Probesitzen am Wahlabend: CSU-Kandidat Gerhard Braunmiller nahm schon mal den Bürgermeisterplatz im Sitzungssaal ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte ihm sein Kontrahent Walter Fraunhofer bereits gratuliert.
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Probesitzen am Wahlabend: CSU-Kandidat Gerhard Braunmiller nahm schon mal den Bürgermeisterplatz im Sitzungssaal ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte ihm sein Kontrahent Walter Fraunhofer bereits gratuliert.

Sieg nach Herzschlagfinale

Braunmiller gewinnt Stichwahl-Thriller in Miesbach

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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Was für ein Herzschlagfinale: Mit 51,78 Prozent hat sich gestern Abend Gerhard Braunmiller (CSU) gegen den parteilosen Walter Fraunhofer bei der Bürgermeister-Stichwahl in Miesbach durchgesetzt.

Dabei votierten 3065 Miesbacher für den CSU-Stadtrat, 2854 – 211 weniger – stimmten für den Kandidaten von SPD und Freier Wählergemeinschaft.

Es war ein regelrechter Thriller, der im Internet auf der Homepage der Stadt zu verfolgen war. Vom Start weg lag Fraunhofer minimal vorn, konnte seinen Vorsprung in kleinen Schritten bis auf knapp 90 Stimmen ausbauen. Doch Braunmiller blieb dran. In einem Wahllokal war das Ergebnis so knapp, dass Fraunhofer mit nur einer Stimme Vorsprung rausging. Erst im Endspurt kam Braunmiller zurück: Mit dem drittletzten Ergebnis verkürzte er, mit dem vorletzten überholte er, und mit dem letzten machte er um 19.26 Uhr den Wahlsieg perfekt.

„Es war unglaublich eng“

„Es war wirklich unglaublich eng“, stellte der Stichwahlsieger dann erleichtert fest. „Ich bin jetzt froh, dass sich der Einsatz gelohnt hat, gerade der meines Teams und meiner Familie.“ Zwischendrin seien ihm gestern am Monitor im Rathaus Zweifel gekommen, ob er es doch noch schaffen kann – aber abgehakt habe er die Wahl nie. „Es war ja immer noch alles offen, und ich habe bis zum Schluss Hoffnung gehabt, doch noch aufholen zu können. Am Schluss ist dann alles gut gegangen.“ Die große Unbekannte sei die Wahlbeteiligung gewesen – je größer, desto besser die Chancen.

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Fraunhofer nahm die Niederlage nüchtern an. „Das war Spannung bis in die Haarspitzen“, stellte er fest. Das Ergebnis sei sehr knapp. „Dafür müssen wir uns nicht anschauen lassen.“ Nicht zuletzt angesichts des Wahlbudgets der CSU.

„Wünsche ihm eine glückliche Hand“

Seinem Kontrahenten Braunmiller wünscht Fraunhofer indes eine „glückliche Hand, denn er wird es nicht leicht haben im Amt“. Nicht zuletzt wegen der Corona-Krise werde es mit der Gewerbesteuer schwierig, „Es wird kein Wunschkonzert mehr geben.“ Dass mit dem verpassten Amt des Bürgermeisters auch seine Zeit in der Kommunalpolitik vorbei ist – Fraunhofer trat weder für den Stadtrat noch für den Kreistag an –, nimmt er gelassen: „Damit kann ich leben.“ Nun habe der Beruf wieder volle Aufmerksamkeit. Und so ganz abgeschlossen sei ja nichts. „Wer weiß, was noch kommt.“

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Zu den ersten Gratulanten Braunmillers gehörte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Die Stimmkreisabgeordnete zeigte sich mit den Ergebnissen der Stichwahl im Landkreis insgesamt sehr zufrieden: „Bei den Bürgermeisterwahlen freuen wir uns über den Sieg von Gerhard Braunmiller in der Kreisstadt und Christoph Schmid in Holzkirchen.“ Knapp nicht gereicht habe es – „trotz starker Kandidaten“ – in Otterfing, Bad Wiessee und Valley. „Hier setzen die CSU-Fraktionen weiter auf eine engagierte Arbeit in den Gemeinderäten. Gratulation an alle neuen Bürgermeister im Landkreis.“

Wahlbeteiligung bei 66,47 Prozent

Wie Miesbachs Wahlleiterin Sandra Bauer mitteilte, wurden auch gestern noch zahlreiche Briefwahlunterlagen bei der Stadt abgegeben. Insgesamt stimmten 5919 der insgesamt 8945 Wahlberechtigten ab. 27 Stimmen waren dabei ungültig. Die Wahlbeteiligung liegt damit bei 66,47 Prozent.

Bei der Auszählung lief gestern Abend alles glatt. Das Coronavirus spielte dabei lediglich eine untergeordnete Rolle, wie Geschäftsleiter Gerhard Führer berichtet: „Die Sicherheitsabstände wurden eingehalten.“ Alle Wahlhelfer waren mit Einweg-Handschuhen ausgestattet, und wer wollte, konnte auch mit Mundschutz arbeiten. Führer: „Es wurde routiniert ausgezählt.“

ddy

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