+
Wer fahren will, muss schaufeln: Die großen Schneemengen – hier ein Bild aus Kreuth – stellen Arbeitnehmer und Berufspendler in diesen Tagen vor Probleme.

Sondereinsätze, Home-Office, Fahrgemeinschaften

Schneechaos: Firmen im Landkreis loben großes Engagement ihrer Mitarbeiter

  • schließen

Der Verkehr im Landkreis ist im Schnee-Wahnsinn fast zum Erliegen gekommen. Aber wie kommen die Leute in die Arbeit? Wir haben uns bei den Firmen umgehört.

Landkreis – Normalerweise stehen sie an den Maschinen, in diesen Tagen sind sie mit Fräsen und Schaufeln unterwegs. Rund 50 Mitarbeiter hat die Papierfabrik Louisenthal in Gmund aus der Produktion abgezogen, damit sie die Schneeräumarbeiten auf dem Firmengelände und den insgesamt gut 6000 Quadratmeter großen Flachdächern unterstützen, berichtet Dr. Alfred Kraxenberger, Geschäftsführer F&E und Operations. Die Werksfeuerwehr mit rund 30 Mann koordiniere die Arbeiten.

Spätestens seit dem frühen Donnerstagmorgen ist der Katastrophenfall im Landkreis auch in der Arbeitswelt angekommen. Gleich mehrere Hürden hatten die Beschäftigten auf dem Weg in ihren Betrieb zu bewältigen. Erst das Auto aus dem Schnee ausgraben, und dann noch mit Schritttempo über die glatten Straßen kriechen. Auf Seiten der Arbeitgeber gibt es aber viel Verständnis – und Lob.

Lesen Sie auch: Katastrophenfall: BOB fährt „in den nächsten Tagen“ nicht - Sudelfeldstrecke bis morgen gesperrt

„Alle leisten hier einen tollen Job“, schwärmt Kraxenberger. Damit meint er vor allem auch die in der Fertigung verbliebenen Kollegen, die unter erhöhtem Einsatz den Betrieb der Papierfabrik aufrechterhalten würden. Am Dienstag habe man einen lokalen Krisenstab gebildet und Notfallmaßnahmen eingeleitet. Beispielsweise wurde der Lieferverkehr auf das Nötigste reduziert, da sich an der schmalen Zufahrtsstraße an der Mangfall die Schneemassen türmen.

Entspannter ist die Lage bei Sandoz-Hexal in Holzkirchen. „Produktion und Labor laufen normal“, sagt Pressesprecherin Katja Minak. Sie selbst arbeitet in München daheim im Home-Office. Auch viele ihrer Kollegen in der Verwaltung hätten diese freiwillige Option gewählt. Dank Gleitzeit hätten Mitarbeiter auch die Möglichkeit, Überstunden abzubauen und so einen freien Tag zu nehmen. „Das bleibt jedem selbst überlassen“, sagt Minak.

Ähnlich die Situation bei OPED in Valley/Oberlaindern. Etliche Mitarbeiter würden wegen des Schneetreibens im Home-Office arbeiten, manche hätten sich auch gleich frei genommen - zum Beispiel die Azubis, berichtet Angelika Ullmann, zuständig für Marketingkommunikation und PR bei OPED. Überstundenabbau oder Urlaub würden abteilungsspezifisch geregelt, der Betrieb laufe aber normal. Schwierig seien aber manche Lieferungen wegen hängen gebliebener Lkw.

Der Segen der modernen Arbeitstechnik kommt auch den Angestellten der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee zugute. Dank der neuen Telefon- und Computertechnik sei jeder unter seinen Kontaktdaten erreichbar – egal, in welcher Geschäftsstelle er sitzt, erklärt Pressesprecher Peter-Friedrich Sieben. Damit könnten die Mitarbeiter einfach in die für sie nächst gelegene Filiale fahren. Manche hätten sogar in Eigeninitiative Fahrgemeinschaften in Allrad-Autos gebildet, lobt Sieben. Es sei aber auch kein Problem, wenn sich jemand verspäte oder ganz zuhause bleibe. „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter geht natürlich vor.“

Lesen Sie auch: Schnee-Chaos: Bilder vom Katastrophen-Landkreis Miesbach

Dafür sagt Bräustüberl-Chef Peter Hubert sogar seinen Gästen ab. Seit Dienstag schließt der Gastronomie-Betrieb abends schon um 21 bis 21.30 Uhr. Damit seine Leute alle sicher nach Hause kommen. Viele würden auch gar nicht erst zum Dienst kommen. „Wir arbeiten nur mit einem Viertel des normalen Personalstamms“, berichtet Hubert. Deshalb hätten er und sein Team viele Reservierungen storniert. Das Verständnis der betroffenen Gäste sei aber groß.

Kulant zeigt sich auch das Hotel Das Tegernsee. „Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiter stehen an oberster Stelle“, sagt PR-Managerin Verena Kranz. Bei diesen Wetterbedingungen komme es nicht auf die Minute an. Sollte die Anfahrt gar nicht möglich sein, könne man auch von zuhause aus arbeiten - wenn es die jeweilige Position des Mitarbeiters zulässt. Manche Kollegen würden auch Fahrgemeinschaften bilden. Am besten hätten es diejenigen, die im hoteleigenen Personalhaus wohnen würden. Ein Lob hat Kranz auch für das Technikteam des Hauses. „Die Kollegen leisten großartige Arbeit.“ Sie würden im Dauereinsatz dafür sorgen, dass die Gäste und Angestellten alle Außenwege sicher passieren können.

Keinen Betreuungsengpass müssen die Patienten des Kreiskrankenhauses Agatharied fürchten. Wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt, seien bis auf einzelne Verspätungen alle Ärzte und Pflegekräfte pünktlich zum Dienst erschienen. Wer nicht mehr nach Hause fahren will, kann sich in eines der 35 bereitgestellten Betten legen.

Auch der Leiter des Alten- und Pflegeheims St. Elisabeth in Neuhaus, Martin A. Grass, spricht seinen Mitarbeitern ein Kompliment aus. Wegen der Probleme bei den öffentlichen Verkehrsmitteln hätten sich viele von ihnen spontan zur Fahrgemeinschaften zusammengeschlossen. „Das ist große Klasse“, sagt Grass. Er selbst zeigte auch großen Einsatz: beim Abschaufeln des Dachs der hauseigenen Kapelle. 

Lesen Sie auch: Schneechaos: So arbeitet die Katastrophenschutzgruppe im Landkreis

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mittendrin in der Bayernhalle: So präsentiert sich der Landkreis in Berlin
„Hochwertige Produkte aus einer wertigen Region“: Unter diesem Motto präsentiert sich der Landkreis heuer auf der Grünen Woche in Berlin. Die Vorbereitungen laufen auf …
Mittendrin in der Bayernhalle: So präsentiert sich der Landkreis in Berlin
Katastrophenfall: Großeinsatz in Bayrischzell - BOB-Start „nicht optimal“
Die Schneelage im Landkreis Miesbach entspannt sich. In Bayrischzell bereitet der Schnee weiter Problem. Die BOB fährt wieder - allerdings mit Einschränkungen.
Katastrophenfall: Großeinsatz in Bayrischzell - BOB-Start „nicht optimal“
Bitte einsteigen: Fischbachauer E-Auto für alle Bürger freigegeben
Der Probebetrieb war erfolgreich, jetzt ist der Startschuss gefallen: Das E-Carsharing der Gemeinde Fischbachau ist für die allgemeine Nutzung freigegeben. Doch es geht …
Bitte einsteigen: Fischbachauer E-Auto für alle Bürger freigegeben
Miesbach: Die Ferien sind sicher - So geht es in der Schule weiter
Im Landkreis Miesbach wird seit heute morgen wieder unterrichtet. Der Ausfall hat die Gerüchteküche angeheizt. Wir erklären, was Schüler und Eltern wissen müssen.
Miesbach: Die Ferien sind sicher - So geht es in der Schule weiter

Kommentare