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Bunte Wegweiser durch Miesbachs evangelische Geschichte: Einige der Stelen zeigen (v.l.) Pfarrerin Anika Sergel-Kohls, Grafikerin Eva Egginger, Annika Bier, Historiker Alexander Langheiter und Pfarrer Erwin Sergel.

Rundweg zur Reformation

Miesbachs protestantische Geschichte an 15 Stationen entdecken

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Zum Jubiläum 500 Jahre Reformation hat sich die evangelische Kirche Miesbach etwas Besonderes ausgedacht. Mit einem historischen Rundweg soll an die Anfänge der Protestanten im 16. Jahrhundert erinnert und gleichzeitig die ökumenisch geprägte Gegenwart in der Kreisstadt beleuchtet werden.

Miesbach gilt als Hochburg der evangelischen Kirche im Landkreis. In den Anfangszeiten des 16. Jahrhunderts waren dort schon viele Protestanten ansässig – das hat die Kreisstadt bis heute geprägt. Diese Geschichte will die evangelische Kirchengemeinde 500 Jahre nachdem Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll ins Bewusstsein rufen – mit einem historischen Rundweg.

Die Idee, mit einem Rundgang Miesbachs Kirchengeschichte darzustellen, habe es schon länger gegeben, erklärt Annika Bier, die für den Museumsverein Miesbach die Arbeitsgruppe mit evangelischer Kirche und Stadt komplettiert hat. „Das Reformationsjubiläum war nun ein guter Anlass dafür.“ Ein Konzept, das nicht nur das evangelische Pfarrers-Ehepaar Anika Sergel-Kohls und Erwin Sergel überzeugt, sondern auch Grafikerin Eva Egginger und Historiker Alexander Langheiter. Denn eine Ausstellung, so stellte Sergel gestern beim Pressegespräch fest, würde wohl weniger Menschen interessieren. Der Rundweg dagegen erreiche nicht nur heimische Christen, sondern auch Touristen. Oder wie es Langheiter ausdrückte: „Die Stadt ist die Ausstellung.“

15 Stationen wurden zusammengestellt – zwölf in Miesbach sowie je eine in Parsberg (St. Laurentius), Hausham (Argulakirche) und Neukirchen (St. Dionysius). Damit wird auch das Gebiet der Kirchengemeinde abgedeckt, die neben Miesbach die Gemeinden Hausham, Weyarn und Irschenberg umfasst. Thematisch aufgeteilt sind die Stationen in Anfänge und Neuzeit. Das Schloss Wallenburg, von dem aus Wolf Dietrich von Maxlrain versuchte, den protestantischen Glauben zu verankern, gehört ebenso dazu wie ehemalige Gefängnis in der Rosenheimer Straße 16, in dem der evangelische Pfarrer Rudolf Neunhoeffer wegen NS-kritischer Äußerungen ab 1935 inhaftiert war.

Das Besondere am Rundweg sind die Stelen, die von verschiedenen Gruppen und Menschen von neun bis 87 Jahren für die Standorte nicht nur gestaltet, sondern auch entworfen worden sind. Hellblaue Fußspuren weisen den Weg zur nächsten Stele.

Die Infos zu den Stationen gibt es auf drei Ebenen: Die Kurzfassung ist in einer Broschüre zusammengestellt, die es unter anderem in der Kirche sowie beim Kulturamt der Stadt gibt. Eine längere Version ist an den Stelen zu finden, und die Langfassung gibt es im Internet auf www.miesbach-evangelisch.de und via QR-Code vor Ort. Für Kinder wurde der Flyer zudem um ein Rätsel zum Rundweg ergänzt. Bei der Eröffnungsveranstaltung am Sonntag, 14. Mai, werden drei Stationen besucht, an denen die Theatergruppe des Beruflichen Schulzentrums unter Leitung von Regina Weber-Töpel jeweils Szenen nachspielt. Der Ausklang findet im Fritz-Freund-Park statt.

Die Organisatoren sind zuversichtlich, viele Menschen zum Nachdenken zu bringen. „Für den Glauben wurde immer wieder Position bezogen“, sagt Pfarrerin Sergel-Kohls. „Der Rundweg fordert auf, über eigene Positionen nachzudenken.“

ddy

Die Termine:

Sonntag, 14. Mai: Eröffnung des Historischen Rundwegs mit drei Theaterstationen, 14.30 Uhr, Treffpunkt Apostelkirche; 

Dienstag, 16. Mai: Vortrag „Wolf Dietrich von Maxlrain und die Reformation im Miesbacher Oberland“ von Alexander Langheiter, 19.30 Uhr, Gemeindehaus Miesbach; 

Dienstag, 23. Mai: Vortrag „Pfarrer Rudolf Neunhoeffer und sein Konflikt mit dem Nationalsozialismus“ von Albert Eichmeier, 19.30 Uhr, Gemeindehaus Miesbach; 

Samstag, 17. Juni: Radtour zu historischen protestantischen Stätten zwischen Schliersee und Weyarn mit Historiker Andreas Scherm, 10 bis 16 Uhr, Treffpunkt St. Sixtus, Schliersee;

Sonntag, 24. September: Wandern auf den Spuren der Protestanten in Miesbach, 12.30 Uhr, Treffpunkt Apostelkirche.

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