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Hat große Pläne für das alte Krankenhaus: Rainer Dlugosch, Schulleiter am Miesbacher Gymnasium, möchte in diesem Gebäude ein Schülerforschungszentrum einrichten.

Rainer Dlugosch will Landkreis zur Mint-Region machen

Schulleiter plant Forschungszentrum im alten Krankenhaus

Miesbach - Immer weniger Schüler können sich für Mathematik oder Naturwissenschaft begeistern. Ein Schülerforschungszentrum im alten Miesbacher Krankenhaus soll diesem Trend entgegenwirken.

Öde Formeln auf der Tafel oder brodelnde Flüssigkeiten im Reagenzglas? Eintönige Rechenaufgaben am Schreibtisch oder lieber spannende Experimente im Labor? Bei diesen Fragen wüssten die meisten Schüler wohl sofort, für welche Unterrichtsform sie die Hand heben würden. Geht es nach Rainer Dlugosch, könnte der Traum vieler von Mathe-, Chemie- und Physikbüchern geplagter Jugendlicher tatsächlich wahr werden. Der Schulleiter des Miesbacher Gymnasiums möchte im zweiten Obergeschoss des alten Krankenhauses an der Haidmühlstraße ein Schülerforschungszentrum (SFZ) einrichten. Im Kreisausschuss stellte Dlugosch das Projekt erstmals öffentlich vor.

Ziel sei es dabei, den Nachwuchs über ein möglichst praxisnahes, außerschulisches Lernen in den sogenannten Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu fördern – und somit langfristig neue Fachkräfte für die hiesigen Unternehmen zu generieren. Nicht nur Gymnasiasten, sondern auch Real-, Mittel- und Berufsschüler sollen unter der Anleitung von Lehrern und Wissenschaftlern der Münchner Universitäten forschen dürfen. Der Lage des alten Krankenhauses sei dank. „Zentraler geht es nicht“, sagte Dlugosch. Über den zu Fuß erreichbaren Bahnhof habe das SFZ die Chance, junge Forscher aus dem gesamten Münchner Süden anzulocken.

Dies soll in erster Linie über eine Einbindung in das bayernweite Mint-Netzwerk gelingen. Ein entsprechendes Förderprogramm hat das Kultusministerium ausgeschrieben. Sieben Regionen werden zwei Jahre lang in den Genuss eines von der Staatsregierung geförderten Mint-Managers kommen. Zudem erhalten alle ausgewählten Regionen zwei Vollzeit-Lehrerstellen für das SFZ. Voraussetzung für eine Bewerbung ist ein öffentlicher Träger. Dlugosch bat den Landkreis, diese Rolle zu übernehmen. Alexander Schmid, Chef der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG), sagte im Ausschuss seine Unterstützung zu. „Das wird eine Wahnsinnsaufgabe, aber wir werden eine super Bewerbung abgeben.“

Parallel dazu will Dlugosch einen Förderverein gründen, um Geld für die Einrichtung der Labors und Werkstätten auf der 400 Quadratmeter großen Fläche im alten Krankenhaus zu sammeln. „Die Gebäudestruktur ist gut geeignet“, sagte er. Auch die Stadt Miesbach, der das Krankenhaus gehört, steht hinter dem Projekt, versicherte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Der Stadtrat habe ein einstimmig positives Meinungsbild abgegeben. Fast euphorisch äußerte sich Pongratz’ Stellvertreter Paul Fertl (SPD). Das SFZ habe das Potenzial zum „Superlativ für den Landkreis“, lobte er.

Auch Bildungsregionskoordinator Michael Pelzer sparte nicht mit großen Worten – vor allem für Dlugosch. „Wenn jemand wie er so etwas mit glänzenden Augen angeht, kann es gar nicht zu groß sein“, schwärmte Pelzer. Alleine der Kontakt, den der Schulleiter bereits jetzt zu TU und LMU München aufgebaut habe, sei für den Landkreis als Bildungsregion von großem Wert. Tatsächlich hat die Technische Universität laut Dlugosch bereits zwei wissenschaftliche Mitarbeiter sowie 30 Wochenstunden für das SFZ in Aussicht gestellt. Ferner würde ein Professor der Uni die wissenschaftliche Leitung tragen.

Nicht nur die Initiatoren, sondern auch die Kreisräte zeigten sich begeistert von SFZ und Mint-Region. Einstimmig beschlossen sie, dass der Landkreis sowohl die Trägerschaft für die Bewerbung als auch den Sachaufwand von 10 000 Euro pro Jahr sowie die Kosten für den Mint-Manager für zwei Jahre nach Ablauf des Förderzeitraums in Höhe von 120 000 Euro übernimmt. Letzteres sorgte für sanfte Kritik von Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU): „Das sollte die hiesige Wirtschaft übernehmen“, sagte er. Schließlich würde diese ja auch von den Fachkräften profitieren.

Schmid versicherte, dass – im Fall einer erfolgreichen Bewerbung – der Mint-Manager auf die Unternehmer zugehen werde. Robert Wiechmann (Grüne) machte sich zudem dafür stark, auch alle anderen Schulen frühzeitig an dem Projekt zu beteiligen. „So was funktioniert am besten, wenn es von unten wächst.“

Zustimmendes Klopfen im Kreisausschuss erntete Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) für sein emotionales Schlusswort. „Für Innovationen braucht es Mut“, sagte er. „Und die Bildungsregion ist kein Lippenbekenntnis.“

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