Als Lehrmittel stuft das Kultusministerium das von Herbert Schnellinger entwickelte Spiel Rombi ein. Bislang winken die Schulen im Landkreis aus Geldmangel ab. Spender wollen das ändern.
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Als Lehrmittel stuft das Kultusministerium das von Herbert Schnellinger entwickelte Spiel Rombi ein. Bislang winken die Schulen im Landkreis aus Geldmangel ab. Spender wollen das ändern.

Rombi: Miesbacher Druckerei entwickelt nachhaltiges Gedächtnisspiel für Jung und Alt

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Die Druckerei Fuchsdruck Miesbach hat ein nachhaltiges Spiel entwickelt, das die Gehirne von Kindern und Demenzpatienten trainieren soll. Noch zeigen Heime und Schulen im Landkreis wenig Interesse. Doch Unterstützer wollen das Spiel in alle Einrichtungen bringen – kostenlos.

Miesbach – Dass aus dem, was er zunächst eher zum Spaß und aus Neugier anging, bitterer Ernst wird, hätte Herbert Schnellinger (71) vor drei Jahren selbst nicht gedacht. Damals hatten Kunden aus Zypern den Geschäftsleiter der Druckerei Fuchsdruck aus Miesbach auf eine Spielidee hingewiesen, die eine Engländerin entwickelt hatte. „Es war eine riesige Herausforderung für mich“, sagt der 71-Jährige über den Besuch in der zyprischen Agentur, für die er sonst Hotelprospekte und Kalender druckt. Doch sein Bastelinstinkt war geweckt. Drei Jahre später ist ein Spiel entstanden, das das Kultusministerium als Lehrmittel für Schulen einstuft: Rombi.

Rombi, das sind viele kleine, bunt bedruckte Rhomben, also schräge Quader, aus denen Kinder, Senioren und alle Spieler zwischen fünf und 99 Jahren große Muster legen, frei oder nach Vorgabe. Das Spiel trainiere das Gehirn, besonders Konzentration und Gedächtnis, sagt Schnellinger. Mehrere Studien belegten das.

Die Idee kommt an. Landtagspräsidentin und CSU-Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner gefiel das Spiel, sie empfahl es Kultusminister Michael Piazolo (FW). So kam es zur Einstufung als offizielles Lehrmittel. Auch die Stiftung Schneekristalle der ehemaligen Skirennfahrerin Michaela Gerg aus Lenggries wirbt für Rombi. Gerg: „Das Spiel gehört in Schulen, Sportvereine, Seniorenheime.“

Trotzdem: Im Landkreis war die Resonanz bislang eher verhalten. Schnellinger sagt, er habe alle Schulen und Heime angerufen. „Kein Geld“, hätten die Schulen gesagt, „keine Zeit wegen Corona“ die Heime.

Schade, meint Schnellinger. Er hängt an dem Spiel, in das er viel Entwicklungsarbeit gesteckt hat, um es lokal und nachhaltig zu machen. Rombi besteht aus heimischem Holz, Gmunder Papier und wird in Miesbach gefertigt. Weil Schnellinger Holz brauchte, das sich wenig verformt – sonst passen die Steine nicht mehr aneinander –, bezieht er ausschließlich bayerisches Buchenholz, das in Gebieten zwischen 900 und 1400 Höhenmetern gefällt und vier Wochen in einer Kammer getrocknet wurde. Die Steine sind gesundheitlich unbedenklich bedruckt.

Für Fuchsdruck macht es keinen Unterschied, wer die Spiele kauft. Die englische Spielentwicklerin hat der Firma die ersten Chargen komplett abgenommen und vertreibt sie weiter. Bei wem sie unter dem Weihnachtsbaum liegen, könnte Schnellinger egal sein. Doch er will den Rombi-Einfallsreichtum auch in Landkreis-Einrichtungen bringen. Deswegen wirbt er für das Spiel.

Unterstützung bekommt Schnellinger von der Gmunder Unternehmerin Anja Frank. Als Mutter eines Sohnes mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und eines Vaters mit Demenzgefahr weiß sie: „Rombi ist zur Prävention genial. Es gehört in jedes Seniorenheim und jede Schule.“ Damit es dort hinkommt, suchte die Vorsitzende des IHK-Gremiums Miesbach Spender, die das rund 100 Euro teure Spiel den finanziell eher klammen Kinder- und Senioreneinrichtungen schenken.

Bei ihrer Suche ist Frank auf Klaus Hussy gestoßen, Vorstand der Raiffeisenbank Gmund. Ihm habe das Spiel gefallen. Die Raiffeisenbank wolle deshalb Spiele im Wert von 2500 Euro an Einrichtungen spenden. Der Plan: Interessenten melden sich direkt bei Frank. Sie sammelt die Anfragen, gibt sie weiter und sorgt dafür, dass die Einrichtungen ihre Spiele erhalten. Die Raiffeisenbank übernimmt die Kosten. Melden sich mehr Einrichtungen, will Frank weitere Spender auftreiben. Nun hofft die Gmunderin auf viele Interessenten.

Bei Interesse melden

Kinder- und Senioreneinrichtungen, die das Rombispiel kostenlos bekommen wollen, melden sich bei Anja Frank unter anja. frank@frank-dental.de. Infos zum Spiel unter www.rombispiel.de.

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