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Ein Leben für die Schule: Peter Huber geht nach mehr als acht Jahren an der Spitze des Miesbacher Schulamts in den Ruhestand. Früher stand er selbst am Pult.

65-jähriger Rosenheimer geht in den Ruhestand

Schulamtsleiter Peter Huber: „So viel zum Einpacken habe ich nicht“

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Schulamtsleiter Peter Huber geht in den Ruhestand. Interview erzählt er von seinen vielen Erfahrungen im Schulbetrieb - und von seiner Leidenschaft für Informatik.

Miesbach– Auch wenn er bei seiner letzten Station nicht mehr selbst an der Tafel stand: Peter Huber hat in seiner 38-jährigen Berufslaufbahn so gut wie alle Facetten des Schulbetriebs durchlebt. Genau acht Jahre und drei Monate kümmerte er sich als Leiter des Miesbacher Schulamts um die 19 Grund- und acht Mittelschulen im Landkreis. Am Donnerstag verabschiedet sich der 65-jährige Rosenheimer nun in den Ruhestand. Im Interview gibt er einen Einblick hinter die Kulissen des Schulamts und erklärt, warum er es nie länger als neun Jahre an einem Ort ausgehalten hat.

-Herr Huber, Ihr Schreibtisch schaut schon recht aufgeräumt aus. Haben Sie die Kisten schon gepackt?

Peter Huber: (lacht) Mein Schreibtisch war immer aufgeräumt! Und so viel zum Einpacken habe ich gar nicht. Ich war erstaunt, dass in meiner Zeit hier gerade einmal 1,5 Gigabyte an persönlichen Daten zusammengekommen sind. Das meiste davon sind Reden oder andere von mir verfasste Texte. Die passen in ein paar wenige Ordner.

-Sie bemessen Ihre Arbeit in Gigabyte?

Peter Huber: Das liegt wahrscheinlich an meiner Leidenschaft für Computer. Ich habe mich schon für EDV-Systeme und Anwendungen interessiert, als es noch nicht mal richtige Fachzeitschriften gab. Letztlich war dieses Faible sogar der Grund, warum ich mein Lehrerdasein 1990 zumindest zeitweise aufgegeben habe.

-Sie sind in die IT gewechselt?

Peter Huber: Fast. 1988 bin ich auf der Computermesse Systems mit dem damaligen Leiter des Informatikreferats am Institut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) München ins Gespräch gekommen. Der hat mich gefragt, ob ich an der Erstellung von Programmen für den Informatikunterricht mitarbeiten will. Das war quasi mein Einstieg in den Ausstieg aus dem normalen Schulbetrieb.

-Der Unterricht hat Ihnen nicht gefehlt?

Peter Huber: Natürlich war das schon eine Umstellung. Ich wollte Lehrer werden, seit ich in der zweiten Klasse war. Trotzdem hat mich die neue Aufgabe gereizt. Mit „Edi“ und „Mani“ habe ich am ISB zwei eigene DOS-Programme entwickelt. Neben dem Erstellen von Lehrplänen durfte ich auch Vorträge vor anderen Lehrern halten. Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit und sogar in China. Das war eine spannende Zeit.

-Trotzdem sind Sie nach neun Jahren wieder zurück in den Schulalltag.

Peter Huber: Das Beständige in meinem Berufsleben war der Wechsel. Ich habe mir immer wieder neue Aufgaben gesucht – auch wenn mir bei jedem Neuanfang flau im Magen war. Als Rektor der Grund- und Hauptschule Rosenheim-Aising war ich dann mit den Lehrplänen konfrontiert, die ich vorher selbst entwickelt habe. Gewissermaßen die gerechte Strafe.

-Und eine lehrreiche Erfahrung für Ihre späteren Aufgaben beim Schulamt?

Peter Huber: Auf jeden Fall. Die Doppelbelastung aus Unterricht und Verwaltungsaufgaben hat mich stark gefordert. Deshalb bin ich 2007 ans Schulamt gewechselt.

-Seit 2009 sind Sie nun im Landkreis Miesbach tätig gewesen. Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Peter Huber: Das gute Miteinander. Man merkt, dass die Grund- und Mittelschulen hier einen sehr hohen Stellenwert genießen – auch in den Rathäusern und Unternehmen. Die Leute sind stolz auf „ihre“ Schulen. Deshalb bin ich froh, dass es uns durch die Gründung der beiden Verbünde Schliersee-Hausham-Fischbachau und Valley-Holzkirchen-Rottach-Egern gelungen ist, auch die kleineren Standorte zu erhalten. Selbst an der zurzeit inaktiven Mittelschule Waakirchen dürfen die Eltern wählen, an welche Schule sie ihre Kinder stattdessen schicken.

-Stichwort Eltern: Wie stark hat sich das Erziehungsbewusstsein im Lauf der Jahre verändert?

Peter Huber: Im Grunde haben sich zwei Pole herausgebildet: Auf der einen Seite gibt es Eltern, die ihre gesamte Erziehungsverantwortung an den Staat abgeben. Auf der anderen Seite sind die Helikoptereltern, die ihre Kinder nie aus den Augen lassen. Zum Glück befinden sich die meisten Eltern im Landkreis in der gesunden Mitte. Und dank unserer Beratungsangebote im Bereich Schulpsychologie, Inklusion und Integration können wir jedem Kind die Betreuung anbieten, die es braucht.

-Das geht aber nur mit dem geeigneten Lehrpersonal. Wie sehen Sie da die Lage im Landkreis?

Peter Huber: Im Vergleich zu anderen Teilen Bayerns sind wir noch sehr gut aufgestellt. Erfreulich ist, dass wir in den vergangenen beiden Jahren fast alle unsere Referendare fest anstellen konnten. Auch mit der Nachqualifizierung von Realschul- und Gymnasiallehrern haben wir gute Erfahrungen gemacht. Mir war immer wichtig, den Lehrern das Gefühl zu geben, dass sie vom Schulamt betreut und nicht überwacht werden. Das nimmt viel an Spannung raus bei den Lehramtsprüfungen und sorgt für Verständnis bei konzeptuellen Veränderungen im Schulwesen.

-Von denen Sie in ihrem Berufsleben einige miterlebt haben. Wie sehr wird Ihnen dieser Alltag fehlen?

Peter Huber: Ganz ehrlich? Ich habe auch vor dem Wechsel in den Ruhestand ein flaues Gefühl im Bauch. Angst vor Langeweile habe ich aber nicht. Meine Frau und ich haben uns Anfang des Jahres ein Wohnmobil gekauft. Damit fahren wir im Frühjahr für ein paar Wochen nach Sardinien. Das wäre früher nicht möglich gewesen, weil da immer die Zeit der Klassenbildung war. Mein Berufsleben lang hat die Schule den Takt vorgegeben, jetzt macht das die Familie.

-Sie haben drei erwachsene Kinder. Hand aufs Herz: Wie viele davon sind Lehrer geworden?

Peter Huber: (lacht) Keines. Mein Sohn ist Arzt, die jüngste Tochter macht gerade ihren Doktortitel in Medizin. Meine andere Tochter ist als Innenarchitektin erfolgreich. Vielleicht war ich einfach kein gutes Vorbild.

Der Nachfolger

von Peter Huber als Schulamtsleiter ist der 46-jährige Jürgen Heiß. Der Aßlinger war zuletzt als Schulrat im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen tätig.

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