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Nur mit Mundschutz dürfen die Menschen in Ecuador in die Kirchen. Das Foto zeigt eine Frau in einem Gotteshaus in Lloa südlich von Quito. 

Nach Aufruf in der Zeitung

Riesen Spendenbereitschaft: Padre Rosner ist berührt und dankbar

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Eine Welle der Hilfsbereitschaft ist von Miesbach nach Ecuador geschwappt. 20 000 Euro haben Landkreis-Bürger gespendet.

Miesbach/Tababela – Padre Heinrich Rosner ist regelrecht geplättet. Ob der dramatischen Zustände in seiner Pfarrei, aber auch wegen der Welle an Hilfsbereitschaft, die aus seiner Heimat Miesbach bis ins ferne Ecuador geschwappt ist. Mehr als 20 000 Euro für die Corona-Hilfe in Ecuador sind binnen weniger Tage nach dem Aufruf in der Heimatzeitung auf dem Konto des 82-jährigen Geistlichen eingegangen. Alte Freunde, Kirchenstiftungen, Vereine, Firmen und viele ihm unbekannte Spender hätten diese unglaubliche Summe zusammengetragen, schwärmt Rosner. Er sei sehr berührt ob dieser spontanen Hilfe für die Ärmsten im ohnehin armen Land am Äquator. „Meine alte Heimat ist wirklich Heimat im besten Sinne“, dankt der Padre den Menschen im Kreis Miesbach.

Padre Rosner

Es ist ein zarter Hoffnungsschimmer in der dunkelsten Zeit, die Rosner in 48 Jahren Südamerika erleben musste. „Die Corona-Pandemie stellt alles, wirklich alles, weit in den Schatten“, sagt er. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Diktaturen, Revolutionen, Korruption und viele andere Katastrophen hatten nie diese dramatischen Folgen gehabt. Offiziell habe das Virus in Ecuador Anfang Juni 40 000 Menschen infiziert und 5500 Todesopfer gefordert. Rosner fürchtet, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches größer ist. „Irgendwie wackelt alles, wo ist noch sicherer Boden unter den Füßen?“, fragt der Padre sichtlich verzweifelt. Er fühle sich mit seinen 82 Jahren in der Seelsorge und Organisation gefordert wie nie zuvor.

Das Geld aus Miesbach hilft dem Padre, wenigstens etwas für die Menschen in seiner Pfarrei in der Nähe der Hauptstadt Quito zu tun. Er bestellte und verteilte unzählige Lebensmittelpakete, Masken und Gummihandschuhe. Bisweilen muss Rosner auch hart verhandeln, vor allem, wenn es um die „Mafia-Preise“ von Sauerstoffflaschen und Särgen geht. „Der Padre ist da wenig friedlich“, sagt der 82-Jährige. Mittlerweile müsse man die Toten in Kartons beerdigen. Der Friedhof in Tababela werde erweitert.

Auch in den letzten Stunden ihres Lebens ist Rosner für die Menschen da. Im Schutzanzug besucht er die sterbenden Corona-Patienten, spendet ihnen die Sakramente und vermittelt letzte Telefonate mit den Angehörigen. Triage und finale Sedierung seien Alltag in den heillos überlasteten Krankenhäusern, berichtet Rosner sichtlich betroffen. „Die Kranken schlafen dann ihrem Tod entgegen.“ All das zehre die Menschen und ihn als 82-Jährigen gleich doppelt aus. Dennoch versuche er, dem Sterben Würde zu geben. Beerdigungen trage er jetzt immer den Psalm 104 vor, sagt Rosner. „Der spricht von Gottes Lebensatem.“

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Auch der Padre selbst muss in dieser atemlosen Zeit oft Luft holen, um den Menschen in Ecuador weiter beistehen zu können. „Ich bin ziemlich pleite“, sagt Rosner und bittet die Miesbacher „heftig wie nie zuvor“, den Ecuadorianern weiter Spenden zukommen zu lassen. Das Geld wird verwendet für Lebensmittel, Ackerpacht, Saatgut, Strom, Wasser, Telefon und Internet (für den Schulunterricht), Hygiene- und Desinfektionsartikel, Medikamente sowie natürlich Corona-Tests – auch für die Waorani-Indianer im Urwald, die Rosner ans Herz gewachsen sind.

Obwohl er in Ecuador mehr denn je gebraucht wird, will der Padre Mitte Juli gesund seinen Heimaturlaub in Miesbach antreten. Die Gläubigen dort bittet er, die Menschen in Ecuador ins Morgen- und Abendgebet einzuschließen. Die Spenden werde er ausschließlich in seiner Pfarrei Tababela einsetzen, verspricht der Padre. „Ich kann ja nicht halb Ecuador retten.“

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