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Ärger im Kreistag: Preysing poltert gegen Touristiker - und kassiert Konter aus eigenen Reihen

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Von: Sebastian Grauvogl

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Wanderweg, Schilder, Flyer
Plötzlich Hotspot: der Weg von der Krugalm zur Karolinenhöhe und Steinwiese oberhalb von Fischbachau. © Thomas Plettenberg

„Griabige Platzerl“ abseits bekannter Hotspots entdecken: Dafür werben die Touristiker im Landkreis, um Ausflügler und Urlauber besser zu verteilen. Doch das gefällt nicht jedem.

Landkreis – Picknick-Decken auf einer für ihre Artenvielfalt preisgekrönten Wiese: Brigitta Regauer (CSU) war einigermaßen fassungslos, als ihr die Eigentümer der Steinwiese an der Karolinenhöhe oberhalb von Fischbachau von den jüngsten Entwicklungen im saftigen Grün berichteten. Die Ursache des plötzlichen Andrangs war schnell gefunden. Die Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS) hatte in ihrem neuen Flyer „Griabige Platzerl“ für entspannten Urlaub in Corona-Zeiten für die Wanderung vom Krugalmweg auf die zwei Hektar große Wiese geworben. Die Grundeigentümer hätten davon nichts gewusst, kritisierte Regauer. „So funktioniert das nicht.“

Georg von Preysing (CSU) übt harte Personalkritik

ATS-Vorstand Harald Gmeiner konnte den Ärger nicht recht nachvollziehen. „Das ist ein ausgeschilderter Wanderweg“, sagte er – damit könne man ihn auch im Tourenportal vorstellen. Ein Stichwort, auf das Georg von Preysing (CSU) gewartet hatte. „Ihr könnt nicht einfach überall gelbe Schilder aufstellen“, polterte der frühere Gmunder Bürgermeister. Im Zorn forderte er sogar personelle Konsequenzen bei der ATS.

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Die kurze Sprachlosigkeit der Kreisräte ob der unerwarteten Wutrede ihres Kollegen brach schließlich ein anderer ehemaliger CSU-Bürgermeister: Josef Lechner aus Fischbachau. Die ATS spreche jeden einzelnen Wegweiser mit den Gemeinden ab. „Wenn du das nicht mitbekommen hast, dann hast du nicht richtig aufgepasst“, bremste Lechner Preysing ein. Die harten Worte zu den personellen Konsequenzen seien „unterste Kante“. „Geh lieber auf die Alm“, schoss Lechner in Richtung Preysing.

Landrat Olaf von Löwis (CSU) versuchte, das Gremium mit diplomatischen Worten wieder zum eigentlichen Tagesordnungspunkt, der verstärkten Kooperation zwischen ATS und der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach, zurückzuführen. „Man sieht, wie emotional das Thema ist“, sagte Löwis in Bezug auf den immer weiter zunehmenden Freizeitdruck in der Region. Umso wichtiger sei es, das vorhandene Know-How der beiden Landkreis-Organisationen zusammenzuführen.

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Der Forderung Anastasia Stadlers (CSU), ATS, SMG und auch die Tegernseer Tal Tourismus (TTT) GmbH auf Doppel- und Dreifachstrukturen zu durchleuchten und so Kosten einzusparen, werde man nachkommen, versicherte Löwis. Er führe gerade intensive Gespräche, um Rationalisierungsmöglichkeiten zu prüfen. „Ich möchte nicht beschönigen, dass es Verbesserungsmöglichkeiten gibt“, sagte der Landrat. Mindestens genauso entscheidend sei aber, weiter an Lösungen zur Kanalisierung und Lenkung der Urlauber- und Ausflüglermassen zu arbeiten.

Autofreier Sonntag im Landkreis Miesbach?

Die Kreisräte warfen dafür ein paar Vorschläge in den Raum. Während Karl Bär (Grüne) einen landkreisweiten autofreien Sonntag einbrachte, forderte Maria Dießl (CSU) gar einen Entwicklungsstopp bei Wohnen und Gewerbe im nahen München. „Wir müssen versuchen, auf die Landeshauptstadt einzuwirken“, sagte sie. SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid warnte vor einer solchen Strategie des „Wegschiebens“. Corona sei nur ein Warnschuss für einen „krassen Strukturwandel“ gewesen, der auch den Landkreis erfassen werde. Wenn man sich nun einen Stillstand verordne, stehe man in zehn Jahren nicht mehr so gut da wie jetzt.

Paul Fertl (SPD) riet seinen Kreistagskollegen, „allen Grips“ zusammenzunehmen und nicht nur an den Symptomen, sondern an den Ursachen zu arbeiten. „Es muss uns klar sein, dass wir München auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind“, sagte Fertl. Umso bedeutsamer sei es, vor Ort in die Tiefe zu gehen und etwa an einem übergreifenden Mobilitätskonzept zu arbeiten.

Versöhnliche Worte fand am Schluss auch Preysing noch. Er entschuldige sich für seinen persönlichen Angriff auf die ATS. Mit deren Aussage, man müsse auch Jägersteige in die Beschilderung einbeziehen, weil normale Wege „zu langweilig“ seien, könne er trotzdem nichts anfangen. Er werde dies aber gern mal in einem Gespräch mit der ATS erläutern, so Preysing. „Setzen wir uns einfach mal zusammen.“

sg

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