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Autorin Sonja Still
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Den Revoluzzern auf der Spur: Autorin Sonja Still mit ihrem soeben erschienenen Buch „Bayerns Mythen“.

Brandner Kaspar, Wildschütz Jennerwein, Schmied von Kochel

Neuer Reiseführer: Warum uns Mythen bis heute begeistern

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Mythen begeistern die Leute bis heute. Aber warum eigentlich? Autorin Sonja Still hat sich an Tegernsee und Schliersee auf die Suche gemacht.

Landkreis – Was haben der Brandner Kaspar, der Wildschütz Jennerwein und der Schmied von Kochel gemeinsam? Ja, sie waren widerspenstig, starrköpfig und aufmüpfig – auf Bairisch: einfach o’draht und gradraus. Aber die bayerischen Revoluzzer teilen noch eine Eigenschaft: Sie alle haben einen engen Bezug zum Landkreis Miesbach. Die Autorin und Reisejournalistin Sonja Still aus Waakirchen ist ihren Spuren gefolgt und hat ihre Geschichten im Buch „Bayerns Mythen“ zusammengefasst. In diesem „Kulturreiseverführer“, der teilweise sogar in Bairisch geschrieben ist, lädt Still ihre Leser auf Spaziergänge zu den Wurzeln von sechs dieser Rebellen ein. Im Interview erklärt sie, wie man Mythen auf den Grund geht und warum diese heute noch modern sind.

Frau Still, sind Rebellen und Revoluzzer wirklich die geeigneten Fremdenführer für Ihre Leser?

Sonja Still: (lacht)Klar. So ist ja auch die Idee zu meinem Buch entstanden. Als Tegernseer Heimatführerin war ich oft auf den Spuren des Brandner Kaspar unterwegs. Irgendwann bin ich dann vom Alpbachtal rauf bis zur Gindelalm und drüben wieder runter nach Schliersee – und damit dem Jennerwein quasi direkt in die Arme gelaufen. Das war eigentlich der Anlass für mich, tiefer in die bayerischen Mythen einzusteigen. Nicht zuletzt als Journalistin ein besonderer Reiz.

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Warum?

Sonja Still: Weil man da nie so genau weiß, was Fakten sind und was nur in den Köpfen der Leute entstanden ist. Ich erinnere mich etwa an eine Frau, die davon überzeugt ist, dass ihr Opa den Brandner Kaspar persönlich gekannt hat. Umgekehrt wurde mir auch erzählt, dass der Wildschütz Jennerwein nur eine Fantasiefigur war.

Klingt nicht gerade nach einer befriedigenden Recherche.

Sonja Still: Na ja, man muss sich halt damit abfinden, dass die vermeintliche Wahrheit oft aus Geschichten entstanden ist. Und herausgekommen sind dabei die Mythen, die uns noch heute begeistern. In Bayern, vor allem aber im Landkreis. Hier laufen viele Fäden zusammen. Dass der Brandner Kaspar zu Tegernsee gehört, der Jennerwein zu Schliersee oder der Schmied von Kochel zu Waakirchen, ist nicht nur Heimatforschern bekannt. Der Bezug des Räuber Kneißl zu Miesbach hat mich dafür umso mehr überrascht.

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Hat der denn nicht im Raum Augsburg sein Unwesen getrieben?

Sonja Still: Ich hab mir zuerst auch gedacht, dass der hier bei uns eigentlich nichts zu suchen hat. Dann bin ich aber in meinen Recherchen drauf gestoßen, dass der Polizist, den er angeschossen hat, später nach Miesbach gezogen ist. Angeblich liegt er sogar hier begraben.

Fehlt nur noch, dass auch die Geierwally bei uns ihre Finger im Spiel hatte...

Sonja Still: Da geben leider selbst die Mythen nichts her. Trotzdem war es mir wichtig, die Geschichte um diese schon Ende des 19. Jahrhunderts erstaunlich emanzipierte Frau in mein Buch aufzunehmen. Nicht nur aus Gründen Gendergerechtigkeit (lacht).Ich finde vielmehr, dass der Mut der historischen Frau, die für die Figur der Geierwally Vorbild war, selbst für moderne Frauen ein Beispiel sein kann. Überhaupt wird im Buch deutlich, dass Mythen in Bayern auch heute noch einen fruchtbaren Nährboden haben. Es liegt einfach in unserer Historie, uns zwischen den Großmächten der Welt behaupten zu wollen.

Es gibt also auch moderne Rebellen?

Sonja Still: Heute sind es weniger einzelne Figuren, sondern eher Marken, wie die CSU oder der FC Bayern. Damit identifizieren sich viele – und einige reiben sich auch daran. Auf jeden Fall sorgen sie für Gesprächsstoff. Genau so, wie es Jennerwein und Co. auch getan haben.

Buch und Lesung

„Bayerns Mythen“ von Sonja Still umfasst 220 Seiten und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. Der „Kulturreiseführer“ ist im Allitera-Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro. Bei einer musikalischen Lesung am Freitag, 27. September, im Tegernseer Schloss stellt die Autorin zusammen mit Christian Eisner (Zither) und Heiner Oberhorner (Gitarre) ihr neues Werk vor.

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