Masken tragen müssen die Schüler auch weiterhin, selbst wenn ab Montag wieder regulärer Präsenzunterricht für alle stattfindet. Dieses Foto zeigt Schüler der Realschule Tegernseer Tal im Wechselunterricht.
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Masken tragen müssen die Schüler auch weiterhin, selbst wenn ab Montag wieder regulärer Präsenzunterricht für alle stattfindet. Dieses Foto zeigt Schüler der Realschule Tegernseer Tal im Wechselunterricht.

Corona-Pandemie

Schulen kehren zum Präsenzunterricht zurück

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Landkreis – Nach monatelangem Ausnahmezustand kehren die Schulen am Montag in den Regelunterricht zurück. Doch nicht alles wird sein, wie früher. Abgesehen von der weiter geltenden Masken- und Testpflicht, hat die Pandemie Lehren und Lernen verändert.

Grund-/Mittelschule

„Wir können das Rad nicht zurückdrehen und das wollen wir auch nicht“, sagt zum Beispiel Markus Rewitzer, Leiter der Grund- und Mittelschule Hausham. Das Kollegium überlege derzeit, welche digitalen Instrumente beibehalten, welche modifiziert und welche abgeschafft werden. Klar sei, dass digitale Kommunikationswege zwischen Eltern und Lehrern sowie zwischen Schülern und Lehrern aufrechterhalten werden sollen. „Sie haben sich als praktisch erwiesen.“ Auch einige Learning-Apps – vor allem jene mit intuitiver Anwendung – hätten sich als sinnvoll herausgestellt.

Damit ist die Bestandsaufnahme an der Grund- und Mittelschule nicht beendet: „Die große Herausforderung ist jetzt, zu schauen, wo unsere Schüler stehen. Dort müssen wir sie abholen. Wir können nicht über die Köpfe der Schüler hinweg unterrichten und dem Lehrplan hinterherhetzen.“ Für Rewitzer steht außer Frage, dass viele Schüler Lücken haben. „Wir brauchen Zeit zum wiederholen und vertiefen.“ Gerade bereitet er ein freiwilliges Förderangebot für seine Grund- und Hauptschüler in den Sommerferien vor. „Ich hoffe, dass wir das nötige Personal finden.“ Pensionierte Lehrer, Studenten und Fachkräfte aus der außerschulischen Bildung seien denkbar, ebenso Lehrer aus dem eigenen Kollegium.

Realschule

„Die Rückkehr in den Präsenzunterricht ist ein wichtiger Schritt Richtung Normalität“, sagt Schulleiter Tobias Schreiner. Und doch bleibt manches anders. Unter anderem haben die Schüler heuer erstmals Gelegenheit, mit einem sogenannten freiwilligen Leistungsnachweis ihre Noten zu verbessern. So sollen sie eventuelle pandemiebedingte Nachteile ausgleichen können. „Die Prüfung wird nur gewertet, wenn sich der Schüler dadurch nicht verschlechtert“, erklärt Schreiner. Bislang haben sich 80 Schüler dazu angemeldet.

Schreiner ist vom Konzept des freiwilligen Leistungsnachweises überzeugt – unabhängig von der Pandemie. Ebenso von der Idee, Prüfungen anzukündigen oder projektorientiert zu bewerten, wie es in der Pandemie praktiziert wird. „Man wird nachdenken müssen, solche Formen langfristig ins Bewertungskonzept zu übernehmen.“ Schließlich sollten Schüler nicht aus Angst vor der Note lernen. „Kinder kommen mit dem Drang zu lernen auf die Welt. Unser Ziel sollte es sein, das zu erhalten.“

Doch nicht nur für die Leistungsbewertung habe die Pandemie Folgen: „Jetzt ist die Zeit, zu überlegen, welche Elemente der Digitalisierung wir in die Zukunft mitnehmen und welche nur Notbehelf sind“, sagt Schreiner. Denkbar sei, dass Schüler auch künftig online in Projektteams zusammenarbeiten. Auch Lehrerkonferenzen könnten weiter online stattfinden: „Wir haben viele Kollegen mit kleinen Kindern. Eine Konferenz am Nachmittag mit Kinderbetreuung unter einen Hut zu kriegen, ist so deutlich einfacher.“ Corona habe Möglichkeiten aufgezeigt, für die man vor zwei Jahren noch hochgezogene Augenbrauen geerntet habe.

Fachoberschule

An der FOS Holzkirchen startet der Präsenzunterricht für alle erst am 16. Juni – wenn die Abiturprüfungen vorbei sind, die pandemiebedingt erst am 10. Juni beginnen. „Wir brauchen für unsere 370 Abiturienten das komplette Schulhaus“, sagt Schulleiter Michael Hüttl. Um die Gefahr einer Ansteckung gering zu halten, werden die Abiturienten über alle Klassenzimmer, die Turnhalle und die Aula verteilt.

Hüttl sieht seine Schüler gut vorbereitet. „Wir hatten keinen Unterrichtsausfall, sondern konnten im Hybridunterricht regulär nach Lehrplan vorgehen.“ Schon seit vergangenem Jahr haben alle Klassenzimmer der FOS Webcams, das Schulhaus hat drei zusätzliche Datenleitungen bekommen, das Lehrerkollegium Fortbildungen für Digitalunterricht.

Berufschule

Martin Greifenstein, Leiter des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Miesbach, freut sich auf Montag: „Wir sind unglaublich froh, dass dann endlich wieder Leben im Haus ist.“ Wichtig sei, zu schauen, welche Defizite die Schüler haben und diese mit Förderunterricht auszugleichen. Zwar sei dank der digitalen Ausstattung kein Unterricht ausgefallen, allerdings sei es etwa in der Hauswirtschaftslehre oder im Kochunterricht wichtig, dass Schüler in professioneller Umgebung praktische Kenntnisse erwerben könnten.

Greifenstein ist überzeugt, dass digitale Instrumente auch künftig Anwendung finden. Vor allem wegen des großen Einzugsbereichs des BSZ – er reicht in den Süden von München, nach Garmisch, Berchtesgaden und Bad Tölz. Das liegt auch daran, dass das BSZ den südöstlichen Sprengel Bayerns für die Ausbildung von Landmaschinentechnikern hat. „Wenn ich an das Schneechaos 2019 denke oder an die Streiks im öffentlichen Nahverkehr. Da können wir jetzt problemlos auf Digitalunterricht umschalten.“

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