WBV-Geschäftsführer Alexander Necker und Revierleiter Peter Melf präsentieren den Tiroler Bergahorn, der das Spitzengebot erzielte.
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Stolz auf die „Braut“: (v.l.) WBV-Geschäftsführer Alexander Necker und Revierleiter Peter Melf präsentieren den Tiroler Bergahorn, der das Spitzengebot erzielte.

Das Geheimnis liegt unter der Rinde

Rekordgebot bei Holzversteigerung: Seltener Bergahorn für über 25.000 Euro verkauft

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Über 25.000 Euro hat ein Bergahorn aus Tirol bei der Wertholzversteigerung der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen erbracht. Der Grund: ein seltenes Merkmal unter der Rinde.

Landkreis – Die Braut hatte sich in ein extravagantes Kleid geschmissen. „Riegelwuchs“ nennt sich das Design, das einen Ahornstamm aus Tirol zum Star der 23. Oberland-Wertholzsubmission unter Leitung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen gemacht hat. Der Modeschöpfer: die Natur höchstpersönlich. Der Laufsteg: ein Holzlagerplatz in St. Heinrich am Starnberger See. Der Kubikmeterpreis, den der Stamm mit seiner außergewöhnlichen Maserung erzielt hat, ist der höchste in der Geschichte der Wertholzsubmission: 13 700 Euro lautete das Gebot eines Furnierwerks aus Karlstadt/Main. Mehr als drei Mal so viel als der bisherige Spitzenwert von 4290 Euro pro Kubikmeter. Da der Ahorn über ein Volumen von 1,87 Kubikmeter verfügt, blätterten die Käufer damit satte 25 619 Euro für den Stamm hin.

517 Kubikmeter Holz für Versteigerung angeliefert

Immer am ersten Donnerstag im Februar liefern vier Waldbesitzervereinigungen aus Oberbayern, vier Forstbetriebe der Bayerischen Staatsforsten, die Städtische Forstverwaltung München und der Waldverband Tirol wertvolles Laub- und Nadelholz zu der schriftlichen Versteigerung mit Unterstützung des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen an. Diesmal waren es satte 517 Kubikmeter (Vorjahr: 449). 48 (40) Bieter aus Deutschland, Österreich und Frankreich beteiligten sich an der Ausschreibung. 44 (35) von ihnen erhielten einen Zuschlag. Der Durchschnittserlös über alle Baumarten stieg von 406 auf 427 Euro pro Kubikmeter.

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Als „besonders erfreulich“ bezeichnet Alexander Necker, Geschäftsführer der WBV Holzkirchen, das mit 95 Prozent fast das gesamte Angebot vermarktet wurde. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass lediglich Kirsche (64 Prozent), Esche (77), Linde (78), Bergahorn und Walnuss (beide 95) nicht zur Gänze verkauft wurden. Ein Ausreißer nach unten stellt die einzige angelieferte Schwarzerle dar. Sie fand keinen Abnehmer.

Eiche und Bergahorn am meisten gefragt

Spitzenreiter in Sachen Liefermenge waren mit 141 beziehungsweise 132 Kubikmeter einmal mehr Eiche und Bergahorn. Der Durchschnittserlös ging bei der Eiche mit 425 Euro gegenüber dem Vorjahr (455) etwas zurück. Alle anderen Baumarten hätten hingegen gleichbleibende bis deutlich steigende Werte erzielt, berichtet Necker. Für 38 Stämme ließen die Käufer jeweils mehr als 1000 Euro springen.

„Ich freue mich sehr, dass wir in Zeiten, die für die Forstwirtschaft und unsere Waldbesitzer in vieler Hinsicht herausfordernd sind, ein so positives Zeichen für die Vermarktung unseres heimischen Laubholzes setzen konnten.“ Der Organisationsaufwand für die WBV sei sehr hoch, aber über die Submission hätten die Waldbesitzer auch heuer deutlich höhere Preise erzielt als an der Waldstraße. „Das Konzept stimmt“, resümiert der Geschäftsführer.

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Auch WBV-Vorsitzender Michael Lechner ist zufrieden mit der Versteigerung. „Unsere Oberland-Wertholzsubmission steht für nachhaltiges Wirtschaften mit der Natur und Wertschöpfung vor Ort.“ Besonders stolz macht Lechner, dass die Holzkirchner Waldbesitzer mit 157 Kubikmeter Holz wieder den größten Teil des Angebots gestellt haben. Als „wichtigen Lichtblick in sehr schwierigen Zeiten für den Wald und seine Bewirtschafter“ bezeichnet AELF-Forstdirektor Christian Webert die gemeinsame Vermarktung von Premiumhölzern. „Sie zeigt, wie nötig der lange Atem im Forstbereich ist.“ Natürliche Verjüngung oder Pflanzung gemischter, klimatoleranter Wälder und deren generationenübergreifende, konsequente Pflege würden auch in Zukunft zum wirtschaftlichen Auskommen für Waldbesitzer beitragen.

Grund für Rekordgebot ist Wuchsanomalie

Das Geheimnis des Brautkleids des Rekord-Bergahorns liegt übrigens in einer Wuchsanomalie, die beim Ahorn nur in drei Prozent aller Stämme vorkommt. Im längsgeschnittenen Holz ist dabei ein streifenförmiges Quermuster zu erkennen, welches von einem wellenförmigen Faserverlauf hervorgerufen wird. Die Ursache dafür ist noch nicht geklärt. „Die ungewöhnliche Maserung ermöglicht die Produktion besonders wertvollen Furniers“, erklärt Geschäftsführer Necker.

Wie auf Wikipedia zu lesen ist, bezahlte ein Furnierholzunternehmen im Jahr 2012 für einen 8,5 Meter langen Riegelahornstamm mit 4,5 Kubikmeter Volumen über 61 000 Euro und lieferte damit Anlass zu Spekulationen über den „womöglich teuersten Baum Europas“.

sg

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