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Region Oberland muss deutlich mehr Windrad-Flächen ausweisen: Moränen-Vorland im Fokus

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Von: Andreas Höger

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Windkraft vom Starnberger See: Am Ostufer, in den Wadlhauser Gräben, drehen sich seit 2015 vier Rotoren. Der kleine Windpark der „Bürgerwind Berg GmbH“ wirft für die Anteilseigner – darunter die Gemeinde Gaißach und die Stadtwerke Bad Tölz – regelmäßig Renditen ab. 1,8 Prozent der Regionsfläche für Windräder Wind-Investoren zeigten bisher wenig Interesse
Windkraft vom Starnberger See: Am Ostufer, in den Wadlhauser Gräben, drehen sich seit 2015 vier Rotoren. Der kleine Windpark der „Bürgerwind Berg GmbH“ wirft für die Anteilseigner – darunter die Gemeinde Gaißach und die Stadtwerke Bad Tölz – regelmäßig Renditen ab. 1,8 Prozent der Regionsfläche für Windräder Wind-Investoren zeigten bisher wenig Interesse © Oliver Bodmer

Jetzt also doch: Der Planungsverband Region Oberland muss mehr Vorranggebiete für Windkraft ausweisen. Statt wie bisher 0,45 Prozent der Fläche muss die Region 1,8 Prozent „liefern“ – so schreiben es Bund und Freistaat vor. Im Herbst startet das Anhörungsverfahren in den Gemeinden. Besonders im Fokus stehen die Höhenrücken im Moränen-Vorland.

Landkreis – 94 Gemeinden und vier Landkreise müssen neu Ausschau halten nach Flächen, die geeignet sind für Windräder. Noch im Juni hatte Josef Niedermaier, Landrat des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen und Vorsitzender des Planungsverbands Oberland, auf die sieben Windkraft-Vorranggebiete der Region verwiesen, die 2015 in einem langwierigen Verfahren ausgewiesen worden waren. 50 Windräder seien auf diesen 963 Hektar möglich, doch nur ein einziges Projekt (in Otterfing) sei aktuell konkret geplant. Niedermaier sah keinen Handlungsbedarf, neue Flächen auszuweisen.

Die große Politik sieht das jedoch anders – und der Planungsverband muss reagieren. Der Bund hat Anfang Juli das „Windenergie-an-Land“-Gesetz verabschiedet, das im Genehmigungsverfahren bisher geltende harte Tabu-Ausschlusskriterien beim Landschafts-, Arten- und Denkmalschutz aufweicht. Der Freistaat bekam zur Auflage, 1,8 Prozent der Landesfläche spätestens bis 2032 für Windenergie vorzusehen.

Mittlerweile lockerte Bayern seine 10-H-Abstandsregelung. Und vor wenigen Tagen verkündete Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), welche „verbindlichen Zwischenziele“ die 18 regionalen Planungsverbände in Bayern zu erfüllen haben: bis Ende 2027 sind 1,1 Prozent der Regionsfläche als Vorranggebiete für Windenergie auszuweisen; bis 2032 müssen es sogar 1,8 Prozent sein.

„Wir brauchen mindestens das Sechsfache“

Für die Kommunen in den Kreisen Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau heißt das, dass sie sich auf den 0,24 Prozent Vorranggebiete nicht mehr ausruhen können; dazu kommen zwar theoretisch 0,21 Prozent „weiße“ Flächen, auf denen Windkraft genehmigungsfähig, aber – nach bisheriger Sachlage – nicht rentabel zu betreiben wäre. Für die Vorgabe Aiwangers zählen letztlich aber nur die 0,24 Prozent. „Wir brauchen also mindestens das Sechsfache“, sagt Niedermaier auf Anfrage und weiß jetzt schon: „Das wird eine Herausforderung.“

Die Zeit drängt. Für den 20. Oktober hat Niedermaier zu einer Verbandsversammlung nach Bad Tölz geladen; gleich im Anschluss soll der Planungsausschuss das neue Verfahren (Fortschreibung Windkraft) starten. „Wir werden nicht die Zeit haben, so viel zu diskutieren wie beim ersten Mal“, fürchtet der Vorsitzende. Er geht davon aus, dass Windkraft-Anlagen im bergigen Süden technisch und wirtschaftlich weiterhin nicht realistisch sind. „Experten sagen, dass die Verwirbelungen dort stören und der Bau teuer wäre.“ Ob die B 472 aber eine verbindliche Demarkationslinie bleibt, „das müssen wir diskutieren“.

Laut Niedermaier zeichnet sich ab, dass besonders Wälder und die Höhenrücken der Moränen als zusätzliche Vorranggebiete in Frage kommen. Heiße Kandidaten dürften zuvorderst die „weißen“ Flächen sein. Wenig sinnvoll sei, „Placebo“-Flächen auszuweisen, nur um die Flächenvorgabe auf dem Papier zu erfüllen. „Das mache ich nicht mit“, stellt Niedermaier klar, „denn diese Flächen entziehen wir damit allen anderen Nutzungen.“

Wind-Investoren zeigten bisher kein Interesse

Zu sehr setze der Bund auf den Wind als Energiequelle der Zukunft, kritisiert Niedermaier. Sein Vorschlag: Jede Region bekommt die Vorgabe, 80 oder 85 Prozent ihres Bedarfs aus Erneuerbaren zu decken. Ob das Wind, Photovoltaik, Wasserkraft oder Geothermie sei, müsse jeder Region selbst überlassen sein. „Leider bin ich damit nicht durchgedrungen“, sagt Niedermaier.

Dass zusätzliche Vorrangflächen Windkraft-Investoren ins Oberland locken, auch daran zweifelt der Verbandsvorsitzende. „Wir haben ja schon Vorrangflächen, da rührt sich aber wenig.“ Investoren seien eben vorsichtig. So sehr er Bürgerbeteiligung bei Windrad-Projekten begrüße und es durchaus Projekte gebe, die Rendite abwerfen, „muss man wissen, dass es auch schiefgehen kann. Es ist eine Risiko-Anlage.“

Um den zusätzlichen Verwaltungsaufwand der Windkraft-Fortschreibung abzufangen, wünscht sich Niedermaier vom Freistaat zusätzliches Personal für die Verbandsarbeit. Falls es das nicht gibt – wonach es aussieht – müsse man die laufende Fortschreibung Siedlung/Verkehr anhalten. „Das würde extrem weh tun, weil wir schon viel Zeit und Geld investiert haben und bei späterer Wiederaufnahme wohl neue Studien nötig wären“, sagte der Tölzer Landrat.

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