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Der Beginn einer langen Reise: Iris Haller wartet an der Haltestelle Rottach-Egern Post auf den Bus. Bis zu zwei Stunden muss sie für die Fahrt zum Krankenhaus Agatharied einplanen.

„Das ist einem Landkreis wie Miesbach unwürdig“

Rottacherin klagt an: Ich brauche zwei Stunden mit dem Bus in unser Krankenhaus

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Wer vom Tegernseer Tal aus ohne Auto zum Krankenhaus Agatharied fahren will, braucht viel Geduld. Das hat jetzt auch Iris Haller aus Rottach-Egern erlebt. 

Landkreis – Am liebsten wäre Iris Haller, Tag und Nacht bei ihrem Mann gewesen. Nicht nur in Gedanken, sondern auch am Krankenbett. Doch die 75-Jährige musste wieder nach Hause nach Rottach-Egern, und ihr Mann lag auf der Intensivstation im Krankenhaus Agatharied. Als wäre diese Situation nicht Belastung genug gewesen, hatte Haller noch mit einem anderen Problem zu kämpfen: den öffentlichen Verkehrsmitteln im Landkreis Miesbach, genauer gesagt der Verbindung zwischen dem Tegernseer Tal und dem Krankenhaus.

Bis zu zwei Stunden hat Haller für die einfache Fahrt gebraucht. Und das für eine Strecke von knapp 16 Kilometern, die sich mit dem Auto in rund 20 Minuten zurücklegen lässt. Doch in den Genuss einer Nonstop-Verbindung ist die 75-Jährige nie gekommen. Sie musste umsteigen, je nach Uhrzeit und Linie bis zu zwei Mal. Mal von einem Bus des Regionalverkehr Oberbayern (RVO) in den nächsten, mal auch in die Bayerische Oberlandbahn (BOB). Mit entsprechenden Wartezeiten an den Haltestellen. Bei der Rückfahrt vom Klinikum wiederholte sich das Spiel. Hallers Fazit: „Die Anbindung des Krankenhauses mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist absolut unzureichend und einem Landkreis wie Miesbach unwürdig.“

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In ihrer Verzweiflung schickte die 75-Jährige einen Brief an das Landratsamt. Dort ist das Problem bekannt. In der Tat sei die Verbindung nicht zufriedenstellend, schreibt Landrat Wolfgang Rzehak in seiner Antwort. Dennoch gebe es ab dem Bahnhof Tegernsee täglich fünf Fahrten Richtung Krankenhaus und vier zurück, teilweise auch ohne Umstieg und folglich mit einer Fahrzeit von unter 45 Minuten. Mit dem im Oktober 2017 eingeführten „GibMir5“-Einzelticket würde die Beförderung mit den RVO-Bussen nur sechs Euro pro Tag kosten. Hinzu kämen die jeweils stündlichen Verbindungen mit der BOB über Holzkirchen. Als Alternative nennt Rzehak das Anrufsammeltaxi (AST) des Landkreises, das vom Bahnhof Gmund aus für 11,50 Euro zum Krankenhaus fährt.

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Haller kann mit dieser Auflistung nicht viel anfangen. „Den Fahrplan kann ich selbst lesen“, sagt sie. Eine wirkliche Lösung des Problems, das auch viele andere Bürger ohne Auto im Tegernseer Tal betreffe, sieht sie nur in einem Shuttle- oder Bürgerbus. Im Fernsehen habe sie gesehen, dass diese in einigen Gemeinden erfolgreich betrieben würden – finanziert mit Spenden, Werbung und natürlich über den Fahrpreis. „Niemand will gratis durch die Gegend kutschiert werden“, betont die 75-Jährige. Günstiger als ein Taxi sei so eine Busfahrt allemal. Letzteres könnten sich viele nicht leisten – auch sie nicht.

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Auch wenn der Landrat auf die Idee eines Shuttlebusses nicht eingeht: Hallers Anregung soll nicht verpuffen, so Rzehak. In der im Vergabeverfahren befindlichen Fortschreibung des Nahverkehrsplans sei die Verbesserung der ÖPNV-Anbindung des Krankenhauses eine zentrale Aufgabenstellung für die Gutachter. Da mit der Fertigstellung erst im vierten Quartal 2019 zu rechnen sei, habe man sich mit Vertretern des RVO zusammengesetzt, um kurzfristige Maßnahmen auszuloten.

Das Treffen ist nicht ohne Ergebnis geblieben, berichtet der stellvertretende RVO-Niederlassungsleiter Peter Bartl. „Wir schauen, wie wir kurzfristige Verbesserungsmöglichkeiten erarbeiten können.“ Denkbar sei zum Beispiel, einzelne Linien bis zum Krankenhaus zu verlängern. Ein größeres Fass könne man aber auf die Schnelle nicht aufmachen, räumt Bartl ein. Die räumliche Struktur des Landkreises mit seinen drei Tälern lasse nicht viel Spielraum für Änderungen im Liniennetz. Zudem müsse man mit Schulen, Tourismus und Krankenhaus viele Interessen miteinander verquicken.

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