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Herzstück der Münchner Wasserversorgung: das Wasserschloss Reisach.

Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing

Rzehak: „Wir haben viel herausgeholt“

Das Verfahren zur Ausweisung einer Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing wird wieder aufgenommen. Verzögert hatte das ein Ministerinnen-Schreiben. Die dort gestellten Fragen hat das Landratsamt nun beantwortet.

Miesbach – Die Fragen des Schreibens von Ministerin Ulrike Scharf (Dezember 2014) sind nach Auffassung des Landratsamts geklärt, jetzt kann das Verfahren zur Neu-Ausweisung der Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing weitergehen. „Ich glaube, dass wir relativ viel herausgeholt haben“, sagt Landrat Wolfgang Rzehak.

Lange hat es gedauert, bis das Landratsamt die Neuausweisung der Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing fortsetzt. „Wir haben uns nicht treiben lassen, sondern intensiv alle Probleme erörtert“, sagt Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne). Gestern Vormittag hat er die betroffenen Kommunen Miesbach, Warngau, Weyarn und Valley informiert, am Nachmittag stellte Thomas Eichacker, Leiter der Abteilung Umwelt am Landratsamt, die Ergebnisse der Öffentlichkeit vor. Bis Kommune und Betroffene den 98 Seiten umfassenden Prüfungsbericht ausgewertet haben, wird es dauern. Allzu viel Zeit lässt das Landratsamt aber nicht. Zeitnah soll die öffentliche Auslegung erfolgen. Einige wichtige Punkte im Überblick.

-Die Schutzzone soll auf 16 Quadratkilometer verdoppelt werden. Sie liegt zwischen Weyarn (Thalham) im Norden, dem Miesbacher Gewerbegebiet Nord im Südosten und Müller am Baum im Südwesten. In ihr herrschen diverse Einschränkungen, die im Verbotskatalog festgehalten sind. Zum Beispiel verhindert sie die ursprünglich vorgesehene und in der städtischen Bauleitplanung ausgewiesene Größe des

-Gewerbegebiets Miesbach. Das als amtlicher Gutachter maßgebliche Landesamt für Umwelt (LfU) in Hof war bislang recht rigoros gegen eine Erweiterung. Für die Stadt und ihre Bürger heißt dies unter anderem: keine Entwicklungsmöglichkeiten in Sachen Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Immerhin: Ein Drittel der bebaubaren Flächen, 30 000 Quadratmeter, können doch genutzt werden. Eine „deutliche Reduzierung“ wie Eichacker einräumte, aber selbst darauf habe sich das LfU erst „nach langem Hin und Her“ eingelassen. Dies war auch der Punkt, der das Landratsamt in Sachen Schutzgebiet das vergangene Dreivierteljahr am meisten befasste. Die Haltungsänderung beim LfU bezeichnet Rzehak als „Riesenerfolg“.

- Der Verbotskatalog ist offenbar um ein paar Grausamkeiten gestutzt. So hat das Landratsamt die Abrissklausel ersatzlos gestrichen. „Diese erschien uns zu weitgehend“, sagt Eichacker. Die Klausel ermöglicht es dem Wasserversorger, in diesem Fall den Stadtwerken München, auf den Abriss von Gebäuden in der Schutzzone hinzuwirken. Und das Wort der Versorgerseite wiegt schwer, auch wenn das Landratsamt die Entscheidung trifft. Im vorliegenden Fall stehen die bestehende, acht Quadratkilometer große Schutzzone sowie der Bereich der geplanten Erweiterung seit Jahrzehnten unter Beobachtung hinsichtlich einer Gefährdung des Trinkwassers. Würde eine solche vorliegen, wären SWM oder Landratsamt längst eingeschritten. Also: Klausel überflüssig. Tätig werden können die Behörden auch davon unabhängig. Für die Landwirte strebt das Landratsamt leichtere Befreiungsmöglichkeiten von den Verboten an. Ein Wohlwollen für die Anliegen der Bauern möchte die Behörde irgendwie in der Verordnung verankert haben. Wie dies rechtlich sauber geschehen kann, muss im weiteren Verfahren geklärt werden.

- Die Altrechte sind bedeutend für die Grundlage. Die Stadt München gewinnt seit 150 Jahren Wasser im Mangfallgebiet, heutzutage 80 Prozent ihres Bedarfs. Die Rechte an der Wassergewinnung will das Miesbacher Landratsamt auch nach eingehender Prüfung nicht infrage stellen. Allerdings wird es auch im Wasserbuch festschreiben, dass das Wasser nur für die Versorgung der Landeshauptstadt und ein paar weiterer Gemeinden (Notversorgung) gewonnen werden darf. Dies geschieht auch im Hinblick auf das Schreckgespenst einer Liberalisierung des Wassermarkts und/oder einer weiterreichenden Privatisierung der Stadtwerke München.

- Alternativen zur Wassergewinnung im Mangfalltal gibt es für Stadt München keine – oder wenigstens keine sinnvollen oder wirtschaftlich zumutbaren. Mal hakt es an der Qualität des Wassers (Oberflächenwasser), mal an der Versorgungssicherheit (Schotterebene), mal an der Entfernung (Bereich Ammergebirge). Meist ist auch die Zahl der betroffenen Menschen mindestens ebenso groß wie im Kreis Miesbach.

- Die Ausdehnung der Schutzzone lässt sich nach Auffassung des Landratsamts auch durch eine Änderung der Entnahmemenge an der ergiebigen Reisach-Grundwasserfassung nicht ändern. Maßgeblich ist die Lage der Entnahmestelle. Von der aus bemisst sich die Grenze der Schutzzone.

- Die vorgestellten Ergebnisse sind nur ein veränderbarer Zwischenstand, wie der Fachbereichsleiter Wasser am Landratsamt, Frank Skodczinski, betonte. Sie fließen nun in die Verfahrensunterlagen ein. Nach der Beteiligung der Öffentlichkeit (Herbst) nebst Erörterungstermin steht womöglich im zweiten Halbjahr 2018 die Entscheidung an: Schutzzone ausweisen oder ablehnen.

Die Prüfungsergebnisse in vollem Umfang stehen auf www.landkreis-miesbach.de.

Daniel Krehl

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