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Hüter über viele Schätze: Miesbachs Archivar Alexander Langheiter zeigt das „Barlament“, ein Kunstwerk des Bildhauers Raimund Jäger.

Seit zehn Jahren zu:

Rumpelkammer mit Geruch: Ein Blick ins geschlossene Heimatmuseum 

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Seit zehn Jahren geschlossen, kaum einer hat es seither betreten. Wir haben einen Blick ins Miesbacher Heimatmuseum geworfen - oder was davon übrig ist. Schätze in der Rumpelkammer...

Miesbach – Der erste Eindruck: Das Museum hat sich in eine Rumpelkammer verwandelt. Auf dem Fußboden liegt ein verwittertes, hölzernes Wasserleitungs-Rohr. Dahinter lehnt an einer Glasvitrine ein raumhohes Altargemälde aus der Stadtpfarrkirche. Wie zufällig hingeworfen sind daneben Hüte verstreut. Ein Stück weiter findet man in einem Regal einen Wimpel aus Israel. „Das Museum hat den Charme eines Depotraums“, sagt Langheiter.

Dazu passt der Geruch – eine Mischung aus dem Duft von altem Teppichboden, Holz, Leder, Metall und Moder. Man könnte sagen: Es stinkt. So mancher hat nach dem ersten Atemzug fluchtartig den Raum verlassen. Doch von Gestank würde Langheiter niemals sprechen. Er umschreibt das Geruchs-Erlebnis als „Oma-Geruch“ und sagt: „Ich mag das.“ Ebenso wie die Detektivarbeit: „Der schönste Gegenstand hat erst einen Wert, wenn man weiß, was dahintersteckt.“

Die Schätze

Es ist bedauerlich, dass das Miesbacher Museum schon so lange geschlossen ist, denn hinter den Mauern verbergen sich einige bemerkenswerte Schätze. Allen voran die häufig beschriebene Gotzinger Trommel. Das Instrument wurde während der Sendlinger Mordweihnacht im Jahr 1705 mitgeführt.

Ganz besonders begeistert ist Langheiter von einem Kunstwerk, das der Miesbacher Bildhauer Raimund Jäger zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts geschaffen hat: das „Barlament“. Das Kunstwerk sei stilistisch an die satirische Wochen-Zeitschrift Simplicissimus angelehnt, „quasi eine Karikatur in 3D“. Es zeigt Mitglieder des damaligen bayerischen Parlaments, wie den in Miesbach aufgewachsenen Georg von Vollmar. Es handelt sich durchweg um reale Personen – bis auf eine: Josef Filser, eine von Ludwig Thoma erfundene literarische Figur.

Der Bildhauer Raimund Jäger stammt aus dem Miesbacher Trachtenhaus Jäger. Schon in jungen Jahren bewies er ein enormes Talent und studierte an der Kunst-Akademie. Unter anderem entwarf er die Ornamente, die heute noch für die Miesbacher Joppe charakteristisch sind. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam er ums Leben. „Schade“, bedauert Langheiter. „Er stand am Anfang einer ganz großen Karriere.“

Das Museum

Seit 1972 befindet sich das Miesbacher Heimatmuseum im zweiten Stock des Feuerwehrhauses. Vom ersten Tag an war die Unterkunft nicht mehr als ein Provisorium. Von Beginn an war der Depotraum viel zu klein. Seither sind unzählige Exponate hinzugekommen. Wegen Überfüllung und weil Aufsichts-Personal in den Ruhestand ging, wurde das Museum vor zehn Jahren geschlossen. Seither hoffen die Verantwortlichen auf eine neue Heimat. Das passende Gebäude – das ehemalige Kloster – stünde bereit. Aus finanziellen Gründen scheiterte der Umzug bislang. Der Museumsverein versucht, die notwendigen Mittel aufzutreiben (wir berichteten). Klar ist: Es geht nicht ohne weitere Fördergelder. Doch auch die haben ihre Tücken, weiß Langheiter. „Zuschüsse gibt es nur, wenn wir komplett umziehen.“ Eine Lösung in zwei Schritten wäre damit hinfällig.

Langheiter selbst arbeitet seit acht Jahren im Miesbacher Museum, ist hier aufgewachsen, hat in München Kunst und Kunstgeschichte studiert und eine Miesbacher Chronik geschrieben. Die ist der Grund dafür, dass er heute im Museum arbeitet.

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