1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Rekordpilger hat Miesbacher Schuhmacher besucht - neue Schuhe brauchte er aber nicht

Erstellt:

Von: Sebastian Grauvogl

Kommentare

Wiedersehen in Miesbach: Pilger Maik John (r.) und Schuhmachermeister Ralf Wieland.
Wiedersehen in Miesbach: Pilger Maik John (r.) und Schuhmachermeister Ralf Wieland. © SG

Pilger Maik John ist 41 000 Kilometer weit gewandert. Jetzt ist er auch in Miesbach angekommen - bei Schuhmachermeister Ralf Wieland. Der Besuch hatte allerdings private Gründe.

Miesbach – Wenn ein Pilger zum Schuster geht, hat dies meistens einen fachlichen Grund. Maik John (57) allerdings war noch gut besohlt, als er beim Miesbacher Schuhmachermeister Ralf Wieland in den Laden trat. „Die hab ich von einem Sponsor bekommen“, erklärt der Thüringer stolz über seine neonfarbenen Wanderstiefel. Wasserdicht seien sie, und das sei am wichtigsten.

Langstreckenwanderer hat 41.000 Kilometer zurückgelegt

Was sich schon auf normalen Touren von Wochenendbergsteigern auszahlt, ist für einen Langstreckenwanderer wie Maik John quasi unverzichtbar. Im September vergangenen Jahres hatte er seine achtjährige Pilgerreise beendet. 41 000 Kilometer hatte John da per pedes zurückgelegt – knapp 1000 Kilometer mehr als der Umfang der Erde. „Weltrekord“, ist John überzeugt. Seine Strecke führte ihn entlang des Jakobswegs durch halb Europa, bis nach Rom und in den Norden Norwegens. 25 Kilometer marschierte der Pilger an einem durchschnittlichen Tag, nur die Winter verbrachte er daheim. Mehr als 3000 Stempel füllen sein Pilgerbuch. Übernachtet hat John meist in Klöstern, bei Pfarrern (sein Türöffner sei hier die Don-Bosco-Medaille gewesen, die er als Wanderprediger bekommen habe) oder anderen Bekanntschaften, die er unterwegs gemacht hatte. Ein Bett beanspruchte er dabei aber meist nicht, betont John auf Nachfrage. Er schlafe am liebsten in seinem Zelt im Garten.

Lesen Sie auch: Weltreisende radeln von München nach Schliersee - Umweg um die ganze Welt

Im Franziskanerkloster Hülfensberg an der Grenze zwischen Thüringen und Hessen kreuzten sich dann auch die Wege von John und Wieland. Er sei gerade mit seinem Campingbus auf der Fahrt zu seinen Eltern in Kassel gewesen, als er hier einen Stopp einlegte, berichtet Wieland. Bruder Johannes habe ihn dann gefragt, ob er nicht einen Pilger mit zum Bahnhof nehmen könne. Wenig später wusste der Schuhmachermeister dann, dass er keinen Geringeren als Rekordpilger Maik John an Bord hatte. Die beiden Männer tauschten Visitenkarten und vereinbarten einen Besuch Johns in Miesbach.

2500 Kilometer von Thüringen nach Miesbach

Kürzlich war es nun so weit. Ehrensache für den Weitwanderer, dass er den größten Teil der Strecke zu Fuß bewältigt hat. Und natürlich suchte er sich bei seiner Navigationsapp am Smartphone auch nicht den kürzesten Weg aus. 2500 Kilometer war er unterwegs, als er schließlich bei Wieland eintraf. Die Schlussetappe von München sei er mit dem Zug gefahren, räumt John auf Nachfrage ein. Dank 9-Euro-Ticket ist ein bisschen ÖPNV selbst im knappen Pilgerbudget drin. Auf Rekordjagd sei er ohnehin nicht mehr, betont der 57-Jährige. Jetzt gehe es ihm noch mehr darum, die Besonderheiten am Wegesrand zu entdecken. Die lichtet John alle mit seinem Smartphone ab – quasi sein Reisetagebuch.

Auch interessant: Nach 14 Monaten im Camper-Van: Zwei Weltreisende werden in Miesbach sesshaft

Im Landkreis Miesbach hatte der Pilger den Luxus eines eigenen Reiseführers: Wieland zeigte ihm gern die Schönheiten der Region. Selbstredend, dass es dem Wanderprediger vor allem die sakralen Sehenswürdigkeit angetan haben. Ob die Wallfahrtskirche Birkenstein oder die Fronleichnamsprozession durch Miesbach: John hatte genug Gelegenheiten, zu fotografieren. Zeit für eine Stärkung blieb auch: Wieland lud ihn in seinem Heimatort Irschenberg zum Schnitzelessen ein.

Und selbst den neuen Schuhen des Pilgers konnte er am Ende noch etwas Gutes tun. „Ich habe sie imprägniert“, sagt Wieland schmunzelnd. Nasse Füße braucht John also auf dem Heimweg nicht befürchten.

sg

Auch interessant

Kommentare