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Experten und Bürger im Dialog: Die von der Sperrung der Johannisbrücke betroffenen Anwohner tauschten sich im Sitzungssaal des Miesbacher Rathauses mit den Experten aus – darunter Ingenieur Egbert Limbach (vorne).

Anwohnerbesprechung zum Neubau der Miesbacher Johannisbrücke

Sechs Monate Brückensperrung: Das sind die Auswirkungen

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Sechs Monate lang ist die Miesbacher Johannisbrücke ab Ende April gesperrt. Bei einer Anwohnerbesprechung stellten die Ingenieure nun den Zeitplan vor. 

Miesbach– Schon die Sitzordnung ließ vermuten, dass nicht nur die Experten auf dem Podium zu Wort kommen würden. So nahmen bei der Anwohnerbesprechung zum Neubau der Miesbacher Johannisbrücke die Bürger auf den sonst den Stadträten vorbehaltenen Stühlen im großen Saal des Rathauses Platz. „Sie leben im Bermuda-Dreieck“, schickte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz der Diskussion voraus. „Deshalb wollen wir Sie auch frühzeitig in die Planung einbeziehen.“ Tatsächlich entwickelte sich ein lebhafter Austausch, von dem alle wertvolle Hinweise mit nach Hause nahmen.

Der Brückenbau

Schon die Vorarbeiten zum Abriss und Neubau der Johannisbrücke im vergangenen Sommer haben für reichlich Diskussion gesorgt. Neben Anwohnern beschwerten sich auch Geschäftsleute über die Folgen der knapp sechswöchigen Sperrung der Durchfahrtsstraße über die Schlierach. Heuer müssen sie sich sogar auf eine sechsmonatige Umleitung einstellen.

Die Baustelleneinrichtung und Beschilderung startet laut Marcel Kober vom Ingenieurbüro Ostler am Dienstag, 18. April. Offizieller Baubeginn ist Montag, 24. April. „Spätestens dann ist die Brücke komplett gesperrt“, erklärte Kober. Fußgänger und Radfahrer können auf die bereits eingehängte Stahlbrücke ausweichen. Bis Anfang September soll das neue Bauwerk stehen, danach wird der Straßenbelag aufgebracht und das Geländer angeschraubt. Die Übergabe ist für den 29. September geplant. Für den Verkehr freigegeben wird die Brücke aber erst nach Abschluss der Arbeiten in Bergwerk- und Albert Schweitzer-Straße Ende Oktober.

Der Straßenbau

Hier steht den Arbeitern ein straffes Programm bevor. Ab Anfang August rücken in der Bergwerkstraße die Bagger an. Wasserleitung und Regenwasserkanal werden erneuert. „Die Bergwerkstraße ist für uns ein absoluter Problembereich“, sagte Egbert Limbach vom Ingenieurbüro Trummer. Obwohl an der engen Sackstraße viele Gewerbebetriebe angesiedelt sind, führe an tageweisen Vollsperrungen in der dreiwöchigen Bauphase kein Weg vorbei. Vor 7 Uhr und nach 17 Uhr werde die Straße aber halbseitig freigegeben. Mit Handzetteln werde die Baufirma die Anwohner rechtzeitig über die Einschränkungen informieren. Wer auf sein Auto angewiesen sei, müsse dieses zwischenzeitlich woanders parken. Auch die Firmen sollten ihre Anlieferungen entsprechend koordinieren.

Die Betroffenen zeigten sich skeptisch. „Könnte man die Arbeiten auch nachts durchführen?“, regte einer an. Dann bliebe die Straße tagsüber für Lieferanten offen. Technisch sei dies denkbar, sagte Limbach. Allerdings würden durch Nachtzuschläge und Beleuchtung höhere Kosten entstehen. Auch die Lärmbelastung dürfe man nicht vergessen. „Wir werden prüfen, welche Auflagen es gibt“, versprach Pongratz. Gleiches gilt für Ersatzparkplätze für die Anwohner. Pongratz fasste hier die Fläche am Eisstadion ins Auge.

Generell unkomplizierter ist die Lage an der Albert-Schweitzer-Straße. Auch hier muss zwar die Wasserleitung erneuert werden, aber eben nur bis zur Abzweigung Frauenschulstraße. „Da kann man von beiden Seiten aus hinfahren“, erklärte Limbach. Die Deckensanierung samt Vollsperrung bis hoch zum Seniorenzentrum sei ohnehin in einem Tag erledigt.

Die Umleitungen

Wie schon im Sommer 2016 gilt: Der Verkehr wird während der Sperrung großräumig über die B 472 umgeleitet. Weil die Buslinie von Schweinthal über die Von Vollmar- und Frauenschulstraße bis zum Bahnhof generell nur schwach frequentiert werde, würde der RVO auch diesmal die fünf Haltestellen streichen, erklärte Pongratz. Sie schlug den Anwohnern vor, auf das Anruf-Sammel-Taxi (AST) auszuweichen. Die Haltestellen seien dieselben wie beim Bus, der einfache Fahrpreis mit 3,60 Euro im Vergleich zum normalen Taxi überschaubar.

Aufatmen dürfen die Anwohner am Schlierachweg. Ihre Anliegerstraße wurde während der ersten Brückensperrung von so vielen Autofahrern als Umfahrung missbraucht, dass die Stadt letztlich Betonpoller aufstellen ließ. Soweit soll es diesmal nicht kommen, stellte Pongratz klar. Sie schlug vor, eine fest im Boden verankerte Metallabsperrung anzubringen, die sich per Schlüssel öffnen lässt. Willy Hofäcker plädierte dafür, diesen nicht nur an Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst, sondern auf Wunsch auch an die Anwohner auszugeben. Pongratz stimmte zu – unter einer Bedingung: Die Leute müssten sich verpflichten, die Sperre nach dem Durchfahren wieder zu verschließen.

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