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Die Schulen im Überblick: 1 Realschule Holzkirchen, 2 Hauswirtschaftsschule im Grünen Zentrum Holzkirchen, 3 Gymnasium und 4 Fachoberschule Holzkirchen, 5 Berufsbildungszentrum Miesbach, 6 Berufsschule Miesbach, 7 Gymnasium Miesbach, 8 Realschule Miesbach, 9 Anton-Weilmaier-Schule Hausham, J Gymnasium Tegernsee und K Realschule Tegernseer Tal in Gmund.

Raumsituation an den Schulen des Landkreises

In Gmund und Holzkirchen wird’s zu eng

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Schülerzahlen an weiterführenden Schulen sind nicht so einfach zu berechnen, denn sie sind abhängig vom individuellen Übertritt der Schüler. Damit keine vermeidbaren Engpässe auftreten, führt das Landratsamt ein regelmäßiges Monitoring durch, das Kreiskämmerer Gerhard de Biasio nun im Kreisausschuss vorstellte.

Der Blick auf die Geburtenrate im Landkreis lässt eigentlich aufatmen: Die Kurve geht kontinuierlich nach unten, die Kapazität an den Schulen müsste so gesehen ausreichen. Doch seit 2013/14 ist ein neuer Trend erkennbar – die Kurve steigt wieder. „Die Geburtenzahlen sind die Grundlage für unser Raumprogramm an den Schulen des Landkreises“, erklärte Kreiskämmerer Gerhard de Biasio nun im Kreisausschuss. Insgesamt sei der Landkreis bei der Raumkapazität gut aufgestellt, doch es gibt Schwierigkeiten.

Holzkirchen
Problemzone der Schulen in Holzkirchen ist ganz klar das Gymnasium. Gestartet im Schuljahr 2014/15, ist bereits jetzt die Auslastungsgrenze erreicht – nicht zuletzt dank der 291 Gastschüler. „Mittlerweile nimmt die Schule nur noch Gastgeschwister auf“, berichtet de Biasio. Dabei sind noch nicht alle Jahrgangsstufen an der Schule aufgebaut. In den nächsten beiden Jahren folgen die Kollegstufen 11 und 12. Und 2025/26 kommt durch das G9 die K13 hinzu. Das Problem: Wenn alle Jahrgangsstufen vertreten sind, werden wohl 970 Schüler zu unterrichten sein. Das Gymnasium ist aber nur für 800 zugelassen.

Entlastung erhofft sich de Biasio durch das geplante Gymnasium in Sauerlach (Kreis München), das viele Gastschüler abziehen würde. 2025 soll es starten. „Noch haben wir normale Bedingungen. Wenn wir 100 Schüler weniger hätten, kommen wir hin.“ Keine Ventilfunktion habe das Privatgymnasium in der Marktgemeinde. „Beide nehmen sich nichts weg und können trotzdem gut nebeneinander existieren.“

Entspannung könnte sich durch die benachbarte Fachoberschule (FOS) ergeben. Laut de Biasio seien 404 der 704 Schüler von außerhalb des Landkreises. Nachdem in Oberhaching eine weitere FOS gebaut werden soll, sei davon auszugehen, dass die Zahl der Gastschüler sinken wird. Die Vorläuferklassen seien für die Schuljahre 2019/20 und 2020/21 geplant. 2021/22 soll der Betrieb starten.

Dann könnten in Holzkirchen vier Klassenräume im Verbindungstrakt, die der FOS gehören, dem Gymnasium überlassen werden. Dabei soll die Schülergrenze von etwa 600 bis 650 an der FOS nicht unterschritten werden. Neue Interessenten verspricht aber der neue Zweig Internationale Wirtschaft, der im Schuljahr 2018/19 starten soll. 110 Interessenten gebe es aktuell. Man gehe davon aus, dass 60 Prozent tatsächlich hingehen – das reiche. De Biasio: „Die Hoffnung heißt also Oberhaching.“ Bei Bedarf könne aber auch die Realschule als Notlösung dienen. „Sie könnte eine Option sein bei den fünften Klassen, da die Realschule noch freie Raumkapazität hat.“ Ziel sei es, einen Neubau zu vermeiden – auch deshalb, weil das Gymnasium in öffentlich-privater Partnerschaft errichtet wurde. Und in solche umfangreichen Verträge sind Erweiterungen schwer zu integrieren.

Dagegen gebe es raumtechnisch an der Landwirtschaftsschule im Grünen Zentrum keine Probleme. 75 Schüler werden dort aktuell unterrichtet. Das Einzugsgebiet erstrecke sich im Bereich Landwirtschaft über die Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, München, Ebersberg und Rosenheim. Bei der Hauswirtschaft kommen die Schüler aus München, Bad Tölz-Wolfratshausen, Ebersberg, Freising, Fürstenfeldbruck, Garmisch-Partenkirchen, Pfaffenhofen, Rosenheim, Tirschenreuth, Weilheim und sogar Baden-Württemberg. Für Robert Wiechmann (Grüne) sei dies eine dramatische Entwicklung, „was für ein großes Gebiet nötig ist, um die Landwirtschaftsschule zu füllen“.

Miesbach
In der Kreisstadt sind die Kapazitäten der weiterführenden Schulen sicher. Mit 923 Schülern liegt das Gymnasium deutlich unter seiner 1100er-Obergrenze und bietet somit noch Platz für seine drei Ganztagsklassen. Auch die Wiedereinführung der neunten Jahrgangsstufe ist laut de Biasio kein Problem. Die Realschule habe ebenfalls noch Luft nach oben, zumal ja davon auszugehen sei, dass das G9 zu sinkenden Schülerzahlen an der Realschule führen werde. An der Berufsschule in Miesbach sind ebenfalls keine Engpässe zu befürchten. Das gilt auch für das Berufliche Bildungszentrum als zweite Säule des Beruflichen Schulzentrums.

Hausham
Das Förderzentrum Hausham ist laut de Biasio für die Zukunft gut gerüstet, wenn Neubau und Erweiterung erst mal fertig sind. Wegen diverser Verzögerungen (wir berichteten) verschiebt sich der Komplettstart jedoch vom September 2019 um ein halbes Jahr auf Frühjahr 2020.

Tegernseer Tal

Wenn es im Tegernseer Tal knarzt, dann an der 2014 gestarteten Realschule in Gmund. „Die Ist-Situation ist sehr angespannt“, sagt de Biasio. Für 24 Klassen stehen dort 18 Klassenzimmer und vier Ausweichräume bereit. Gelöst werde die beengte Lage durch Wanderklassen in Verbindung mit den Fachräumen wie dem Physiksaal – ein üblicher Kunstgriff, wie der Kämmerer erklärt: „Die Realschule Miesbach hat so Jahrzehnte überstanden. Das funktioniert, bedeutet aber einen höheren Planungsaufwand bei den Stunden.“ Allerdings entspreche das nicht dem Grundgedanken der Schule, da die Notlösung keine Gruppenräume zulässt.

De Biasio hofft, dass die Wiedereinführung des G9 zu einer Schülerverschiebung in Richtung Gymnasium führt. „Das G8 hat seinerseits ja zu einer Verlagerung zu den Realschulen geführt.“ Bereits jetzt schon habe sich die Nachfrage verringert: Die fünfte Klasse ist wieder dreizügig – so wie in den Planungen der Realschule. Zwischenzeitlich war sie vier- und sogar fünfzügig. „Das lag zum einen am G8“, erklärt de Biasio. „Außerdem ziehen natürlich neue Schulen.“

Sollte es trotz G9 zur Raumnot kommen, bliebe noch das Gymnasium in Tegernsee als Puffer. „Das Ziel ist es, Neubauten zu vermeiden“, sagt de Biasio. Vor allem bei vorübergehenden Engpässen sei es hilfreich, dass der Landkreis so viele Schulen habe: „Damit kann im Notfall auch etwas manövrieren.“

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