Verhandlung wird fortgesetzt

Schlierseer von eigener Angestellten angezeigt: Kinderpornos auf drei Geräten gefunden

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Vor dem Amtsgericht Miesbach landete nun ein Schlierseer. Auf drei Geräten waren bei ihm kinderpornografische Schriften sichergestellt worden. Angezeigt hatte ihn seine damalige Angestellte.

Schliersee/Miesbach – Über 1700 Fotos und rund 120 Videos mit einer Laufzeit von ungefähr neun Stunden – allesamt mit kinderpornografischem Inhalt: Das Material, das auf Laptop, PC und einer externen Festplatte im Büro des Beherbergungsbetriebs eines Schlierseers gefunden worden war, brachte den Mann nun vor das Amtsgericht Miesbach. Wie die kinderpornografischen Schriften tatsächlich auf die Geräte kamen und ob sie dem Schlierseer gehören, konnte am ersten Verhandlungstag nicht geklärt werden.

Angezeigt wurde der Gastronom Ende 2017 von einer seiner damaligen Angestellten. Sie habe den Mann zwei Mal dabei erwischt, wie er sich in seinem Büro am Bildschirm zunächst ein nacktes Baby, dann eine junge nackte Frau angesehen haben soll.

Im Dezember 2017 stellte die Kriminalpolizei dann die Geräte sicher und sichtete gleich vor Ort die Inhalte auf dem PC. Zeitgleich wurde der Angeklagte vernommen. „Ich habe keine solchen Bilder auf meinem Computer“, sagte der Schlierseer nach Angaben des Kripo-Beamten, der als Zeuge geladen war, damals. Er habe lediglich zugegeben, dass es sexuelles Material mit Erwachsenen auf dem Gerät gebe. Die Polizei hatte auch herausgefunden, dass es bereits ähnliche Ermittlungen in anderen Landkreisen gegen den Mann gegeben hatte. Vor Gericht schwieg der Angeklagte über die gesamte Verhandlung hinweg.

Mehr Auskunft gab der Sohn des Angeklagten, der als erster Zeuge aufgerufen wurde. Der junge Mann arbeitet im Betrieb seines Vaters, kümmert sich seit Kurzem vor allem um die IT und Statistik. Das Wissen seines Vaters in Sachen Computer sei dagegen eher laienhaft. Weswegen es in der Zeit, in der sich der Sohn noch nicht mit der IT auseinandersetzte, wohl immer wieder Komplikationen gab.

Der Sohn berichtete vor Gericht von mehreren Hackerangriffen. „Das zieht sich auch bis heute“, sagte er. Außerdem erzählte er davon, dass sein Vater und er schon häufig Festplatten und andere Datenträger von Gästen bekommen hätten, die Fotos ihres Betriebs und der Umgebung gemacht hatten. „Erst später, als ich mich näher mit IT auseinandergesetzt habe, hab’ ich meinem Vater gesagt, dass es keine gute Idee ist, von fremden Speichermedien was draufzuziehen“, sagte er im Zeugenstand, „vor allem auch wegen möglicher Viren.“

Die Frage, ob er seinen Vater jemals dabei beobachtet habe, wie er sich kinderpornografische Bilder ansah, verneinte der Sohn. Und ging dabei sogar noch weiter: „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er sich Zugang zu solchen Bildern verschaffen kann.“ Bei dieser Aussage platzte Richter Walter Leitner aber fast der Kragen: „Verkaufen Sie uns nicht für blöd, das geht mittlerweile auf jeder normalen Internetseite.“

Der Sohn erzählte auch von einem Defekt des Laptops, woraufhin mehrere Gäste versucht hätten, bei der Reparatur zu helfen. Es habe auch ein paar Fälle gegeben, in denen es Gästen erlaubt wurde, den Laptop privat zu nutzen. Die PCs, von denen einer im Jahr 2015 gebraucht angeschafft worden war, seien zudem nicht passwortgeschützt gewesen. „Auch das war leichtsinnig“, gab der Sohn zu.

Weil die Zeugin, die den Schlierseer damals angezeigt hatte, die Verhandlung scheinbar vergessen hatte, musste diese über eine Stunde unterbrochen werden. Richter Leitner forderte die Frau telefonisch erneut auf, ins Gericht zu kommen. Die Angestellte arbeitete eine Sommersaison lang bei dem Gastronom. Nachdem sie ihn zwei Mal in seinem Büro überrascht hatte, sei der Angeklagte erschrocken gewesen, sagte sie nun vor Gericht aus. Sie habe das Gefühl gehabt, dass ihn ein schlechtes Gewissen plagte.

Doch während der Gerichtsverhandlung machte sie immer wieder leicht widersprüchliche Angaben. „Ich weiß es nicht mehr genau“, sagte sie etwas genervt, als es darum ging, was genau auf den Fotos zu sehen war. Der Verteidiger forderte sie auf, vernünftige Angaben zu machen, und erinnerte sie an den Ernst der Lage. Doch auch darauf antwortete die Bayrischzellerin: „Ach, ich weiß es nicht mehr. Nach eineinhalb Jahren soll ich das noch alles wissen?“ Der Verteidiger des Schlierseers wiederum konterte: „Also ich würde so ein Bild nicht mehr vergessen.“

Auch der Computersachverständige, der von der Staatsanwaltschaft beauftragt worden war, konnte nicht mehr zur Klärung des Sachverhalts beitragen. In einer Fortsetzung der Verhandlung sollen nun eine weitere ehemalige Angestellte des Gastronoms als Zeugin aussagen sowie die Ermittlungsunterlagen der früheren Fälle gesichtet werden.

Gleich mehrere ähnliche Fälle gab es im vergangenen Jahr

Vor dem Miesbacher Schöffengericht landete ein Holzkirchner, bei dem 14 Stunden kinderpornographisches Videomaterial gefunden worden war. Er selbst bezeichnete sein Verhalten als Sucht. 

Weil unter seiner IP-Adresse große Mengen an kinderpornografischem Material ins Internet gestellt wurden, sah sich auch ein Wiesseer mit schlimmen Vorwürfen konfrontiert. Die Verhandlung am Miesbacher Amtsgericht endete für ihn mit einem Freispruch. 

Ein erschütternder Fall beschäftigte auch die Kripo Miesbach: Ein Mann aus dem Landkreis soll seine eigene kleine Tochter über knapp zwei Jahre schwer sexuell missbraucht haben. Der 27-Jährige sitzt in Untersuchungshaft.

Rubriklistenbild: © PLETTENBERG THOMAS

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