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Jung und wild: Sahara in der finalen Besetzung bei einer Bandprobe 1973 mit (v.l.) Hennes Hering, Alex Pittwohn, Michael Hofmann, Harry Rosenkind, Stephan Wissnet und Nick Woodland im Übungsraum St. Bonifaz München.

Konzert der Band Sahara um Hennes Hering

Die Rückkehr einer Prog-Rock-Legende

Es wird ein Ausflug in eine Zeit, als Rock noch Revolution bedeutete: Die Band Sahara mit dem Miesbacher Hennes Hering, die in den 70ern zu den Prog-Rock-Größen in Deutschland zählte und die Beatszene maßgeblich beeinflusste, gibt ein Konzert im Haindlkeller.

Miesbach – Damals, vor rund 50 Jahren, atmete Deutschlands Jugend Aufbruch. Insbesondere auch musikalisch. Die Beatlemania hatte in den 60ern den Weg bereitet für eine lebendige Beatszene in München, junge Bands sprossen aus dem Boden wie die Schwammerl und schlugen ganz neue Töne an. Die Haare der Männer wurden länger, die Rocksongs auch – sphärische Klangteppiche und sinfonische Songstrukturen kamen dazu. Auch Hans-Georg – genannt Hennes – Hering, der damals noch in München lebte, brannte für den neuen Sound.

Er spielte als junger Mann Keyboard in einer Band namens Out of Focus. „Wir haben bei Auftritten zu 50 Prozent improvisiert“, sagt Hering und schmunzelt: „Das ist als Musiker schön, fürs Publikum nicht immer.“ In der „Krautrock“-Szene in den USA ist die Band bis heute ein Begriff, und in München hatte Hennes Hering dadurch einen Namen. Nur verließ ihn irgendwann die Lust, mit dieser Band weiterzuspielen. Da kam dem jungen Keyboarder – damals einer von vielleicht zwei, drei stolzen Besitzern einer Original-Hammondorgel in ganz München – der Ruf einer anderen Größe der Münchner Beat-Szene gerade recht: Die Band Subject suchte 1972, im Jahr der Olympischen Spiele, einen neuen Mann an den Tasten für ihren Progressive-Rock-Sound mit melodiösen Klangteppichen von Synthesizer und Hammond-Orgel, Querflöte und mehrstimmigem Gesang.

Hering brauchte nicht lang zu überlegen – zumal Gitarrist Nick Woodland, den er sehr bewunderte, wenige Wochen zuvor bei derselben Band eingestiegen war. Mit den neuen Mitgliedern änderte sich auch der Name der Band: Sahara war geboren.

Plattenvertrag bei Ariola, Tour mit Peter Maffay

Das Sextett hatte einen Plattenvertrag bei Ariola. Zwei Alben nahm Hering mit der Band auf, die ihm sogar einen Eintrag in der autorisierten Biografie von Peter Maffay beschert hat, der Mitte der 70er mit Instrumentalisten von Sahara auf Clubtournee ging – darunter Hering. Die Münchner Abendzeitungkündigte Sahara für einen der ersten Auftritte im Theatron im Olympiapark überhaupt als „Münchens älteste und wichtigste Rock-Band“ an. 4000 bis 5000 Leute, schätzt Hering, kamen damals.

Wie so viele Bands auf dem Weg zum Abheben kam aber auch Sahara irgendwann wieder auf dem Boden an, 1977, um genau zu sein. „Ich war einer der Ausschlaggebenden“, erklärt Hering, ohne jegliche Bitterkeit. „Ich war am Konservatorium fertig und wollte an der Hochschule Schulmusik studieren.“ Mit Tourneen, die ihn mit Sahara und zuvor Out of Focus schon weit herumkommen hatten lassen, ließ sich das nicht vereinen.

Neue Wege mit Donna Summer und den Rosenheim-Cops

Alle sechs Mitglieder verschlug es auf neue Pfade. Gitarrist Nick Woodland etwa, der Bluesfreunden im Landkreis von diversen Auftritten in der Weyhalla in Weyarn bekannt ist, spielte zum Beispiel mit Donna Summer und später Marius Müller-Westernhagen. Sänger und Multiinstrumentalist Michael Hofmann, der die Band mit Harry Rosenkind 1966 gründete, schrieb Hits für Al Bano und Romina Power und Filmmusik fürs Fernsehen, etwa die „Rosenheim Cops“.

Nach vielen Jahren ohne Kontakt liefen sich Hering und Hofmann im Supermarkt in Miesbach über den Weg – Hering war 1984 in die Kreisstadt gekommen und hier bis 2011 Musiklehrer am Gymnasium, wo er viele seiner Schüler beflügelte. Hofmann bewohnt zeitweise ein Haus am Stadlberg. Es hätte vielleicht nie ein Revival gegeben von Sahara, wäre nicht Rhythmusgitarrist und Mundharmonikaspieler Alex Pittwohn um die Jahrtausendwende auf die Idee gekommen, zu seinem 50. Geburtstag nochmal mit den alten Bandkollegen zu spielen. „Er hat alle zusammengetrommelt“, erklärt Hering. Und so kam es auch, dass Sahara 2006 zum 40-jährigen Bandbestehen eine Reihe von Revival-Auftritten gaben.

Erste Platte erscheint in Neuauflage

Sahara heute: (v.l.) Michael Hofmann de Boer, Hennes Hering, Stephan Wissnet, Harry Rosenkind und Nick Woodland. 

Seither sind sie alle paar Jahre mal wieder live zu erleben, die aktuellen Termine sind auf der Homepage der Band zu finden. Am 4., 5. und 6. April 2019 beim Kulturverein Interim in München-Laim. Und davor in Miesbach: An diesem Sonntag, 31. März 2019, spielen Sahara im Miesbacher Haindlkeller im Kulturhaus zur Goldenen Parkbank, statt der üblichen sonntäglichen Bandprobe daheim in Herings Probenraum, den auch sein Jazzchor Miesbach nutzt. „Wir spielen relativ viel aus der allerersten LP, dazu zwei Songs aus der zweiten und zwei aus dem letzten Album – die schönsten“, kündigt Hering an. „Zwei der Songs haben wir seit der Wiedergründung noch nie live gespielt.“

Das Konzert in Miesbach beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro. Und vielleicht, meint Hering, ist bis dahin schon die bestellte Neuauflage des ersten Sahara-Albums angekommen und erhältlich. Bei den Auftritten im Interim ist das sicher der Fall. 

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Nick Woodland und die Rolling Stones - Der Münchner Gitarrist im Porträt

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Katrin Hager

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