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Thorsten Schär ist Geschäftsleiter der ATS.

Modellregion Naturtourismus verfolgt anderen Ansatz

CSU will Mountainbiker aussperren - Touristiker hält davon nichts

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Sperrzonen für Mountainbiker in den Alpen? Die CSU Oberbayern fordert dies. Die Alpenregion Tegernsee-Schliersee hält davon nichts. Sie verfolgt einen anderen Ansatz.

Landkreis – Es klingt nach Konfliktlösung mit der Brechstange: Um den Tourismus in den Alpen nachhaltiger zu gestalten, hat die CSU Oberbayern in einem Leitantrag Sperrzonen für Mountain- und E-Biker gefordert. Genau den umgekehrten Ansatz – Lenken und Aufklären statt Aussperren und Ahnden – verfolgt die Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS) im Rahmen des Förderprojekts Modellregion Naturtourismus. Wir haben bei Geschäftsleiter Thorsten Schär nachgefragt, ob der harte Kurs der CSU nicht doch schneller ans Ziel führt.

Herr Schär, während Sie Besucher zählen und Flyer entwerfen, will die CSU kurzen Prozess machen mit den Radlern am Berg. Fühlen Sie sich überrannt?

Thorsten Schär: Ich sehe den Antrag auf jeden Fall kritisch. Die Modellregion Naturtourismus, die das Umweltministerium 2017 initiiert hat, verfolgt genau den anderen Weg. Zuerst analysieren, wo es Probleme gibt, dann die Besucher aufklären, lenken oder ihnen Alternativen aufzeigen. Der erhobene Zeigefinger kommt erst, wenn alles andere nichts gebracht hat.

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Aber ist ein klares Signal nicht manchmal besser?

Thorsten Schär: In Einzelfällen kann das schon so sein. Aber nicht pauschal für ganze Gebiete. Obendrein bleibt ja noch die Frage, wie man die Einhaltung der Verbote überhaupt überwachen und Verstöße ahnden kann. Im schlimmsten Fall kann eine Sperrung einen Weg sogar noch interessanter für eine bestimmte Zielgruppe machen. Dann hat man genau den gegenteiligen Effekt.

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Wie sieht es denn mit den Projekten der Modellregion im Landkreis aus?

Thorsten Schär: Gut. Die Phase der Datenerhebung an Rotwand und Taubenberg ist abgeschlossen. Am Hirschberg ist unsere Zählanlage leider im Schnee verschwunden – obwohl wir sie extra auf drei Metern Höhe montiert hatten. In den kommenden Wochen werden wir nun die Ergebnisse auswerten und sie Ende Juli bei der zweiten Naturtourismustagung vorstellen. Dann entscheiden wir, welche Projekte wir verstärkt weiterführen und welche nicht.

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Einen Monat später läuft dann ja auch die Förderperiode aus. Das Ende der Modellregion?

Thorsten Schär: Nein. Projekte im naturnahen Tourismus wird es weiter geben. Die Finanzierung läuft dann eben über die ATS. Zusammen mit den 10 000 Euro, die uns der Landkreis zur Verfügung gestellt hat, können wir auf jeden Fall bis Jahresende weitermachen. Und ich hoffe, dass wir auch für die Folgejahre eine Finanzierungsmöglichkeit finden. Der Weg, den wir eingeschlagen haben, mag manchem lang erscheinen. Aber das Ziel, das uns da erwartet, ist es wert.

Nun hat es eine Auseinandersetzung zwischen einem Mountainbiker und einem Wanderer gegeben. Der Wanderer sei unvermittelt auf den Radfahrer losgegangen, heißt es. Umden Vorfall aufzuklären, hoffen die Behörden auf Hinweise aus der Bevölkerung.

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