Ein beliebtes Ausflugsziel ist die Rotwand. Hier weisen Schilder bereits auf Schongebiete hin und mahnen zur Rücksichtnahme. Doch nicht alle Erholungssuchenden interessiert das.
+
Ein beliebtes Ausflugsziel ist die Rotwand. Hier weisen Schilder bereits auf Schongebiete hin und mahnen zur Rücksichtnahme. Doch nicht alle Erholungssuchenden interessiert das.

„Kaum mehr kontrollierbar“

Alpen-Touristen sorgen für Ärger: Lage droht zu eskalieren - Ranger sollen jetzt hart durchgreifen

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
    schließen

Immer mehr Touristen in den bayerischen Bergen benehmen sich daneben. Zwei Ranger sollen nun gezielt durchgreifen.

  • Der Druck auf den Landkreis Miesbach als Erholungsregion hat massiv zugenommen
  • Ehrenamtliche Naturschutzwächter geraten wegen mangelnder Befugnisse an ihre Grenzen
  • Der Landkreis will künftig zwei Ranger beschäftigen, um Grenzen aufzuzeigen
  • Unsere brandneuen Regional-Newsletter für Miesbach, Holzkirchen beziehungsweise Tegernsee informieren Sie regelmäßig über alles Wichtige.

Landkreis ‒ Die Botschaft der Kreisverwaltung in der Sitzung des Umweltausschusses war deutlich. Trotz oder gerade wegen der Corona-Krise habe der Druck auf den Landkreis als Erholungsregion massiv zugenommen. Die Beschwerden und verzweifelten Anrufe beim Landratsamt häuften sich. „Mit Kommunikation kommen wir inzwischen nicht mehr weiter“, machte Teamleiter Josef Faas von der Fachstelle Naturschutz deutlich. „Unser Gebietsbetreuer und die ehrenamtlichen Naturschutzwächter stoßen bei ihren Einsätzen in den Bergen an ihre Grenzen.“ Der Grund: Sie können nur ermahnen und aufklären, Personalien aufnehmen oder gar Bußgelder aussprechen dürfen sie nicht.

Schliersee: Ärger mit Berg-Touristen - Einführung der Ranger aus Sicht des Landrats unabdingbar

Das sollen künftig zwei sogenannte Ranger übernehmen. „Bei der Größe des Gebiets ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, gestand Faas. „Aber die Ranger können gezielt Nadelstiche setzen.“ Landrat Olaf von Löwis (CSU) richtete den dringenden Appell an die Mitglieder des Umweltausschusses, den Weg für die beiden Vollzeitstellen freizumachen. „Es kann nur ein erster Schritt sein, aber wir müssen ihn gehen“, betonte er. „Es geht jetzt auch ums Tempo.“

Berg-Touristen an Schliersee und Tegernsee sorgen für Ärger: „Lage kaum mehr kontrollierbar“

Die Leiter der drei Polizeiinspektionen im Landkreis, die an der Sitzung teilnehmen, untermauerten die Problematik. „Die Lage ist kaum mehr kontrollierbar“, sagte Katharina Schreiber aus Miesbach. Es werde weiter eskalieren, bestätigte ihr Wiesseer Amtskollege Thomas Heinrich, der umfangreiche Rechte für die Ranger für zwingend erforderlich hielt: „Die müssen schon was dürfen.“ Johann Brandhuber aus Holzkirchen berichtete aus seiner Zeit in Bad Tölz von einem guten Zusammenspiel mit den dortigen Rangern. Die Unterstützung durch die Polizei habe im Bedarfsfall immer gut funktioniert.

Umwelt und Natur durch Alpen-Touristen geschädigt: Besserung durch Ranger wird erwartet

Die Haltung im Umweltausschuss war deutlich. „Wir müssen in den Bergen wieder halbwegs geordnete Verhältnisse hinbringen“, stellte Paul Fertl (SPD) klar. Den Leuten müssten klare Grenzen aufgezeigt werden, bestätigte Martin Rosenberger (FW). Von einem „wichtigen Signal nach außen“ sprach Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU). Der Einsatz der Ranger werde sich herumsprechen: „Wir werden nach kurzer Zeit merken, dass es besser wird.“

Robert Wiechmann (Grüne) forderte in diesem Zusammenhang, die Landschaftsschutzverordnung, die derzeit überarbeitet wird, um einen Katalog mit hohen Bußgeldern bei Verstößen in der Natur zu ergänzen. Um Erfolg zu haben, brauche es bessere Sanktionsmöglichkeiten. „Wenn es plötzlich um 150 Euro geht, hat das auch Wirkung“, bestätigte Fraktionskollege Gerhard Waas. Es funktioniere, so Kristina Roedel (ÖDP), nur über den Geldbeutel.

Debatte um Ranger gegen Berg-Touristen: Mountainbiker im Visier

In der Debatte richtete sich der Fokus früh auf die Mountainbiker. So gab Fertl zu bedenken, dass die Ranger nur ein Teil der Lösung sein könnten. Auf der anderen Seite müsse man den Sportlern und Erholungssuchenden auch Alternativangebote unterbreiten, etwa durch die Ausweisung von Trails. Sowohl Naturschutz-Sachbearbeiter Faas als auch die Grünen widersprachen. „Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Menschen anzulocken“, sagte Faas. Und Wiechmann stellte klar, dass Trails im Wald schlichtweg verboten seien. Fraktionskollege Waas verwies auf das hervorragende Forststraßennetz, das Radfahrer benutzen könnten: „Da sind wir top aufgestellt.“

Probleme mit Alpen-Touristen im Landkreis Miesbach: Problem nicht nur die Mountainbiker

Nicht nur die Mountainbiker ins Visier zu nehmen, riet die Miesbacher Inspektionsleiterin Schreiber. „Es geht um so vieles mehr“, sagte sie und nannte als ein Beispiel verbotene Drohnenflüge im Naturschutzgebiet. Auch unter Campern, Reitern oder Wanderern komme es zu Verstößen. Es gab sogar schon Handgreiflichkeiten gegenüber dem Gebietsbetreuer. „Die Menschen sind zu egozentrisch geworden“, befand Marlene Hupfauer (FWG). Es sei auch an der Zeit, das Thema Natur und Umwelt schon in den Schulen wieder in die Köpfe der Menschen zu bekommen.

Ranger gegen Alpen-Touristen: Jährliche Kosten von 160.000 Euro

Gegen die Stimme von Johann Hacklinger (CSU), der in den Rangern nur ein Symbol sah, das viel Geld koste, beauftragte der Umweltausschuss die Verwaltung, die Schaffung der beiden Stellen in die Haushaltsplanung aufzunehmen. Die Ausgaben belaufen sich auf rund 160 000 Euro pro Jahr. Nach dem Willen des Landrats sollen die Ranger dauerhaft zum Einsatz kommen, auch wenn Leonhard Obermüller (CSU) zunächst eine Befristung und regelmäßige Erfahrungsberichte im Kreistag anregte. Löwis: „Die Befristung schließt bei den Bewerbungen einen großen Interessentenkreis aus.“

sh

Lesen Sie auch, warum sich Thorsten Schär, Geschäftsleiter der Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS) gegen Sperrzonen für Mountainbiker ausspricht. Und welche Aufgaben die ehrenamtlichen Ranger in Bayrischzell haben.

Auch interessant

Kommentare