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Die Schaltzentrale im Katastrophenfall: Die Führungsgruppe Katastrophenschutz tagt im Landratsamt. Weil die Presse während der aktuellen Lage keinen Zutritt hat, stammt unser Bild von einer Übung.

Blick hinter die Kulissen

Schneechaos: So arbeitet die Katastrophenschutzgruppe im Landkreis

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Der schwere Schnee hat den Landkreis in den Ausnahmezustand gestürzt. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz koordiniert alle Maßnahmen. Hier ein Blick hinter die Kulissen.

Miesbach – Wenn sie zusammenkommen, ist die Lage ernst. Seit Montagmittag tagen die Mitglieder der Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt, um alle Maßnahmen rund um das Schneechaos im Landkreis zu koordinieren. Doch wer sitzt überhaupt mit am Tisch? Wie behalten die Beteiligten den Überblick? Und wer trifft die Entscheidungen? Wir haben nachgefragt.

Mal eben persönlich vorbeischauen geht nicht. Die Öffentlichkeit hat zum Konferenzraum keinen Zutritt. Auch Pressevertreter dürfen nicht hinein. Begründung: Die Mitglieder der Führungsgruppe sollen nicht bei ihrer Arbeit gestört werden, erklärt die Pressesprecherin des Landratsamts, Sophie Stadler. Dafür berichtet sie auf unsere Nachfrage hin ausführlich, was hinter den verschlossenen Türen passiert.

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So besteht die Führungsgruppe grundsätzlich aus Mitarbeitern der Katastrophenschutzbehörde am Landratsamt. Je nach Lage werde sie durch Vertreter anderer betroffener Behörden und Einrichtungen sowie durch die an der Bewältigung beteiligten Einsatzorganisationen und Sachverständige erweitert. Beim aktuellen Schneechaos bestehe die Gruppe aus gut 40 Personen von folgenden Organisationen: Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW), Rettungs- und Sanitätsdienst mit Unterstützungsgruppe, Bergwacht, Straßenmeisterei, Kreisbauhof, Polizei, Straßenverkehrsbehörde, Landkreisfeuerwehrführung mit Unterstützungsgruppe, Staatliches Schulamt sowie die Verwaltung des Landratsamtes.

Pausen gönnen sich die Mitglieder der Führungsgruppe nicht. Der Stab ist im Schichtbetrieb rund um die Uhr besetzt. Je nach Lage tritt er regelmäßig – derzeit circa alle zwei Stunden – zur Besprechung zusammen. In erster Linie geht es um den Austausch der neuesten Erkenntnisse aus den jeweiligen Bereichen. „Jede Organisation beobachtet alle kritischen Punkte, die die eigene Zuständigkeit betreffen“, erklärt Stadler. Jeder „Fachberater“ habe einen Kommunikationsapparat im Hintergrund, der ihn mit den Ergebnissen von Kontrollfahrten und anderen Infos versorgt.

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Dabei handelt es sich beispielsweise um die Situation auf den Straßen oder an den Schulen. Weil die Schneelast auch für die Dächer öffentlicher Gebäude problematisch werden könnte, würden bei Bedarf Sachverständige hinzugezogen. Gleiches rate das Landratsamt auch den Kommunen und Privateigentümern, so Stadler.

Auf Basis aller Erkenntnisse trifft die Führungsgruppe dann ihre Entscheidungen. Und zwar solche, die über die Aufgaben des Örtlichen Einsatzleiters – im Landkreis ist dies Kreisbrandrat Anton Riblinger – hinausgehen. Die Entscheidungskompetenz liegt dabei beim Leiter der Führungsgruppe, Verwaltungsdirektor Martin Pemler. Damit die Infos und Warnungen auch nach außen dringen, ist der Stab zudem mit der Unterrichtung der Bevölkerung vertraut. Sollte es ganz schlimm kommen, können die Beteiligten auch auswärtige Hilfe anfordern.

Bleibt die Frage, wie schlimm das Schneechaos tatsächlich ist und ob dieses wirklich den Katastrophenfall rechtfertigt. Nicht nur am Landratsamt ist man davon überzeugt. Auch der Landesgeschäftsführer des Roten Kreuzes, Leonhard Stärk aus Miesbach, sieht die Lage im Landkreis „immer noch kritisch“, wie er auf seiner Facebook-Seite schreibt. Im Hinblick auf die wetterbedingten Beeinträchtigungen des täglichen Lebens, verbunden mit teilweise erheblichen Gefahren durch Schneebruch und den erwarteten hohen Neuschneemengen habe er „Respekt vor der Entscheidung des Landratsamtes“, so Stärk. „Dies führt zur erhöhten Bereitschaft der Einsatzkräfte aller Organisationen und lässt schnelle, sichernde Maßnahmen zu.“

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