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Unkompliziertes Einschleifen: Ohne Ampel gelangen Autos von der Schlierseer auf die Bayrischzeller Straße / B 472 in Richtung Süden. In Stauphasen bremst dieser Schleichweg den Verkehrsfluss auf der Hauptstraße.

Den Schleichweg in Miesbach dicht machen

So soll der Verkehr auf der B472 schneller werden

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Dauerstau im Berufsverkehr macht die Bayrischzeller Straße in Miesbach zum Horror-Abschnitt für die Autofahrer auf der B 472. Im Stadtrat hat das Staatliche Bauamt Rosenheim nun Maßnahmen vorgestellt, wie der Verkehrsfluss verbessert werden kann: Es sind unpopuläre Maßnahmen.

Autofahrer kennen das Problem: Die Bundesstraße 472 funktioniert in Miesbach wie ein Flaschenhals. Gelangen mehr Fahrzeuge auf die Hauptverkehrsader als abfließen, kommt es zum Rückstau. Und das fast jeden Tag. Um den Verkehrsfluss zu optimieren, hat das Staatliche Bauamt Rosenheim als Baulastträger intern Maßnahmen zur Entzerrung untersuchen lassen, deren Ergebnisse man der Stadt Miesbach vor eineinhalb Jahren auf Verwaltungsebene vorgestellt hatte. Die gewünschte Präsentation im Bauausschuss konnte die Rosenheimer Behörde aus verschiedenen Gründen allerdings erst jetzt durch den zuständigen Gebietsbetreuer Matthias Geitz vornehmen.

Doch an den Rahmenbedingungen hat sich nichts geändert. Wie Geitz erläuterte, seien die Kreuzungen an der Rosenheimer, Carl-Fohr-/Harztal-, Schlierseer und Stöger-Ostin-Straße verkehrstechnisch nicht zu beanstanden. Und dass der Verkehr in Spitzenzeiten schlechter fließt, sei auch normal. Jedoch wird das Problem verschärft durch Zuflüsse aus den Seitenstraßen, die das Abfließen der Autos auf der Bayrischzeller Straße erschweren.

Bestes Beispiel ist die Schlierseer Straße: Über die ampelfreie – im Fachjargon barrierefreie – Rechtsabbiegespur in Richtung Hausham können Autos auf die B 472 gelangen, wenn sich eine Lücke auftut. Dies geht am besten, wenn die Autos auf der Bundesstraße Rot haben. Und dann passiert das Entscheidende: Die Fahrzeuge von der Schlierseer Straße füllen den freien Stauraum auf, in den der wartende Verkehr vor der Ampel bei Grün hineinfließen soll. Ist dieser Raum dicht, stockt der Verkehr.

Um diese Schnellspur, die nicht gerade wenig Autos auf den Schleichweg über den Stadtplatz lockt, zu schließen, schlug Geitz den Mitgliedern des Bauausschusses vor, die Kreuzung umzubauen: Die Rechtsabbiegespur könnte geschlossen und in die Hauptspur, die nach links führt, integriert werden.

Dass sich der Rückstau auf der Schlierseer Straße – mit 24 000 Fahrzeugen pro Tag die am zweitstärksten befahrene Kreuzung des Landkreises – dadurch vergrößern dürfte, bestätigte auch Peter Schiffmann von der Verkehrsbehörde am Landratsamt: „Vielleicht wird es dann aber auf der B 472 besser.“ Denn auch das „Reinfahren-Lassen aus Nettigkeit“ begünstige den Rückstau. Die Folge formulierte Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) so: „Das wäre dann positiv für die Durchfahrer und negativ für die Miesbacher.“

Ähnlich bewertete er die für die Stöger-Ostin-Straße angedachte Maßnahme, den grünen Rechtsabbiegepfeil zu entfernen. Laut Geitz kommt nämlich dort sowie an der Einmündung Harztalstraße der Effekt hinzu, dass bei Rot abbiegende Autos die Ampelschaltung auf Grün auslösen, obwohl sie dies gar nicht bräuchten. Die Folge: ein unnötiges Abwürgen des Verkehrsflusses auf der B 472.

An der Kreuzung Rosenheimer Straße ist die Ampelschaltung, die durch Induktionsschleifen die Verkehrsdichte erkennen und darauf reagieren soll, laut Geitz ausbaufähig. Sorgen bereite jedoch die hohe Unfallgefahr, dass Linksabbieger querende Fußgänger übersehen. Um dies zu verhindern, ist angedacht, die Zwei-Phasen-Schaltung auf vier auszubauen, sodass Linksabbieger eine eigene Grünphase haben.

Bei den Ausschussmitgliedern stießen die Anregungen nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. Stefan Griesbeck (CSU) würde nur ungern auf die grünen Pfeile verzichten, und auch Fertl gewichtet die Priorität von Miesbachern auf Seitenstraßen höher. „Das Reindrücken auf die B 472 gehört unterbunden“, machte Geitz aber deutlich. Auf Nachfrage erteilte er weiteren Kreisverkehren eine Absage: „Wir haben das durchgerechnet – die Ampeln sind effektiver.“

Wie Miesbachs finanzielle Beteiligung bei einer Umsetzung dieser Maßnahmen aussieht – die Stadt trägt die Baulast auf Ortsstraßen, das Staatliche Bauamt für Bundes- und Staatsstraßen –, konnte Geitz nicht beziffern. Der Bauausschuss will über Maßnahmen im kommenden Jahr beraten.

ddy

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