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Sanierungspläne: Evangelische Kirchengemeinde braucht mehr Zeit

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Von: Sebastian Grauvogl

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Martin Reents, Betty Mehrer, Pfarrer Erwin Sergel
Wollen nichts überstürzen: (v.l.) Martin Reents, Betty Mehrer und Pfarrer Erwin Sergel arbeiten an einem neuen Plan für die Sanierung und Erweiterung des evangelischen Gemeindehauses in Miesbach. © Archiv Thomas Plettenberg

„Zurück auf Los“ lautet das Motto bei der Sanierung des evangelischen Gemeindehauses in Miesbach. Der erste Entwurf hat nicht voll überzeugt. Der Prozess braucht mehr Zeit, heißt es.

Miesbach – Die Mitsprachemöglichkeit war nicht zu übersehen. Auf prominent platzierten Plakaten konnten die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Miesbach-Hausham den Entwurf für die Sanierung des Gemeindehauses neben der Apostelkirche begutachten – und dazu auch direkt ihre Wünsche und Anregungen in eine Liste eintragen. Die Rückmeldungen waren zahl- und aufschlussreich zugleich. Sie zeigten dem Kirchenvorstand vor allem eines: Der Prozess braucht Zeit. Mehr als gedacht, räumt Pfarrer Erwin Sergel ein. „Wir sind noch mal einen Schritt zurückgegangen in der Planung.“ Es habe sich gezeigt, dass der ursprüngliche Entwurf nicht ausgereicht habe.

Den hatte der Kirchenvorstand vor knapp einem Jahr erstmals öffentlich vorgestellt (wir berichteten). Ausgangspunkt waren unter anderem Mängel bei der Wärmedämmung im Foyer, der Akustik im Saal sowie dem Platzangebot bei den Jugendräumen im Souterrain. In einem ersten Entwurf hatte der Architekt, der das vor 35 Jahren erbaute Gemeindehaus seinerzeit geplant hatte, eine Erweiterung des Verbindungsbaus zwischen Apostelkirche und Saal gezeichnet, wodurch zwei neue Kellerräume entstanden wären. Kosten von rund 800 000 Euro wären laut einer Schätzung angefallen, wobei die evangelische Gemeinde ein Viertel in Eigenleistung hätte stemmen müssen.

Genau dieses Verhältnis zwischen Raumgewinn und Kosten habe aber für Bedenken gesorgt, berichtet Betty Mehrer, die als Vertrauensfrau im Kirchenvorstand sitzt. „Da geht uns die Gemeinde nicht mit.“ Also habe man sich dazu entschlossen, die Planung nochmals neu aufzusetzen. „Wenn wir was in die Hand nehmen, dann soll es für die nächsten 30 Jahre tragfähig sein“, sagt Mehrer.

Damit ist auch klar, dass es mit einer Sanierung nicht getan ist. „Wir sprechen hier von einer Erneuerung der gesamten Gemeinde“, sagt Martin Reents, Vorsitzender des evangelischen Bildungswerks Bad Tölz. Diese habe mit dem schrittweisen Abschied von der Argulakirche in Hausham und der Bündelung der Angebote in Miesbach (wir berichteten) bereits begonnen. Jetzt gelte es, die gestiegenen Anforderungen durch das Plus an Veranstaltungen – gerade im Kinder-, Jugend- und Musikbereich – auch im Gebäude abzubilden. „Da spielen wir in einer ganz anderen Liga“, sagt Reents.

Um die Bedürfnisse zu erfassen, habe man ein Nutzungs- und Raumprogramm erstellt. Nicht nur bestehende Angebote wurden darin aufgenommen, sondern auch solche, die in den kommenden Jahren noch entstehen könnten. „Da ist viel Wachstum drin“, sagt Reents. Auch Nicht-Gemeindemitglieder aus Miesbach und Umgebung würden das vielseitige Programm in Anspruch nehmen.

Die Immobilie, so Reents, sei da eigentlich nur Mittel zum Zweck. Daher habe man entschieden, den Prozess von der Bedürfnisseite her anzugehen. „Die Ergebnisse werden wir dann in die Architektur übersetzen. Einen neuen Zeitplan gebe es noch nicht, sagt Sergel. Fest stehe lediglich, dass der für 2018 avisierte Baubeginn nicht mehr machbar sei. Ziel sei es, in den kommenden Wochen ein neues Konzept vorzulegen. Fachliche Unterstützung wird sich der Kirchenvorstand vom Schlierseer Architekturbüro Wegmann holen.

„Wir werden uns die Zeit geben, die wir brauchen“, sagt Sergel. Eine wertvolle Erkenntnis, findet auch Reents. „Hier wird nicht nur ein Haus erneuert, sondern auch eine neue Gemeinde gebaut.“

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