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Mensch und Maschine: Andreas Mayr räumt und streut mit seinem 400 PS-starken MAN unter anderem die Sudelfeldstraße. Schneeketten braucht er aufgrund des hohen Gewichts seines Fahrzeugs so gut wie nie.

Dieses Wochenende ist er im Dauereinsatz

Schneepflug-Fahrer im Interview: „Wir kapitulieren vor keinem Wetter“

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Zumindest in den höheren Lagen erlebt der Landkreis ein schneereiches Wochenende. Damit ist Andreas Mayr mit seinen Winterdienst-Kollegen im Dauereinsatz. Doch er freut sich drauf.

Landkreis – Der Mann aus dem Norden räumt ganz im Süden. Seit 16 Jahren ist Andreas Mayr für die Straßenmeisterei Hausham im Winterdienst-Einsatz. Das Revier des Otterfingers ist eine der schneereichsten Strecken im ganzen Landkreis: Er fährt von Aurach aus übers Sudelfeld bis zum Tatzelwurm und ins Ursprungtal zur Bäckeralm. Wir haben Mayr gefragt, wie sich sein Beruf über die Jahre verändert hat und warum er ihn heute immer noch gerne macht – vor allem, wenn es viel schneit.

Herr Mayr, wenn es einer weiß, dann Sie: Waren die Winter früher wirklich strenger?

Andreas Mayr: Ich würde sagen ja. Das weiß ich nicht nur aus meiner Zeit im Räum- und Streufahrzeug. Davor bin ich internationale Holztransporte gefahren. Und da hab ich oft genug Schneeketten aufgezogen, weil der Winterdienst nicht so gut wie bei uns war. Ich hab mir geschworen, das mal besser zu machen.

Vor 16 Jahren haben Sie begonnen, den Beweis anzutreten.

Andreas Mayr: Genau. Ich hatte damals Glück, dass eine Stelle bei der Straßenmeisterei frei geworden ist. Bis heute bin ich mit Leidenschaft dabei – wie alle meine Kollegen.

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Was macht die Faszination aus?

Andreas Mayr: Für mich ist es der Reiz, das Beste aus der vorhandenen Technik und den unbeeinflussbaren Wetterbedingungen zu machen. Egal wie widrig es auf den Straßen ausschaut. Man kapituliert nicht, sondern beißt sich durch. Das geht nur, wenn alle Hand in Hand arbeiten.

Und wie lautet das Erfolgsgeheimnis gegen Eis und Schnee?

Andreas Mayr: In erster Linie an der guten Vorbereitung. Wenn Schnee und Kälte angesagt werden, rücken wir bereits drei Stunden vorher aus. Da streuen wir eine Mischung aus Salz und einem Solegemisch. Das ist ein bisschen feucht und haftet damit besser auf dem trockenen Asphalt.

Streuen ist ein gutes Stichwort. Als Autofahrer hat man oft den Eindruck, es wird viel mehr gesalzen als früher. Stimmt’s?

Andreas Mayr: Das kann ich so nicht bestätigen. Aber ohne Streuen geht es eben nicht. Obwohl das Räumschild direkt auf der Straße aufliegt, bleibt ein dünner Schnee- und Matschfilm zurück. Deshalb streuen wir im selben Arbeitsgang. Das Salz-Sole-Gemisch dringt bis in die Poren des Asphalts vor. Würden wir das nicht machen, wäre die Straße bald die reinste Schneebahn. Damit wären viele Autofahrer überfordert.

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Womit wir gleich beim nächsten Mythos wären: Können die Leute im Schnee nicht mehr Autofahren?

Andreas Mayr: Manchmal hat man schon den Eindruck. Und das, obwohl es heute gute Winterreifen gibt. Ich glaube, dass viele mit der ganzen modernen Elektronik in ihren Autos überfordert sind. Andererseits hat aber auch die Aggressivität und Ungeduld im Verkehr zugenommen. Das merken wir vor allem, wenn wir frech überholt werden.

Und wenn dann ein Unfall passiert, ist der Winterdienst Schuld.

Andreas Mayr: Dank unserer GPS-Überwachung sind wir da eigentlich nicht mehr angreifbar. Da wird jeder gefahrene Meter und jedes gestreute Gramm Salz aufgezeichnet. ich muss aber auch sagen, dass mich so gut wie nie Beschwerden erreichen. Im Gegenteil: Wenn ich in einer Bäckerei in Bayrischzell Pause mache, bekomme ich immer wieder Lob für meine Arbeit. Nicht nur von Einheimischen, sondern auch von Gästen.

Tatsächlich?

Andreas Mayr: Ja. Letztens, als es am Sudelfeld in ein paar Stunden einen halben Meter Schnee hergehauen hat, hat mich ein Urlauber aus Hamburg angesprochen. Er war total begeistert, dass wir selbst bei solchen Bedingungen die Straßen frei halten können. bei ihm daheim bricht offenbar schon bei drei Zentimetern das Chaos aus.

Müssen wir das am Wochenende auch befürchten? Da ist speziell für das Sudelfeld ja einiges an Schnee zu erwarten.

Andreas Mayr: Wir werden alles dafür tun, dass die Autofahrer keine größeren Probleme haben. Ehrlich gesagt freue ich mich sogar auf den Einsatz. Für uns – und da spreche ich für alle meine Kollegen – ist ein lascher Winter gar nix. Zum Januar gehört Schnee und Kälte unbedingt dazu. Und dafür machen wir gerne ein paar Überstunden.

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