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Mit dem Diesel um den See: Noch verkehrt die Bayerische Oberlandbahn, wie hier am Schliersee, mit Kraftstoff. Jetzt rückt eine Elektrifizierung in greifbare Nähe.

Exklusiv: Großer Schritt für BOB-Elektrifizierung 

Schon 2018 könnte ein erster Elektro-Zug an den Tegernsee rollen

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Der Auftrag ist erteilt. Ein Zeitplan wird gerade erstellt. Wie uns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner bestätigt, könnte 2018 der erste mit Brennstoffzellen betriebene Testzug an den Tegernsee rollen.

Landkreis – Es war ein Treffen, von dem der Fischbachauer Bürgermeister Josef Lechner (CSU) später gegenüber unserer Zeitung sagte, es habe den Durchbruch gebracht. Einmal mehr befasste sich am Montag ein Runder Tisch aus Politikern und Bahnvertretern in München mit der Zukunft des Schienenverkehrs im Oberland. Doch noch nie war man offenbar so weit wie am Montag. Das Geheimnis? „Der politische Wille ist da“, sagt Wirtschaftsministerin und Landtagsabgeordnete Ilse Aigner (CSU). Denn seit das Kabinett beschlossen hat, wegen des Luftreinhalteplans den Dieselmotor zurückzudrängen, kommt auch Bewegung in die Debatte um die Elektrifizierung der Bahnstrecken. Letztlich geht es jetzt nicht mehr um die Frage, ob der Strom kommt, sondern wann und in welcher Form.

Bis Januar, so das gestrige Ergebnis, will Innenstaatssekretär Gerhard Eck konkrete Pläne auf dem Tisch liegen haben. Sie sollen zeigen, wann und mit welchem finanziellen Aufwand Oberleitungen bis zu den Endhaltestellen im Oberland fertiggestellt sein könnten. Und es braucht Ideen für eine Übergangslösung. „Wasserstoffloks mit LOHC-Technologie sind nicht mehr die erste Wahl“, berichtet Aigner. Die von ihrem Ministerium in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie habe zwar eine grundsätzliche Eignung bescheinigt, die Entwicklung dauert aber speziell fürs Oberland zu lang. Das Pilotprojekt wolle man trotzdem vorantreiben – und davon vielleicht später an anderer Stelle profitieren. „Manchmal braucht’s halt auch einen längeren Atem“, sagt Aigner.

Fürs Oberland rücken jetzt als Übergangslösung Triebwagen in den Fokus, die ihren Strom zwischen München und Holzkirchen aus der Oberleitung und zwischen Holzkirchen und dem Oberland aus Akkus beziehen. Nach Gesprächen mit Aigner hat der Siemens-Konzern in Aussicht gestellt, dass ein Pilotzug schon 2018 zwischen München und Tegernsee pendeln könnte. Derzeit laufen in Österreich die Vorbereitungen für eine ähnliche Testserie von Siemens und Österreichischer Bundesbahn (ÖBB).

Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernsee-Bahn und als solcher für den Streckenabschnitt zwischen Schaftlach und Tegernsee verantwortlich, sieht im Fahrplan durchaus Luft für einen derartigen Probebetrieb. Er gilt seit Langem als Verfechter dieser Technologie und hat sie in den vergangenen Jahren konsequent befeuert. In der Testphase – ohne Passagiere – gelte es zu klären, wie es um die Reichweite im Akku-Betrieb bestellt ist. „Möglicherweise stellt sich heraus, dass man zusätzlich eine Brennstoffzelle benötigt, die die Batterien auf Ladung hält“, sagt Seeger.

Der Test dürfte auch zeigen, ob der Bau von Oberleitungen ins Oberland überhaupt notwendig ist. Bewährt sich die Technologie, könnte man sich den millionenschweren Ausbau vielleicht sogar sparen. Bis Gewissheit herrscht, wird die Elektrifizierung konsequent vorangetrieben. „Es ist wichtig, dass wir jetzt für die Ausschreibung 2023 die Weichen richtig stellen“, sagt Bürgermeister Lechner. Sein Amtskollege Olaf von Löwis (CSU) aus Holzkirchen untermauert das. Der ÖPNV müsse insgesamt vorankommen. Mit dem Ergebnis der gestrigen Besprechung ist auch er hochzufrieden. „Die Politik gibt Gas, alle wollen vorankommen“, stellt er klar. „Das Treffen war eine klare Absage an die Bedenkenträger.“

sh

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