3000 Test-Sets hat das Gymnasium Miesbach bisher erhalten. Schulleiter Rainer Dlugosch (r.), hier mit seinem Stellvertreter Markus Gamperling, fürchtet, dass die erste Schulstunde nur fürs Testen draufgeht.
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3000 Test-Sets hat das Gymnasium Miesbach bisher erhalten. Schulleiter Rainer Dlugosch (r.), hier mit seinem Stellvertreter Markus Gamperling, fürchtet, dass die erste Schulstunde nur fürs Testen draufgeht.

CORONA

Schulen sind auf Testpflicht vorbereitet

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Landkreis – Ab Montag gilt an Bayerns Schulen Testpflicht für Schüler und Lehrer. Auch wenn das Schulamt sowie die Schulen selbst noch auf die konkreten Ausführungsbestimmungen des Kultusministeriums warten: Auf den Teststart sind sie vorbereitet.

Am Gymnasium Miesbach etwa finden die Tests klassenweise in der ersten Schulstunde statt. Die Lehrer bekommen die Tests für ihre Klasse vor Unterrichtsbeginn ausgehändigt und verteilen sie an die Schüler, die sich dann unter Anleitung ihres Lehrers selbst die Nasenwand abstreichen – „etwa vier Zentimeter tief“, wie Schulleiter Rainer Dlugosch weiß.

Frühestens nach 15 Minuten liegen die Ergebnisse vor. Ist ein Schüler positiv, informiert das Gymnasium die Eltern, die ihr Kind dann abholen müssen. Bis dahin wartet es in einem Raum, isoliert von der Klasse. Das positive Ergebnis muss anschließend durch einen PCR-Test, etwa beim Arzt, überprüft werden. Erst dann geht es in die Statistik ein – und der Schüler in Quarantäne.

Schulleiter kritisiert „Hauruck-Verfahren“

Dlugosch ist sich bewusst, dass ein positives Ergebnis den betroffenen Schüler verunsichern kann: „Natürlich haben wir eine Schulpsychologin. Aber es ist trotzdem eine pädagogische Herausforderung, damit umzugehen.“ Noch unklar sei, wie mit dem Rest der Klasse zu verfahren sei, der mit dem positiven Schüler in einem Raum war. „Gelten diese Schüler als Kontaktperson eins und müssen in Quarantäne?“ Dlugosch geht davon aus, dass die Ausführungsbestimmungen des Kultusministeriums bis zum Wochenende Klarheit bringen. Er ärgert sich aber über die Kurzfristigkeit: „Dieses Hauruck-Verfahren macht die Umsetzung schwer.“ Außerdem fürchtet Dlugosch, dass die gesamte erste Stunde für den Test draufgeht: „Wie sollen wir die Schüler angemessen auf Prüfungen vorbereiten?“

Immerhin: Tests hat sein rund 1000 Schüler zählendes Gymnasium ausreichend bekommen, um in den ersten beiden Wochen nach den Osterferien zwei Mal wöchentlich zu testen – insgesamt 3000 Stück. „Voraussichtlich Mitte nächster Woche liefert der zuständige Katastrophenschutz weitere Tests aus“, teilt Schulamtsleiter Jürgen Heiß auf Nachfrage mit. Er geht davon aus, dass auch an Grund- und Mittelschulen, für die das Schulamt zuständig ist, ausreichend Tests vorliegen.

Welche Inzidenz am Montag gilt, steht Heiß zufolge erst am Freitag fest. Bei einer Inzidenz unter 100 gilt Wechselunterricht für alle Jahrgangsstufen, bei über 100 kommen nur die Abschlussklassen in die Schule.

Nebeneinander von Präsenz- und Wechselunterricht ist schwierig

Dlugosch stellt sich auf Wechselunterricht für alle ein. Trotzdem rechnet er damit, dass am Montag nicht alle kommen. „Einige Eltern haben uns im Vorfeld signalisiert, dass sie mit einem Test nicht einverstanden sind.“ Er befürchtet deshalb, dass Lehrer künftig zunehmend parallel unterrichten müssen: Einen Teil der Klasse im Präsenz-, den Rest im Distanzunterricht: „Dieses Nebeneinander ist eine große Herausforderung.“

Der Leiter der Realschule Tegernseer Tal, Tobias Schreiner, hat vor den Osterferien das schriftliche Einverständnis der Eltern mit den Tests eingeholt. „In der Annahme, dass nach Ostern einmal wöchentlich auf freiwilliger Basis getestet wird“, sagt Schreiner. Auch ihn hat der Kurswechsel des Kabinetts überrascht. 85 Prozent der Eltern seien mit einem Test einverstanden. Ein Teil der Eltern sei nicht grundsätzlich gegen die Tests, bevorzuge aber einen Test beim Arzt oder im Testzentrum, um im Fall eines positiven Ergebnisses für ihr Kind da sein zu können. „Offenbar können auch andere Tests, die nicht älter als 48 Stunden sind als Alternative zum Test in der Schule vorgelegt werden“, sagt Schreiner. Spannend sei die Frage, ob das QR-Code-System des Landkreises künftig eine Rolle bei den Schultests spielen könne.

Bereits vor den Osternferien hat Schreiner mit fünf Klassen Probetests gemacht: „Das war problemlos. Wir haben nur festgestellt, dass einige Schüler beim Abstrich niesen müssen, was wegen der Infektionsgefahr nicht optimal ist.“ Deshalb seien während des Tests im Klassenzimmer die Fenster geöffnet.

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