Mit etwa 1,1 Millionen Euro brutto rechnet die Stadt beim Neubau der Brücke am Schopfgraben.
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Mit etwa 1,1 Millionen Euro brutto rechnet die Stadt beim Neubau der Brücke am Schopfgraben.

Schopfgrabenbrücke wird neu gebaut

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Die nächste große, unaufschiebbare Aufgabe steht bevor: Die Stadt Miesbach muss die Schopfgrabenbrücke erneuern. Die Kosten liegen nach derzeitigen Schätzungen bei etwa 1,1 Millionen Euro. Der Stadtrat gab nun den Startschuss für das Verfahren. Der Neubau soll 2022 erfolgen.

Miesbach – Für das Rathaus ist die neue Baustelle keine Überraschung. Seit 2017 ist intern klar, dass die Schopfgrabenbrücke im Norden Richtung Wies über kurz oder lang angepackt werden muss - ähnlich wie 2017 bei der Johannisbrücke. Die Frage ist nur: sanieren oder gleich neu bauen?

In der Sitzung des Stadtrats am Donnerstagabend hat Tiefbautechniker Jürgen Brückner klargemacht, dass eine Sanierung aus mehreren Gründen die schlechtere Lösung sei: Es gibt keine staatlichen Zuschüsse, und man hat weiterhin eine alte Brücke.

Zustand verschlechtert sich nachweislich

Dabei ist das Bauwerk am Schopfgraben aus dem Jahr 1965 solide gebaut, wie Brückner erklärte. Aber die Zeit habe ihre Spuren hinterlassen. Dies habe sich auch bei den Prüfungen gezeigt. Im Bewertungsschema 1 bis 4 (entspricht Schulnote 6) habe sich die Brücke beim Check 2019 von 2,4 auf 3,4 verschlechtert. „Wir müssen also etwas tun.“

Einfach ersetzen reicht jedoch nicht. Gemäß der aktuellen Vorschriften ist der Freispiegel zu beachten. Das ist ein Mindestabstand von mindestens einem Meter zwischen dem tiefsten Bauteil der Brücke und dem Wasserspiegel bei einem Hochwasser mit 100-jähriger Wahrscheinlichkeit – einem sogenannten HQ100. Dass die Brücke zu tief ist, hat sich bereits beim Eisschub im Winter 2017 gezeigt, als von Hausham Eisschollen die Schlierach hinuntertrieben und die Sparten – also die Gas- und Wasserleitungen, die unterhalb der Brücke angebracht sind – beschädigte.

Höhere Brücke wegen HQ100

Eine höhere Brücke – die Rede ist von etwa 1,60 Metern – bedeutet auch eine steilere Zufahrt. Deshalb muss auch der Schopfgraben wie eine moderate Rampe angehoben werden. Das führt auch dazu, dass Zufahrten von Grundstücken in nächster Nähe angeglichen werden müssen.

Die Brückenkappe ist stark geschädigt.

Ungewiss ist auch die Bauweise der Fundamente, die – wie Brückner vermutet – wohl eher ohne Bewehrungsstahl errichtet wurden, was der ungünstigste Fall wäre. Von der Tragfähigkeit ist abhängig, ob die Fundamente ersetzt oder noch genutzt werden können.

Paul Fertl (SPD) zeigte sich erstaunt, „was wir alles finanziell schultern wollen“. Seine Idee, die Haltbarkeit mit einer Begrenzung der Tonnage hinauszuzögern, entkräftete Brückner. Nördlich der Brücke Richtung Wies sei die Straße eh auf 20 Tonnen limitiert. „Wir haben Handlungsbedarf. Kurz gesagt: De Bruckn is hi.“ Was Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) bestätigte: „Wenn wir weiter warten, bedeutet das die Sperrung.“

Geplanter Abriss im Frühjahr 2022

Der Ablaufplan sieht nun so aus: Im Frühsommer 2021 soll ins wasserrechtliche Verfahren eingestiegen werden. Im Herbst wäre dann die Ausschreibung dran, sodass im April 2022 die Brücke abgerissen werden könnte. Während der rund dreimonatigen Bauzeit müssen Autofahrer Umleitungen nutzen, für Fußgänger wird die Möglichkeit einer Behelfsbrücke geprüft. Ziel ist es, dass im September die neue Brücke eröffnet werden kann.

Der Stadtrat hat für das weitere Verfahren nun einstimmig grünes Licht gegeben. Die Kosten für die Planung sind im Haushalt bereits eingestellt.

Der Idee von Markus Seemüller (FWG), mit dem Neubau gleich eine Bademöglichkeit an der Schlierach für Kinder und Jugendliche zu schaffen – beispielsweise eine Gumpe –, machte Brückner wenig Hoffnung: „Die Schlierach ist ein Gewässer zweiter Ordnung und unterliegt dem Wasserrecht. Das bedeutet, dass man kaum etwas verändern darf, was den Ablauf beeinflussen könnte.“ Die Chancen, damit Erfolg zu haben, beurteilte der Bautechniker als sehr gering.

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