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Gratulanten aus der alten Heimat: Miesbachs Kirchenpfleger Siegfried Rummel und Pfarrsekretärin Gerti Biebl besuchten die langjährige Leiterin des Pfarrkindergartens, Schwester Helga, zu ihrem 80. Geburtstag im Maria-Theresia-Heim in Neubiberg. Die Ordensfrau hat sich sehr über die Glückwünsche und Geschenke der Pfarrei, des Kindergartens und der Stadt gefreut. Überrascht war sie darüber aber nicht, meint sie schmunzelnd. „Ich bin in Miesbach bekannt wie ein bunter Hund.“

Sie hat Generationen von Miesbacher Kindern aufgezogen

Schwester Helga ist 80 geworden: Ein Porträt zum Geburtstag

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37 Jahre lang war sie die gute Seele im Pfarrkindergarten in der Kreisstadt. Jetzt hat Schwester Helga in Neubiberg ihren 80. Geburtstag gefeiert. Ihr Herz gehört den Miesbachern.

Miesbach – Nicht mal zu ihrem runden Geburtstag ließ sich Schwester Helga zu einem Besuch in ihrer alten Heimat überreden. „Das bringt mir nichts“, sagt die langjährige Leiterin des Miesbacher Pfarrkindergartens. „Ich lebe lieber von den schönen Erinnerungen.“ Tatsächlich ist der Ehrenbürgerin der Kreisstadt auch ein bisschen mulmig vor der Wehmut, die bei einer Rückkehr in ihr hochkommen würden. Kein Wunder, schließlich waren ihre 37 Jahre mit den Miesbacher Kindern für Schwester Helga viel mehr als nur eine Aufgabe ihres Ordens der Armen Schulschwestern. Sie waren ihr eine Herzensangelegenheit.

Schon als kleines Mädchen wusste die gebürtige Münchnerin, dass sie später einmal mit Kindern arbeiten möchte. „Ich wollte Säuglingsschwester werden“, erzählt die 80-Jährige, die mittlerweile im Maria-Theresia-Heim in Neubiberg lebt. Als sie in der Volksschule am Anger dann die Arbeit der Armen Schulschwestern kennenlernte, keimte zum ersten Mal der Gedanke in ihr hoch, sich wie – ihre beiden Tanten – der Kongregation anzuschließen.

Doch der Wunsch, etwas mit Kindern zu machen, ließ sie nicht los. Also begann sie 1951 eine Ausbildung zur Erzieherin. Neun Jahre später fügte sich dann alles zusammen: Wadislohner trat in den Orden ein – und wurde zu Schwester Helga.

Nach Miesbach kam sie 1965. Dort löste sie die langjährige Leiterin des Pfarrkindergartens, Schwester Dagila, ab. Zusätzlich zu ihren Verwaltungsaufgaben betreute sie auch stets eine eigene Gruppe. Weil der Kindergarten bald aus allen Nähten platzte, setzte sich Schwester Helga früh für einen Neubau an der Kolpingstraße ein, der 1971 fertiggestellt wurde.

Nicht das einzige Vermächtnis der Ordensfrau, von dem die Kinder noch heute profitieren. Auch viele Aktivitäten im Pfarrkindergarten gehen auf ihre Initiative zurück. Ob Ausflüge in den Tierpark oder den Wildpark Poing, Schwester Helga war oft mit den Kleinen unterwegs. Ein beliebter Spaziergang führte zum Bauernhof der Familie Brugger in der Wies. „Da hat’s immer Limo und Würstel gegeben“, erinnert sich die 80-Jährige.

Bis heute Kultstatus genießt die Übernachtung auf der Miesbacher Hütte am Spitzingsee (wir berichteten). Auch Schwester Helga weiß darüber viele lustige Anekdoten zu berichten. Eine bringt sie noch heute zum Lachen: Als sie die Kinder vor dem Einschlafen im Nachthemd erblickten, meinte ein Bub: „Jetzt schaust du aber komisch aus.“ Noch bevor die Schwester etwas sagen konnte, gab einer anderer zurück: „Warum? Du gehst doch auch nicht im Arbeitsgewand ins Bett.“

Es sind Geschichten wie diese, die Schwester Helga auch heute noch oft und gerne erzählt. Und in Neubiberg hat sie viele begeisterte Zuhörerinnen. „Was haben die alten Leute denn sonst noch?“, meint die 80-Jährige. Sie selbst hilft fleißig in der Stationsküche im sechsten Stock – wenn Not am Mann ist auch mal in der Pflege. Am wichtigsten ist ihr aber, die Bewohner zum Lachen zu bringen. „Die sagen, dass mir immer irgendein Blödsinn einfällt“, erzählt Schwester Helga und lacht.

Jeden Blödsinn mitgemacht hat sie als Kindergartenleiterin aber nicht. Als sie zum Beispiel bei einer Konferenz hörte, dass Computer angeschafft werden sollten, damit sich die Kinder möglichst früh damit beschäftigen, stellte sie sich quer. „Mir war wichtiger, dass die Kinder miteinander spielen“, sagt sie. Die stetig wechselnden Auflagen in der Pädagogik waren auch der Grund, warum sich Schwester Helga im Jahr 2002 in den Ruhestand verabschiedete. „Ich hätte sonst erst mal fünf Jahre lang Fortbildungen machen müssen“, erklärt sie. Das war ihr in diesem Alter zu viel.

Doch anstatt die Beine hochzulegen, wechselte die Ordensfrau als Oberin in ein Gästehaus in Samerberg. Zehn Jahre lang kümmerte sie sich dort um ein „bunt gemischtes Publikum“. So schön das auch war: An ihre Miesbacher Zeit reichte es nicht heran, meint Schwester Helga ein bisschen wehmütig: „Weil do war i dahoam.“

Die Ordensfrauen

der Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau sind fest mit der Geschichte der Kreisstadt verbunden. In ihrem 140-jährigen Wirken in Miesbach betreuten sie die Mädchenschule (ab 1865) und den Pfarrkindergarten (ab 1915). Wegen Nachwuchsproblemen mussten später immer mehr Einrichtungen geschlossen werden. 2005 folgte auch der Abzug aus dem Miesbacher Kloster.

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