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Friseurmeister Johann Wolf aus Miesbach ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Seinen Salon am Miesbacher Stadtplatz gibt es bis heute.

„Er war noch lange die letzte Instanz“

Der Salon war sein Zuhause: Nachruf auf Friseurmeister Johann Wolf

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Mit 85 neue Ski, mit 90 ein neues Auto: Johann - genannt John - Wolf war aktiv bis ins hohe Alter. Jetzt ist der Friseurmeister aus Miesbach mit 99 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Miesbach – Hans Wolf war 25, als ihn sein Vater im Jahr 1978 fragte, ob er seinen Friseursalon am Miesbacher Marktplatz übernehmen möchte. Der Junior sagte zu. „Weil ich davon ausgegangen bin, dass er sich wirklich zur Ruhe setzt“, erinnert sich Wolf und lacht. Er wurde eines besseren belehrt. Denn mit dem Ruhestand nahm es der damals 60-jährige Johann Wolf nicht ganz so ernst. „Er war noch lange die letzte Instanz im Salon“, sagt der Friseurmeister. Was nicht immer nur für Harmonie zwischen Vater und Sohn sorgte. Vielleicht war es aber auch eben jene Willenskraft, die Johann Wolf ein langes und gesundes Leben bescherte. Ende November ist er nun im Alter von 99 Jahren gestorben.

In Miesbach war Wolf unter dem Vornamen John bekannt. Ein Relikt aus seiner Zeit in der englischen Kriegsgefangenschaft. Von Kindheit an war der Miesbacher im elterlichen Geschäft tätig, das mittlerweile auf eine gut 100-jährige Tradition zurückblickt. Nach dem Krieg heiratete er seine Frau Marie, ebenfalls Friseurin. Mit dem Meistertitel in der Tasche war er bereit, in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten.

Doch auch sein Vater war bis zu seinem Tod 1964 allgegenwärtig im Salon. Gemeinsam bauten sie das Geschäft immer weiter aus. Neben Herren- und Damenhaarschnitten boten sie auch Drogerieartikel an. Die Freude an seiner Arbeit half Wolf auch, den tragischen Unfalltod seiner Tochter Christine im Jahr 1974 zu überwinden.

Als sein Sohn vier Jahre später das Sagen hatte, wurde vieles anders. Der Junior schmiss Trockenhauben und Lockenwickler raus, verbannte die Dauerwelle aus seinem Repertoire, schnitt alte Zöpfe ab. Nicht nur sein Vater, sondern auch die vielen Stammkunden schluckten schwer. „Wir wurden fast boykottiert“, erzählt Hans Wolf. Doch die Auszeichnung als Salon des Jahres 1998 gab ihm Recht. Spätestens da spürte auch der Senior, dass sein Salon in guten Händen ist.

Nach und nach gönnte sich der Unruheständler etwas mehr Freizeit. Er reiste mit seiner Frau quer durch Europa, ging Skifahren und Bergsteigen. Zum Pflichtprogramm gehörte die dienstägliche Turnstunde beim TV Miesbach, die Wolf in 82 Jahren Mitgliedschaft kaum einmal sausen ließ. Mit 85 kaufte er sich neue Ski, mit 90 ein neues Auto. Über die Begründung muss sein Sohn Hans noch heute schmunzeln: „Die Abwrackprämie nehme ich noch mit.“ 

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