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Keine Sekunde Langeweile: Gerd Baumann und Marcus H. Rosenmüller sowie Dreiviertelblut zogen die 400 Besucher in Miesbach drei Stunden lang in ihren Bann.

Im Waitzinger Keller

Der Rosi hat‘s halt drauf

Was Markus H. Rosenmüller anpackt, wird gut. Jetzt trat der Haushamer im Waitzinger Keller mit Gästen im Waitzhinger Keller auf. Ein Triumphzug.

Miesbach – Wenn sich drei Hochkaräter zusammentun, ist das noch lang keine Garantie für Erfolg. Wenn es aber die drei richtigen sind, die ihre Botschaft auf einer Wellenlänge senden, kann es sogar sein, dass sich ein enormer Erfolg einstellt. So war es am Donnerstagabend, als das Gedichteschreiber-Duo Marcus H. Rosenmüller und Gerd Baumann zusammen mit der Band Dreiviertelblut im Doppelpack glänzte. Es ist nicht übertrieben, den Schlussapplaus der etwa 400 bestens gelaunten Zuschauer im Miesbacher Waitzinger Keller als frenetisch zu bezeichnen.

Vorangegangen war die Kombi-Veranstaltung „Ode an die Fulminanz“, die hinsichtlich Kurzweiligkeit, Qualität und entspannter, humorvoller Grundstimmung wohl ihresgleichen sucht: Erfolgsregisseur Rosenmüller sowie Komponist und Musiker Baumann, die auch bei Filmen des Haushamers zusammenarbeiteten und fünf Jahre lang zusammen das Nockherberg-Singspiel gestaltet haben, treten immer wieder gemeinsam auf mit selbst geschriebener Lyrik in der Tradition von Heinz Erhardt, Christian Morgenstern oder auch Robert Gernhardt – jedoch mit ihrer ganz persönlichen Note versehen. Baumann fungierte in der umwerfenden Doppelveranstaltung quasi als Bindeglied, ist er doch gleichzeitig Gründungsmitglied und Gitarrist von Dreiviertelblut. Die siebenköpfige Band hat sich seit einigen Jahren höchst erfolgreich der „folklorefreien Volksmusik“ verschrieben. Ihr Frontmann ist der charismatische Sänger Sebastian Horn (auch Sänger der Bananafishbones), der mit seiner tiefen und klaren Stimme die teils düsteren, teils zart-melancholischen, teils lebensbejahenden bis exzessiven Lieder beeindruckend interpretierte.

Zusammen mit Benjamin Schäfer (Bass), Flurin Mück (Schlagzeug), Florian Riedl (Klarinette), Andreas Unterreiner (Trompete) und Luke Cyrus Götze (Gitarre) zeigte Horn, wie wohlklingend und ausdrucksstark die bairische Sprache und wie authentisch und aktuell aus der Volksmusik gespeiste und doch hochmodern interpretierte handgemachte Musik sein kann. Sei es das kritische „Mia san ned nur mia“, das romantische „As erschte Moi“ oder das feurig-pulsierende „Wuist du mit mir danzen?“, mit dem zerstörerische, ja blutrünstige Lebensfreude gefeiert wird: In all den zwölf im Waitzinger Keller gespielten Perlen abseits des bayerischen Mainstreams zeigte die Band tiefgehende, aus dem Leben gegriffene Texte, gepaart mit ausgefeilter Instrumentierung und den intelligenten Arrangements Baumanns – mit Leidenschaft dargeboten von eingespielten Könnern.

Kaum den letzten Ton auf der akustischen Gitarre gespielt, eilte Baumann an den Lesestisch, wo er sich mit „Rosi“ die Gedichte um die Ohren warf. Beide schöpften aus dem reichen Fundus ihrer Dichterkarriere: schräg, kurios, poetisch, philosophisch, strotzend vor Fantasie, Wortwitz und manchmal auch herrlichem Unsinn. Für Lachsalven sorgten Limericks und Vierzeiler wie: „Die stille Leere in der Birne zwingt den frommen Dichtersmann zu einer Dirne – die ihm auch nicht helfen kann“ (Baumann). Oder der Regisseur: „Zwei Mädchen und ein Architekt, die planten sich zu lieben. Doch wie’s beim Architekten oft so ist: Es ist beim Plan geblieben.“ So dichteten der Komponist und der Filmemacher, was das Zeug hielt, manchmal auch total spontan. In bester Spiellaune und angetrieben vom Publikum, das nicht genug kriegen konnte. Rosenmüller zeigte dabei in einigen längeren Werken erstaunliche schauspielerische Qualitäten.

Fast drei Stunden dauerte der Abend. Er war nicht eine Sekunde langweilig. 

 Reinhold Schmid

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