Sexuelle Nötigung in den Oberlandwerkstätten

Miesbacher vergeht sich an geistig behinderter Frau

Miesbach - Für einen psychisch kranken Miesbacher (52) endete eine Verhandlung am Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe. Er verging sich an einer geistig behinderten Frau (39) aus Otterfing.

Sie dreht den Kopf weg, lässt es einfach zu und wehrt sich nicht.“ So beschrieb die Mutter der 39-jährigen, von Geburt an geistig behinderten Otterfingerin vor dem Miesbacher Amtsgericht, wie ihre Tochter im Mai 2014 in den Miesbacher Oberlandwerkstätten sexuell genötigt wurde. Ihr Peiniger: ein psychisch kranker Miesbacher (52), der damals noch als Hilfsarbeiter in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung tätig war. Während der Tat blieb die Frau stumm und ließ den sexuellen Übergriff über sich ergehen. 

Der Vorfall ereignete sich während der Mittagspause auf der Herrentoilette, auf der sich die ebenfalls als Hilfsarbeiterin angestellte Frau die Hände waschen wollte. Plötzlich stand der Miesbach vor ihr und begann, die hilflose Frau auf den Mund und den Oberkörper zu küssen. „Sie wollte das auch und hat mich ebenfalls geküsst“, stammelte der Angeklagte. „Von ihrer Behinderung wusste ich gar nichts.“ 

Doch beim Küssen blieb es nicht. Er fasste ihr in die Hose und „streichelte“, wie der Täter es nannte, sein Opfer im Genitalbereich. Dass es mehr als ein Streicheln gewesen sein musste, stellte der Münchner Rechtsmediziner Helmut Pankratz aufgrund der medizinischen Untersuchung der Frau klar. Der Miesbacher sei offensichtlich in sein Opfer eingedrungen. Der bestreitet das jedoch. Anhand von blutigen Fingerabdrücken an der Kabinenwand in der Toilette mit der DNA des mittlerweile pensionierten Mannes konnte dieser aber überführt werden. 

Erst zum Ende der Mittagspause, als der Gong ertönte, ließ der Mann von der Frau ab. Sie rannte aus der Toilette direkt in die Arme einer Betreuerin und berichtete ihr von dem Vorfall. „Ich hab’ mich während der Tat einfach nicht getraut, ihm zu sagen, dass er aufhören soll“, erzählte die Frau, die mit ihrem Teddybären im Arm etwas eingeschüchtert im Gericht stand und die Fragen von Richter Walter Leitner beantwortete. „Aber ich wollte das auf keinen Fall.“ 

Spurlos ist das Vergehen an der Otterfingerin auch nicht vorbei gegangen. „Heute hat sie immer noch Angst vor frauenärztlichen Untersuchungen sowie vor dem Geruch von Männerduschgel“, erklärte ihre Mutter. 

Aufgrund von sexueller Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung beantragte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten für den unter anderem an Depressionen und Wahnvorstellungen leidenden Angeklagten. Zudem forderte der Staatsanwalt, dem Mann 100 Sozialstunden aufzuerlegen. 

Verteidiger Klaus Baltzer hielt es für ausreichend, „meinen Mandanten zu einer angemessenen Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verurteilen“. Als der Beschuldigte das letzte Wort hatte, nutzte er noch die Gelegenheit, um sich bei der Mutter des Opfers für seine Tat zu entschuldigen. „Wir hassen Sie dafür nicht“, entgegnete sie. „Ihnen geht es ja gesundheitlich auch nicht gut.“ 

Nach acht zähen Verhandlungsstunden verkündete Leitner das Urteil. Er sprach den Miesbacher der sexuellen Nötigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung für schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten – ausgesetzt zur Bewährung. 80 Stunden Sozialdienst verhängte der Richter gegen den Sexualstraftäter zusätzlich.

hph

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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