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Im Großen und Ganzen zufrieden mit der Sicherheitslage: (v.l.) Polizeipräsident Robert Kopp, Landrat Wolfgang Rzehak und Leitender Polizeidirektor Harald Pickert.

„Wir brauchen keine Polizeifestspiele“

Sicherheitsgespräch: Zahl der Straftaten im Landkreis leicht gesunken

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Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel: Das richtige Maß an Polizeipräsenz kann das Sicherheitsgefühl positiv beeinflussen. So sehen die tatsächlichen Deliktzahlen für 2017 aus.

Landkreis – Sicherheit ist oft Gefühlssache. Nicht für die Polizei, sondern für die Bürger im Landkreis. Doch auch die Profis brauchen Fingerspitzengefühl, erklärte Polizeipräsident Robert Kopp vom Präsidium Oberbayern Süd in Rosenheim gestern beim Sicherheitsgespräch am Landratsamt Miesbach. Einerseits müssten die Streifen Präsenz zeigen, andererseits brauche es aber keine „Polizeifestspiele“, die die Menschen eher verunsichern würden. „Ich denke, dass wir diesen Spagat mit dem richtigen Maß bewältigt haben“, sagte Kopp im Hinblick auf die Jahresbilanz für 2017.

Die Sicherheitslage im Landkreis sei „ausgesprochen gut“, und die Bürger könnten sich auch sicher fühlen, sagte der Polizeipräsident. Landrat Wolfgang Rzehak bestätigte das, und lobte die „vorbildliche Zusammenarbeit“ mit der Polizei. 4143 Straftaten weist die Statistik für das Vorjahr aus, ein Rückgang um 1,8 Prozent. Verglichen mit den Zahlen der vergangenen zehn Jahre handelt es sich aber um den zweithöchsten Wert in diesem Zeitraum. In einigen Deliktbereichen gebe es auch noch „Luft nach oben“, räumte Kopp ein (siehe unten).

Zumindest die Tendenz zeigt aus Sicht der Polizei nach dem – vor allem durch die Zuwanderung verursachten – Sprung von 2015 (3550 Straftaten) auf 2016 (4219) nun wieder in die richtige Richtung. Gesunken ist auch die Häufigkeitszahl, und zwar von 4293 auf 4192 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Im Gesamtbereich des Präsidiums lag die Zahl 2017 mit 3933 niedriger als im Landkreis, bayernweit mit 4533 allerdings deutlich höher.

Als Erfolg dürfen sich die Inspektionen im Landkreis die Entwicklung der Aufklärungsquote auf die Fahnen schreiben, die mit 64,9 Prozent um 2,3 Punkte höher liegt als 2016. Zwei von drei Fällen habe die Polizei gelöst, verkündete Kopp stolz. „Das ist eine deutliche Botschaft an die Bevölkerung.“

Die kommt auch an. Die Polizei genieße ein hohes Vertrauen, betonte der Präsident. „Die Leute rufen uns an, wenn sie was Auffälliges beobachten.“ Das schlägt sich auch in den Einsatzzahlen nieder. Genau 14 632 Mal rückten die Beamten 2017 aus, im Schnitt 40 Mal pro Tag. Das mache sich durchaus auf dem Überstundenkonto bemerkbar, meinte Kopp.

Den viel zitierten Personalmangel bei der Polizei müsse man aber differenziert betrachten. So seien viele übergeordnete Kräfte im Landkreis unterwegs, die im Stellenplan der Inspektionen gar nicht auftauchen. Vor allem bei Großeinsätzen wie dem Amokalarm am Holzkirchner Gymnasium zeige sich, wie gut die Zusammenarbeit funktioniere. „Wenn’s sein muss, sind auf die Schnelle ein paar 100 Leute da“, sagte Kopp. Er spricht hier von „lageorientierter, intelligenter Sicherheit“. Die politischen Signale, in grenznahen Regionen die Schleierfahnder besser auszustatten, begrüßt Kopp. „Das dient der Sicherheit in ganz Deutschland.“

Was das Straftatpotenzial von Zuwanderern anbelangt, ist die Situation im Landkreis im Vergleich mit anderen Regionen mittlerweile eher entspannt. Die besonders konfliktträchtigen Massenunterkünfte finde man hier nicht mehr, sagte Rzehak. Deshalb gebe es hier auch keine politisch motivierte Gewalt. „Wir haben keine radikale Stimmung aufkommen lassen“, sagte der Landrat. Aus Sicht der Polizei sei jede Investition in die Integration begrüßenswert, fügte Harald Pickert, Leitender Polizeidirektor am Präsidium Oberbayern Süd, hinzu. „Jeder Euro macht sich doppelt und dreifach bezahlt.“

Quasi ohne Mehrkosten, dafür aber sehr wirkungsvoll, ist die Strategie der Polizei, Beamte auch bei nicht einsatzbezogenen Fahrten – beispielsweise mit dem Zug – in Dienstkleidung loszuschicken, erklärte Kopp. Auch Warnwesten könnten die wahrgenommene Präsenz spürbar verbessern. Diese „taktische Nutzung“ der erhöhten Sichtbarkeit könne sich auch auf die Bereitschaft zu Straftaten auswirken. Allerdings gebe es durchaus auch Bereiche, wo gerade die Zivilbeamten ihre Stärken hätten, betonte Kopp. „Man muss uns nicht immer sehen können.“

Die einzelnen Deliktzahlen im Vergleich

Licht und Schatten liegen in der Sicherheitsbilanz der Polizei für den Landkreis im Jahr 2017 nah beieinander, wie Harald Pickert, Leitender Polizeidirektor am Präsidium Oberbayern Süd in Rosenheim, in seinem Bericht über die einzelnen Deliktarten beim Sicherheitsgespräch am Landratsamt Miesbach herausarbeitete. 

Wohnungseinbruchsdiebstahl: Hier ist die Zahl zwar um 83 Prozent auf 44 Fälle angestiegen, die Ermittler der Kripo haben laut Pickert aber einige „reisende“ Profi-Banden mit DNA-Abgleich und internationalen Haftbefehlen aus dem Verkehr gezogen. Festhalten werde man an der Präventionsarbeit. Immerhin 14 der 44 Einbrüche seien im Versuchsstadium gescheitert. Sorgen bereitet die erneut gestiegene Fallzahl (41 Einbrüche) im gewerblichen Bereich. 

Vermögens- und Fälschungsdelikte: Auch hier sitzen die Hintermänner oft im Ausland. Zudem verändern sie ständig ihre Betrugsmaschen, erklärte Pickert. Der sogenannte Enkeltrick sei mittlerweile fast verschwunden, dafür würden vor allem Senioren reihenweise auf falsche Polizeibeamte hereinfallen, die sie um ihr Erspartes bringen wollen. Eine Gruppe aus Spezialisten in Traunstein kümmere sich um die Ermittlungen. Zumindest im Landkreis Miesbach ist die Zahl der Fälle 2017 um 6,3 Prozent auf 1100 zurückgegangen. 

Rohheitsdelikte und Gewaltkriminalität: Bei Zuwächsen von 2,5 und 12,3 Prozent wirke sich weiterhin die Zuwanderung von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den vergangenen Jahren aus, so Pickert. 105 von 669 Tätern im Bereich Raub und Körperverletzungen stammten aus diesem Kreis. Meist handle es sich um junge Männer. 

Rauschgiftdelikte: Der Rückgang um 15,8 Prozent auf 373 Fälle freut Pickert, euphorisch ist er aber nicht. Die Zahl schwanke mit der Kontrolltätigkeit der Polizei. 

Sexualdelikte: Mit 51 Fällen hat die Polizei hier einen Anstieg um 4,1 Prozent verzeichnet. Dies liegt in erster Linie an einer veränderten Rechtslage, erklärte Pickert. So werte die Justiz beispielsweise ein „Grapschen“ nicht mehr als Beleidigung, sondern als sexuelle Belästigung.

Tötungsdelikte: Sieben Fälle bedeuten ein Plus von 16,7 Prozent. 

Diebstahlsdelikte: Mit 20,4 Prozent haben diese Vergehen nach den Vermögens- und Fälschungsdelikten den größten Anteil an den Straftaten im Landkreis. 2017 hat sich ihre Zahl aber um drei Prozent auf 861 Fälle verringert. 

Straßenkriminalität: Sie genießt ein besonderes Augenmerk bei der Polizei, weil sie die gefühlte Sicherheit in der Bevölkerung besonders stark beeinflusst. Umso mehr freut man sich über den Rückgang um 8,3 Prozent auf 571 Straftaten im Jahr 2017.

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