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Volle Hütte: Im Waitzinger Keller tummelten sich beim Scheinheiligenball bis zu 1800 Besucher. Von 1997 bis 2014 fand die Party im Saal und den Gewölben statt.

Faschingsball kehrt nach zwei Jahren Pause in den Bräuwirt zurück

Kultige Neuauflage: Scheinheiligenball findet wieder statt

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„Zurück zu den Wurzeln“ lautet das Faschings-Motto der Miesbacher Kolpingsfamilie. Nach zwei Jahren Pause lädt sie heuer wieder zum Scheinheiligenball – und das an alter Wirkungsstätte.

Miesbach – Wann es erstmals „scheinheilig“ wurde im Miesbacher Fasching, das kann selbst Michael Griesbeck nicht mehr sagen. „Das war irgendwann in den 70ern oder 80ern“, vermutet der Vorsitzende der Miesbacher Kolpingsfamilie. Und die „Kolperer“ hatten damit auch nichts zu tun. Vielmehr war der Scheinheiligenball eine Idee der Katholischen Jugend – folgerichtig fand er damals auch im Pfarrheim statt. Erst 1989 übernahm die Kolpingsfamilie die Organisation. Wegen dem Irakkrieg fiel der Ball jedoch 1990 gleich wieder aus. In den folgenden 25 Jahren wuchs er dafür zu einer Kultveranstaltung im Miesbacher Fasching heran. Ab 1992 feierten Jung und Alt am Rosenmontag im Gasthof Bräuwirt, ab 1997 aus Platzgründen im Waitzinger Keller.

Zu seiner Wiederauflage nach zweijähriger Pause kehrt der Scheinheiligenball nun am Freitag, 24. Februar, wieder an die alte Wirkungsstätte im Bräuwirt zurück. „Wir wollten es einfach noch mal wissen“, sagt Griesbeck. Dass der Ball 2015 und 2016 ausgefallen ist, liege an den Kosten. Wegen der hohen Saalmiete und der Bewirtungspauschale im Waitzinger Keller habe es 2014 gerade noch so zu einer schwarzen Null in der Endabrechnung gereicht, erklärt der Kolping-Vorsitzende. „Du brauchst 1000 Besucher, damit es sich rentiert.“ Diese Grenze habe man in den letzten Jahren nur noch knapp erreicht.

Um nicht auf einem Defizit sitzen zu bleiben, habe man sich ein Jahr Pause verordnet. Der gleiche Schritt also, den der Miesbacher Trachtenverein 2016 für seine Redoute gewählt hat (wir berichteten). Eigentlich hätte der Scheinheiligenball da bereits wieder stattfinden sollen, doch wegen einer Terminüberschneidung im Bräuwirt kam es nicht dazu.

Heuer steht dem Partyspaß aber nichts mehr im Wege. Das Motto: „Zurück zu den Wurzeln – kleiner und feiner.“ Das gilt in erster Linie für die Besucherzahl. So haben im Bräuwirtsaal maximal 250 Maschkera Platz – im Waitzinger Keller waren es zu Spitzenzeiten mehr als 1800. Bis zu 80 Helfer waren am Start. „Da hat’s auf allen Stockwerken gebrummt“, erinnert sich Griesbeck. Die älteren Gäste tummelten sich in den Gewölben, die jüngeren im Saal. Damit auch die unter 18-Jährigen mitfeiern konnten, bestellte die Kolpingsfamilie zwei Shuttlebusse, die bis nach Gmund, Irschenberg und Aurach fuhren.

Die braucht es heuer nicht mehr. Der Scheinheiligenball ist ab sofort eine Ü25-Party. Der Aufwand für die Kontrollen der Minderjährigen stehe in keinem Verhältnis mehr zu den Einnahmen, erklärt der Kolping-Chef. „Die kommen erst um zehn und müssen dann um Mitternacht schon wieder raus.“ Auch der neue Termin am „Ruaßigen Freitag“ hat seinen Grund. Wegen zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen sei die Besucherzahl am Rosenmontag zuletzt immer weiter zurückgegangen. „Der Freitag ist dagegen eher ruhig“, erklärt Griesbeck.

Trotz einiger Neuerungen bleibt der Scheinheiligenball seinen Wurzeln treu. Mit der Buxom Blues Band, Face Barr Exx sowie DJ Mentis aus dem Auenland ist für eine abwechslungsreiche Beschallung der Gäste gesorgt, und auch die berühmte Bar wird wieder aufgebaut. Wie schon in den 1990er-Jahren kümmern sich die Kolping-Mitglieder um Kartenverkauf, Einlass und Garderobe. Das Wirtshaus-Team sorgt für Essen und Trinken. „Das wird wieder ein gutes Miteinander“, sagt Griesbeck. Eine unangenehme Überraschung erlebten die „Kolperer“ hingegen bei den Sicherheitsauflagen. So mussten sie zwei externe Security-Kräfte und drei Sanitäter engagieren.

Ob die Rechnung heuer aufgeht, kann Griesbeck noch nicht sagen. Dennoch wollte man es der Kolping-Jugend ermöglichen, den Scheinheiligenball wieder zu beleben. „Wir haben es damals auch einfach mal probiert“, sagt der Vorsitzende. Höchste Zeit also, der Kultparty eine zweite Chance zu geben.

Karten

gibt es ab sofort zum Preis von acht Euro bei Tabak Griesbeck und dem Autohaus Pötzinger in Miesbach. An der Abendkasse sind die Tickets um zwei Euro teurer. Los geht’s um 20.30 Uhr.

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