Wallbergbahn, Peter Lorenz
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Fühlt sich gut gerüstet: Peter Lorenz, unter anderem Geschäftsführer der Wallbergbahnen GmbH, freut sich, dass die Kabinen in Rottach-Egern bald wieder nach oben schweben dürfen.

Bergbahnen rüsten sich für Andrang

Mehr Luft in den Gondeln: Seilbahnen bereit für Corona-Betrieb

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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  • Gabi Werner
    Gabi Werner
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In der Gondel ist Abstandhalten schwierig. Dennoch dürfen die Bergbahnen in Schliersee und im Tegernseer Tal trotz Corona wieder fahren. Und sie sind gut vorbereitet.

Landkreis – Sie wurden gebaut, um möglichst viele Leute auf engem Raum auf den Berg zu befördern: Seilbahngondeln sind – vorsichtig ausgedrückt – nicht für die Einhaltung von Abstandsregeln während einer Pandemie ausgelegt. Dennoch dürfen die Transportmittel in luftiger Höhe ab diesem Samstag wieder den Betrieb aufnehmen. Wie sich die Betreiber vorbereitet haben, um Passagiere und Mitarbeiter vor einer Infektion mit demCoronavirus zu schützen, haben wir hier zusammengefasst.

Wendelsteinbahn

Eine Auslastung von maximal 35 Prozent empfehle der Deutsche Seilbahnverband für Großraumgondeln während der Corona-Pandemie, berichtet Claudia Steimle, Pressesprecherin der Wendelsteinbahn. Würde für die Seilbahn von Osterhofen aus bedeuten: nur 17 statt 50 Fahrgäste. Selbst bei Abfahrten im Zehn-Minuten-Takt wären Warteschlangen zu den Stoßzeiten kaum zu vermeiden, sagt Steimle. Und was, wenn die Leute erst alle oben sind und dann auch noch eine kaum abschätzbare Zahl an Wanderern zu Fuß den Wendelstein stürmt?

Um den Andrang auf der Bergterrasse und in der Gastronomie zu begrenzen hat die Wendelsteinbahn entschieden, vorerst nur die Zahnradbahn ab Brannenburg wieder laufen zu lassen. Auch hier allerdings in reduzierter Form. 80 statt 130 Sitzplätze müssen pro Fahrt genügen. In den öffentlichen Bereichen der Bahn bestehe für Fahrgäste ab sechs Jahren Maskenpflicht, berichtet Steimle. Im Panoramarestaurant habe nur der Selbstbedienungsbereich geöffnet. Die Schauhöhle bleibe geschlossen. Wenig verwunderlich bei den engen Gängen im Bauch des Bergs.

Schliersbergalm

Zehn Personen haben normalerweise in den beiden Gondeln der Seilbahn zur Schliersbergalm Platz. Wegen der Enge dürfte eigentlich nur ein Haushalt pro Fahrt einsteigen, erklärt Betreiber Ingo Bauer. Nicht auszudenken, welche Wartezeiten das an einem sonnigen Tag am Wochenende bedeuten würde. Um die Kapazitäten zu verdoppeln, hat Bauer Plexiglas-Scheiben in die Gondeln einbauen lassen. „Bei Bedarf fahren wir auch durchgehend“, betont er. Zurück ins Tal können die Gäste seit Montag auch wieder die Sommerrodelbahn nehmen. Auch die hat Bauer Corona-tauglich aufgerüstet: mit einer Extra-Wartelinie und einer automatischen Schlittenausgabe. Auf der Terrasse des Restaurants hat das Schliersbergalm-Team ferner die Tischabstände vergrößert.

Der Plan für den Bau eines Aussichtsturms, den Bauer eigentlich schon 2019 umsetzen wollte, liegt trotz vorliegender Genehmigung aktuell auf Eis – auch wegen der Pandemie: „Er hätte nur eine Treppe und keinen getrennten Ein- und Ausgang.“

Wallbergbahn

Nur vier Personen haben jeweils Platz in den Gondeln der Wallbergbahn in Rottach-Egern. Klar ist deshalb: Nur Mitglieder ein- und derselben Familie dürfen zusammen in einer Kabine nach oben schweben. „Wenn einer allein kommt, fährt er auch allein“, erklärt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Wallbergbahnen GmbH. So oder so herrscht in den Gondeln Maskenpflicht.

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Um in den Ferien und an schönen Ausflugstagen die Wartezeiten so gering wie möglich zu halten, „werden wir alle Kabinen einhängen und die größtmögliche Geschwindigkeit fahren“, kündigt Lorenz an. Allzu bange ist dem Geschäftsführer nicht: Man arbeite nach dem Hygienekonzept des Deutschen Seilbahnverbands und sei gut vorbereitet. „Wir hätten schon vier Wochen früher anfangen können.“ So habe man bei der Wallbergbahn beispielsweise Zu- und Abgänge getrennt, damit sich die Leute so wenig wie möglich begegneten, berichtet Lorenz. Und die Mitarbeiter seien angehalten, penibel auf die Sauberkeit zu achten. „Wir haben literweise Desinfektionsmittel gekauft.“

Spitzingsee-Bahnen

Die gleichen Regeln wie bei der Wallbergbahn gelten für die Taubenstein-Kabinenbahn in Schliersee – auch hier ist Peter Lorenz als Geschäftsführer der Alpenbahnen Spitzingsee GmbH der zuständige Mann. Die Gondeln sind ebenfalls auf maximal vier Personen ausgerichtet. Warteschlangen könnten in Corona-Zeiten schon mal vorkommen, sagt Lorenz. Notfalls werde man Personal bereit stellen, das die Passagiere einweist.

Weniger Bedenken hat der Geschäftsführer da bei der Stümpfling-Vierer-Sesselbahn, die ebenfalls am Samstag wieder in Betrieb gehen darf – inklusive Mountaincartstrecke. Wenn jeweils zwei Personen in den äußersten Sesseln Platz nehmen, könnten diese den geforderten Sicherheitsabstand von 1,50 Metern gut einhalten. „Da gibt es gar kein Problem mit der Förderkapazität“, erklärt Lorenz und hofft auf die Vernunft der Leute.

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