitte vergangenen Jahres.

„Die beiden Raiffeisenbanken passen ideal zusammen, sie begegnen sich auf Augenhöhe“, sagt Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner, der Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenbank im Oberland ist und die Gespräche mit vorangetrieben hat. „Gemeinsam werden wir unsere Gewinn- und Wachstumsfähigkeit enorm steigern.“ Mit der Fusion stiege die neue Bank zu einer der zehn größten in ganz Bayern auf – mit rund 51 000 Kunden und einer Bilanzsumme von rund 1,1 Milliarden Euro. Das Netz beliefe sich laut Stehr auf 19 Filialen, fünf Selbstbedienungsstellen sowie drei Raiffeisen-Bau- und Warencenter im Tölzer Raum.

Größe allein sei freilich nicht der Grund für die Fusionsgespräche gewesen. Es ist das gemeinsame Marktumfeld, das die beiden Raiffeisenbanken antreibt. In Miesbach sind Kredite extrem nachgefragt, die Bank hat laufend Finanzbedarf. In Tölz wiederum fehlen derzeit die Möglichkeiten, die üppig vorhandenen Kundengelder vernünftig anzulegen. Gemeinsam sehen die Verantwortlichen eine „Gewinnfähigkeit im siebenstelligen Bereich“.

Beide Banken haben Fusionserfahrung

Beide Banken haben bereits Fusionserfahrung. 1989 gingen die Miesbacher mit der Raiffeisenbank Fischbachau zusammen, 2006 mit Reichersbeuern. Von ihr stammt auch der heutige Name. Auf Reichersbeuern hatten dereinst auch die Tölzer geschielt, dann aber den Kürzeren gezogen. Zuvor hatten sie sich bereits mit Gaißach und Lenggries zusammengeschlossen.

Die Raiffeisenbank im Oberland wäre die aufnehmende Bank. Deshalb muss am 15. Mai zunächst die 140-köpfige Vertreterversammlung der Tölzer entscheiden, ob sie zum Zusammenschluss bereit ist. Einen Tag später tagt die 170-köpfige Vertreterversammlung der Raiffeisenbank im Oberland. Technisch würde der Zusammenschluss im September umgesetzt, gültig wäre er rückwirkend zum 1. Januar.

Die Zentrale in Miesbach bleibt bestehen, ist aber juristisch nicht der Hauptsitz.

Hauptsitz der fusionierten Bank soll Bad Tölz sein. Dafür geben die Isarstädter ihren Namen auf – und firmieren künftig ebenfalls als Raiffeisenbank im Oberland. Die Sache mit dem Hauptsitz sei aber eher eine juristische Sache, sagt Stehr. „Wir brauchen weiterhin zwei schlagkräftige Teile“, stellt der 57-Jährige klar. „An der Zahl der Mitarbeiter wird sich in Miesbach nichts ändern.“

Der künftige Hauptsitz: die Raiffeisen-Finanzhöhe auf der Flinthöhe.

Auch sonst seien im Zuge der Fusion keine Entlassungen geplant. Aber, so schränkt Stehr ein, man werde angesichts des herrschenden Kostendrucks die künftig rund 300-köpfige Belegschaft nicht weiter vergrößern, sondern die „natürliche Fluktuation“ für eine Verdichtung nutzen. Bereits in den vergangenen Monaten seien bestimmte Positionen nicht mehr neu besetzt worden.

Die „natürliche Fluktuation“ betrifft in den nächsten Jahren auch den Vorstand. Er startet als Quintett mit Stehr und seinem Tölzer Pendant Hansjörg Hegele als gleichberechtigte Vorsitzende. Durch Ruhestandsregelungen und vereinzelte Nachbesetzungen soll die Führungsriege der fusionierten Bank mittelfristig wieder auf drei Vorstandsmitglieder schrumpfen. Und was ändert sich für die Kunden? „Ein Teil“, sagt der Tölzer Vorstandsvorsitzende Hegele, „wird sich auf neue Kontonummern einstellen müssen.“

sh

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