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Rettungssanitäter Michael Schäfer (l.) und Rettungsassistent Michael Maier machen das Einsatzfahrzeug in der Rettungswache in Aurach klar. Sie ist von 7 bis 22 Uhr besetzt. 

Rettungsdienste im Landkreis Miesbach

Zwölf Minuten bis zum Einsatzort: Nicht überall ist das möglich

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Die Minuten nach einem Notruf können sich unendlich lange anfühlen. Nach dem Gesetz darf der Rettungswagen nicht mehr als zwölf Minuten brauchen. Gerade in ländlichen Gegenden ist das oft nicht möglich.

Landkreis – Bis das ersehnte Martinshorn endlich zu hören ist, vergehen meist nur wenige Minuten. Denen, die den Rettungsdienst verständigt haben, kommen sie jedoch nicht selten wie Stunden vor. Nicht nur die Patienten wissen: Wenn Herz, Lunge oder Gehirn aussetzen, kann jede Sekunde entscheiden – im schlimmsten Fall über Leben oder Tod.

Maximal zwölf Minuten sollte ein Rettungswagen für die Anfahrt zum Einsatzort brauchen. So jedenfalls steht es im Bayerischen Rettungsdienstgesetz geschrieben. Dass die Realität vor allem in ländlichen Regionen anders aussieht, hat nun eine SPD-Anfrage ans Innenministerium ergeben. Das Ergebnis klingt besorgniserregend: Im landesweiten Durchschnitt kommt jedes zehnte Einsatzfahrzeug erst nach mehr als zwölf Minuten an – und damit nicht in der angestrebten Hilfsfrist. In einigen Gegenden wird sogar die eigentlich vorgeschriebene Quote von 80 Prozent unterschritten.

Der Landkreis Miesbach hat dieses Problem aktuell noch nicht. Laut dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung in Rosenheim trafen die Retter hier 2016 zu 87,3 Prozent innerhalb von zwölf Minuten am Einsatzort ein. Doch es gibt Problemzonen. Eine davon ist das südliche Schlierach-/Leitzachtal. Mit 70 Prozent in Fischbachau und sogar nur 64 Prozent in Bayrischzell wird die geforderte Quote hier klar unterschritten. Angesichts der von 2011 auf 2016 gestiegenen Einsatzzahlen – von 568 auf 638 in Fischbachau und von 481 auf 558  in Bayrischzell – eine nicht unbedingt beruhigende Nachricht. Bezogen auf den gesamten Rettungswachbereich wird die Vorgabe mit 87,7 Prozent hingegen klar eingehalten.

Die Gründe für den Engpass sind geografischer Natur. Weil die Rettungswache in Aurach nur von sieben bis 22 Uhr besetzt ist, müssen die Retter in der Nacht aus Agatharied oder Flintsbach anrücken. Einen Einsatzschwerpunkt gibt es zu diesen Zeiten aber nicht, versichert Michael Fischer, Pressesprecher am Landratsamt Rosenheim. Falls doch ein Notfall einritt, werden zusätzlich die im Leitzachtal stationierten „Ersthelfer vor Ort“ alarmiert. Solche auch „First Responder“ genannte Helferteams gibt es auch in anderen Gemeinden im Landkreis.

In vier sogenannte Rettungswachbereiche ist der Landkreis aufgeteilt: Neben Agatharied sind dies Rottach-Egern, Dürnbach/Moosrain und Holzkirchen. In allen vier Regionen wurde 2016 die Zwölf-Minuten-Hilfsfrist im Schnitt in mindestens 85 Prozent der Fälle eingehalten. „Alle liegen deutlich über dem gesetzlich vorgeschriebenen Wert“, betont Fischer. Spitzenreiter ist der Wachbereich Dürnbach mit 89,55 Prozent, Schlusslicht der Bereich Rottach-Egern mit 85,08 Prozent. Um Fahrzeug-Engpässe in einsatzreichen Zeiten zu vermeiden, stehen im Landkreis zudem die BRK-Bereitschaften in Miesbach, Hausham, Schliersee, Holzkirchen und Tegernsee zur Verfügung. Durch die nach der Explosion komplett zerstörte Rettungswache in Bad Wiessee sind diese bis auf Weiteres verstärkt eingespannt.

Wer tatsächlich zum Einsatz ausrückt, entscheidet die Integrierte Leitstelle in Rosenheim. Dort laufen alle Notrufe zusammen. Die Mitarbeiter kontaktieren dann den nächstgelegenen Rettungswachbereich und schicken die benötigten Einsatzkräfte los. Auch das ist immer häufiger der Fall. Wurden 2011 noch 13 072 Einsätze gezählt, waren es 2016 schon 16 081. In 14 070 Fällen waren die Retter dabei im Vorjahr innerhalb von zwölf Minuten beim Patienten. Eine – vor allem im Vergleich zu anderen Regionen – durchaus beachtenswerte Quote. Denn vor Staus, Straßensperrungen oder Bauarbeiten ist auch ein Rettungswagen nicht gefeit.

sg

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